Kusel „Spaß am Spiel wiegt Ärger auf“

Wenn im Februar die Oscars verliehen werden, fiebert Rainer „Billy“ Reiners ganz besonders mit: Der Schauspieler, der in Kusel seine Jugend verbrachte, spielt in der neunmal nominierten Komödie „Grand Budapest Hotel“ den „weltbesten“ Zuckerbäcker Mendl. Deutlich größer ist seine Rolle in einer Politsatire mit Arbeitstitel „Eichwald MdB“. Die kommt voraussichtlich dieses Jahr ins deutsche Fernsehen.
Rainer Reiners. Als Kuseler muss man überlegen, wer das ist. In der Kreisstadt hieß und heißt der Schauspieler, der mit seiner Familie längst in Berlin lebt, schlicht „de Billy“. Die Schwester habe ihm den Namen in Kindertagen verpasst, erinnert sich Reiners. Und als er mit 14 oder 15 aus dem heimischen Schleswig-Holstein nach Kusel kam - „verschleppt wurde“, sagt er heute lachend -, gab es kein Zurück. Mutter Reiners nämlich hatte den Kuseler Reiner Thiel geheiratet. „Zwei mit gleichem Namen ging nicht. Wir wussten nie, wer gemeint war.“ Billy in Kusel also, als es noch das Folkfestival auf Burg Lichtenberg gab und der „deutsche Herbst“ dräute: Das Haar trug er lang, die Gitarre über der Schulter auf dem Weg ins Jugendhaus, das er als „grandios“ in Erinnerung hat. Sein in Kaiserslautern abgelegtes Abitur war „ein gutes“, zuvor in Kusel waren die schulischen Leistungen, nun ja, „mäßig und saumäßig“. Aber er war Schülersprecher – und schon damals von der Idee getragen, die deutsche Antwort auf Woody Allen zu werden. „Ich galt als wild“, sagt Reiners. War er wohl auch, der mitten in der Pubertät verpflanzte Teenager Jahrgang 1960. „Ich war linksradikal - das war halt toll, dass man etwas hatte, wogegen man kämpfte.“ Einen Kurzfilm hat Reiners gedreht, 1999, und Schreiben gehört zu seinen Leidenschaften. Mit der deutschen Autorenfilmerantwort auf Woody Allen wurde es trotzdem nichts. Reiners entschied sich für die Schauspielerei - und buk fortan kleinere Brötchen; viel Theater, Fernsehen, auch mal Studentenprojekte und Werbung für Honorare von null Euro bis fünfstellig. Freiberuflicher Schauspieler zu sein, bedeutet fast immer auch wirtschaftliche Unsicherheit. „Dass man immer Phasen hat, in denen man nicht weiß, was kommt, ist schlimm“, räumt Reiners ein. „Und mit dem Alter wird es schlimmer.“ Es gab eine Phase, in der er zum Webseitenprogrammierer umschulen wollte. Die innere Kündigung indes klappte nicht. „Die Leidenschaft und der Spaß am Spiel wiegen alles auf.“ „Ich warte auf den Durchbruch“, formuliert Reiners mit dem ihm eigenen Humor. „Und hoffe gleichzeitig, dass ich nicht für irgendetwas total Doofes bekannt werde.“ Das Warten geht zwar weiter, doch doof ist Reiners’ Rolle als Zuckerbäcker Mendl in „Grand Budapest Hotel“ schon mal nicht. „Ein Golden Globe als beste Komödie, Publikumserfolg bei der Berlinale, neun Oscarnominierungen. Es ist ein tolles Gefühl, ein kleiner Teil dieses Films zu sein.“ Selbst wenn einer wie Reiners natürlich keine Chance hat, zur Verleihung eingeladen zu werden und „neben Bill Murray zu sitzen“. Zwei Tage stand er 2013 in Dresden für die in Starbesetzung gedrehte Komödie vor der Kamera. Letzten Dezember folgte ein weiterer Dreh mit Hollywood-Schwergewichten. Reiners spielte unter der Regie von Steven Spielberg eine kleine Szene mit Tom Hanks. „St. James Place“ ist der Arbeitstitel der teils in Berlin spielenden Agentengeschichte; Reiners steht als Nummer 64 auf der Besetzungsliste. Drehbuchgemäß so richtig abbügeln durfte der 186-Zentimeter-Deutsche als Taxifahrer den Weltstar Hanks, und Spielberg kommentierte: „That was funny - das war lustig.“ Ob er die Szene auch lustig gespielt haben wollte, vergaß Reiners zu fragen. „Man weiß ja nie, was noch passiert in so einem Film. Vielleicht werd ich noch rausgeschnitten“, sagt er lachend. Sechsmal sprach Reiners 2013 für kleinere Rollen in internationalen Produktionen vor, darunter auch „Die Bücherdiebin“. Immer wurde er genommen. Auch Tom Tykwer fand ihn gut und holte ihn als Priester für die Netflix-Produktion „Sense 8“, die BBC für „37 Days“. Das Problem seien die großen deutschen Fernsehproduktionen. Reiners ist einer, der viel lacht, doch bei dem Thema liegt Ärger in der Baritonstimme. „Die machen einfach keine offenen Castings. Immer die gleichen Gesichter. Es ärgert mich, dass für mich da nicht mehr drin ist.“ Ein bisschen was indes ist schon drin: Rainer „Billy“ Reiners spielt eine der Hauptrollen in Eichwald MdB – so lautet der Arbeitstitel einer „Das kleine Fernsehspiel“-Politsatire von ZDF Neo. Gedreht wurde im Herbst, die Sendetermine stehen noch nicht fest.