Kusel Viel fahren, lang warten

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Zum Einstieg eine kleine Schätzfrage: Wie viele Kinderarztpraxen gibt es im Kreis Kusel? Die Antworten zufällig befragter Eltern, reichten von fünf bis 20 Praxen. Reines Wunschdenken, denn tatsächlich gibt es nur zwei Gemeinschaftspraxen in Kusel und in Schönenberg-Kübelberg; plus eine Einzelpraxis ebenfalls in Schönenberg-Kübelberg. Besonders für die Eltern im Nordkreis, bedeutet das nicht selten weite Anfahrtswege – besonders mit kranken Kindern ist das kein Vergnügen. Die Probleme sind jedoch noch weitreichender. Simone Gilcher aus Lauterecken und Tatjana Emrich aus Odenbach berichteten von Unsicherheiten der Allgemeinmediziner im Umgang mit Kindern und sogar Nichtbehandlungen und falschen Medikamenten. Schon im Geburtskrankenhaus hatte Simone Gilcher sich erkundigt, welchen Kinderarzt sie mit ihrem Sohn Mike, der vor elf Jahren vier Wochen zu früh zur Welt gekommen war, aufsuchen solle. Empfohlen wurde ihr ein Arzt in Idar-Oberstein, den sie dann auch mit dem älteren Sohn Mark besuchte. Mittlerweile geht sie mit ihren Kindern nur noch für Impfungen und Standard-Untersuchungen zum Kinderarzt. Besonders mit einem anfälligen Kind, das häufiger zum Kinderarzt muss, wird durch „Fahrerei oder Wartezeiten“ der Alltag etwas stressiger. Ein Arzt in der Nähe, wäre da eine Erleichterung, aber „das Kind geht immer vor“, erklärt Gilcher . Bei kleineren Infekten und Ähnlichem suchen die Jungen den Hausarzt auf, weil „es praktischer, näher und einfacher im Ort ist“. Doch auch für Fachärzte, die mit Kindern und Jugendlichen gut zurecht kommen, fährt die Mutter mit ihren Söhnen nach Kaiserslautern oder zum Kieferorthopäden nach Bad Kreuznach. „Ohne Auto ist man aufgeschmissen“, erklärt sie weiter. Selbst mit Auto sei es nicht immer einfach. Sie erinnert sich da an Parkplatzsuchen und Fußmärsche mit Wickeltasche, Spielzeug und Babysafe zur Praxis; oder, im Winter, an weite Anfahrten bei Schnee und Eis. Viele kleine Faktoren spielen mit und müssten gerade für junge Mütter einfacher, praktischer sein. Tatjana Emrich sucht mit dem neunjährigen Jan und der sechs Jahre alten Fabienne den Kinderarzt im Nachbarort Meisenheim auf, weil „man ruck-zuck dort ist, sofern die Ärztin nicht gerade Urlaub hat, denn dann steh’ ich da und muss nach Kirn oder Bad Sobernheim“. Nach Meisenheim kann sie auch mal mit einem kranken Kind die kurze Busfahrt bewältigen, aber alles andere endet in einer „Mordsfahrerei“. Sie sucht „eigentlich immer den Kinderarzt“ auf, da sie die Erfahrung machte, dass manche Ärzte Kinder nicht so gerne untersuchen. Dann komme sie sich wie im falschen Film vor, erklärt die Mutter und hofft, dass sich zukünftig etwas tut. Unverständnis zeigt sie darüber, dass der Hausarzt ihres Partners bei Erwachsenen gute Arbeit leiste, aber bei Kindern offenbar ein Problem habe. Ihren sich übergebenden Sohn habe er auf ihr Drängen hin untersucht. „Wenn es etwas schlimmer ist, sollte man eigentlich gleich ins Krankenhaus nach Idar-Oberstein oder so fahren, das ist einfacher als in der Weltgeschichte rumzugurken. Wobei sie nicht zur Bereitschaftszentrale fahren würde, denn dort sei ihrer damals fünfjährigen Tochter ein Medikament verschieben worden, dass erst ab zwölf Jahren verwendet werden darf. Ähnliches wusste Gilcher zu berichten. Dort fragte der Arzt die Arzthelferin, was er am besten mit dem jungen Patienten tun solle. Emrich würde sich mehr Kinderärzte und Allgemeinmediziner wünschen, die Kinder adäquat behandeln können. Einzig die sogenannten U-Untersuchungen, die den Entwicklungsstand des Kindes festhalten und in einem gewissen zeitlichen Rahmen stattfinden, seien gut planbar und klappten immer ohne Komplikationen.

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