Kusel Schwerter scheppern im Burghof

Außer Schwertern, Pfeil und Bogen boten Händler beim Mittelaltermarkt auch Elixiere für das körperliche Wohlbefinden.
Außer Schwertern, Pfeil und Bogen boten Händler beim Mittelaltermarkt auch Elixiere für das körperliche Wohlbefinden.

Auf eine Zeitreise der ganz besonderen Art konnten sich Schaulustige am vergangenen Wochenende auf Burg Lichtenberg beim sommerlichen Mittelaltermarkt begeben. Neben zahlreichen Verkaufsständen mit Kleidern, Schmuck und Lebensmitteln, gab es allerhand, was das Ritterherz begehrt. Höhepunkte des Marktes waren die Schaukämpfe der Lichtenberger Burgmannen, die in voller Rüstung ihre Schwertkünste demonstrierten.

Bereits vor den Toren der längsten Burgruine Deutschlands lagerten zahlreiche Händler, die Ritterrüstungen, Kleider für höfische Damen, Schwerter, Pfeile und Bögen und allerlei Schmuck zum Verkauf anboten. Einer der Händler, Günther Phillips, ein Heilpraktiker, hatte verschiedene Heilkräuter im Sortiment, die die Menschen im 12. Jahrhundert schon anzuwenden wussten. Darunter waren beispielsweise die Hauhechel-Wurzel, die gegen Nieren-und-Blasenprobleme helfen soll, der Purpur-Sonnenhut, der das Immunsystem stärkt sowie klein gemahlene Weidenröschen, die als gutes Prostatamittel gelten. Bienenwachskerzen konnte man sich am Stand von Marc und Pia van der Wel drehen: „Die Kinder können sich entweder eine gerade oder eine gekringelte Kerze machen. Dazu müssen sie den Docht in das heiße Wachs tauchen, eine Runde um den Brunnen gehen, damit das Wachs abkühlt, und dann beginnt das Ganze Spiel von vorne. Nach zirka 20 Runden ist die Kerze fertig“, erklärte van der Wel. Am Sonntag gegen 13 Uhr hörte man auf der Oberburg plötzlich Schwerter klirren und die lauten Töne von Kriegshörnern:„Bildet eine Formation – auf in den Kampf“, rief der Heerkönig des Sippenverbandes der „Wilden Jagd“, Guido Klein. Mit Speeren, Schwertern und Äxten bewaffnet, zog die Sippe Richtung Unterburg, wo sie ihre Kampfkünste unter Beweis stellte:„Wir sind zirka 30 Leute aus ganz Deutschland. Unser Sippenverband orientiert sich vor allem an der Wikingerzeit und an Germanen und Kelten. Wir haben Handwerker und Händler unter uns, aber hauptsächlich sind wir ein Kampfverband. Unsere Schwerter sind zwar vorne abgerundet, aber es kommt dennoch immer wieder zu Verletzungen“, berichtet Klein. Hier sei man als Eroberer auf der Burg und wie man sehe, sei die Sippe auch erfolgreich gewesen – die Bewachung der Burg sei eben nicht sehr gut: „Unser Anliegen ist vor allem, den Leuten das Mittelalter näher zu bringen, meistens haben sie falsche Vorstellungen“, weiß Klein. Die offizielle Burgbesatzung in diesem Jahr waren allerdings die Lichtenberger Burgmannen, die mit ihren Zelten in der Unterburg lagerten: „Wir sind eine Schaukampftruppe aus ganz Rheinland-Pfalz. Wir haben unsere Ausrüstung selbst auf Mittelaltermärkten zusammengekauft und treffen uns einmal die Woche, um den Schwertkampf zu trainieren. Unser Wissen über die Zeit haben wir aus alten Überlieferungen – da versuchen wir uns auch genau daran zu halten“, berichtete Herold Achim Engel, alias Wolfram von Naumburg. Die Burgmannen unterhielten an beiden Tagen das Publikum mit sehr realistisch wirkenden Schaukämpfen. Vom Ambiente der Burg sehr angetan zeigten sich Sylvia Rech und Marco Weber:„Wir gehen hin und wieder auf Mittelaltermärkte, vor allem unsere Tochter ist begeistert, sie liebt das Bogenschießen. Wir denken, wenn man die längste Burgruine Deutschlands vor der Nase hat, sollte man so eine Veranstaltung auch machen – wo wäre es besser geeignet.“ „Mittelaltersüchtig“ sind Alfred und Gabriele Saar: „Wir sind hier seit Jahren Stammgäste, wir gehörten zu den ersten, die vor der Burg lagerten. Das Ambiente ist hier einfach nur toll, es ist sehr authentisch – die meisten Mittelaltermärkte sind auf einer Wiese, da ist das hier schon etwas Besonderes.“

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