Kusel Ulmet: Schöne neue Welt der Mobilität

Elektroautos – hier eines der Kreisverwaltung an der Mobilitätszentrale in Kusel – sind noch teuer und haben lange Lieferzeiten.
Elektroautos – hier eines der Kreisverwaltung an der Mobilitätszentrale in Kusel – sind noch teuer und haben lange Lieferzeiten.

Die eingeschränkte Mobilität, die Bewohner im Kreis Kusel aktuell wegen mehrerer Straßensperrungen erfahren haben, war nicht das Thema. Vielmehr ging es bei der Veranstaltung der Kreisvolkshochschule am Mittwoch um Wege, wie sich das Mobilitätsangebot verbessern lässt. Elektroautos, öffentlicher Nahverkehr, Bürgerbus, Car-Sharing, Fahrradwege, Pendlerströme und demografischer Wandel waren Stichworte für die Gespräche mit Experten.

Ein innovativer Nahverkehrsplan für den Landkreis, die Kombination von kommunaler Solarenergienutzung mit Autoteilen, Etablierung von Elektroautos sowie verändertes Mobilitätsverhalten listete Karl-Heinz Schoon, Ex-Verbandsbürgermeister und Moderator der Veranstaltung, einige Ergebnisse aus den Diskussionsrunden auf. Ein Kreis von Interessenten sollte an diesen dicken Brettern weiterbohren, empfahl er. Für Klagen über leere Busse hat Stefan Schirra Verständnis. Aus Sicht des Niederlassungsleiters der Region West der DB Regio, die den Busverkehr betreibt, bietet jedoch eine Ausschreibung, bei der der billigste Anbieter den Zuschlag erhält, nur wenig Spielraum für neue Ideen.

Busse alle 30 Minuten

Dabei sieht Schirra durchaus Verbesserungsmöglichkeiten für das Nahverkehrsangebot im Landkreis. Flexibilisierung und Verdichtung sind für ihn Schlüsselworte. Auf den Hauptlinien müssten Busse alle 30 Minuten anstelle im bisherigen Stundentakt unterwegs sein, um für Autofahrer eine attraktive Alternative zu bieten. Und das Ruftaxi-Angebot müsste flexibler sein, empfiehlt Schirra: kürzere Anforderungszeit, Verzicht auf Unterwegs-Halte, kein starres Zeitschema und Fahrt bis zur Haustür. „Flexibilität leistet mehr als Taktverkehr“, ist er überzeugt. Als Erfolgsstory präsentierte Bürgermeister Christoph Lothschütz von der Verbandsgemeinde Oberes Glantal den Bürgerbus, der im Südkreis seit Juli 2017 an zwei Tagen in der Woche unterwegs ist. Rund 40 Fahrgäste würden an jedem Termin befördert. Der zurückgelegte Weg summiere sich an jedem Fahrtermin auf 400 bis 500 Kilometer. Um nicht nur als „Seniorentransporter“ zu gelten, strebe das Bürgerbus-Projekt an, andere Zielgruppen, speziell Jugendliche zu erreichen. Bisher gebe es für Jugendliche in erster Linie Fahrten zum Schwimmbad Waldmohr. Im Hinblick auf umweltfreundliche Mobilität wird Lothschütz zufolge erwogen, auf einen elektrischen Bürgerbus umzusteigen. Auch für den Fuhrpark der Verbandsgemeinde werde ein Wechsel zu E-Autos angestrebt.

Strom der Umwelt zuliebe

Mit Strom statt Sprit ist bereits seit längerem Kurt-Werner Augenstein aus Offenbach-Hundheim unterwegs. Für den alternativen Antrieb entschied er sich nicht nur wegen der finanziellen Vorteile, wie geringe Verschleiß- und Wartungskosten, sondern auch der Umwelt zuliebe. Denn Augenstein ist engagiert im Arten- und Naturschutz. Sein Elektrofahrzeug „tankt“ der Pensionär zu Hause mit Sonnenergie aus der hauseigenen Solaranlage mit Batteriespeicher. Mit der Reichweite und Wirtschaftlichkeit seines E-Autos ist Augenstein zufrieden. Für lange Strecken sei allerdings schon einiges an Organisation im Hinblick auf Lademöglichkeiten und -dauer unterwegs erforderlich. Dass es bei der Etablierung von Elektromobilität insgesamt noch hapert, illustrierten Teilnehmer anhand langer Lieferzeiten für E-Autos. Jens Opp von der gleichnamigen Fahrschule hat seine Fahrzeugflotte ebenfalls um ein E-Auto ergänzt. Er hofft, dass der Automatik-Eintrag im Führerschein künftig entfällt, was ebenfalls der Elektromobilität zugute käme.

Energie effizienter nutzen

Peter Heck, Leiter des am Umwelt Campus Birkenfeld angesiedelten Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), nahm die Teilnehmer mit auf einen Ausflug in die schöne neue Mobilitätswelt, die mit Stromautos und autonomem Fahren ganz nah sei. Im Car-Sharing, der Nutzung eines Fahrzeuges durch mehrere Kunden, sieht er einen wichtigen Schritt, um Energie effizienter zu nutzen. Aber auch Verkehrsverlagerung auf Bahn, Bus oder Fahrrad sowie Verkehrsvermeidung durch bessere Nahversorgung sind laut Heck Beiträge für eine nachhaltige Mobilität.

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