Kusel Schlager fürs Gedächtnis
Wenn sie im Seniorenheim aufspielen, tauchen ihre Zuhörer in die Vergangenheit ein. Mit alt vertrauten Melodien weckt das Duo Bernd & Bernd Erinnerungen, die selbst demenzkranken Menschen vergessen geglaubte Worte zurückgeben.
„Rot sind die Rosen“ schmachtet es durch Caféteria des Seniorenheims Haus am Rosengarten in Zweibrücken – und die Zuhörer blühen auf. Augen beginnen zu leuchten, Füße wippen, betagte Hände klopfen leise den Rhythmus mit. Manchem geht die Weise auch ans Herz. „Viele kennen die Texte auswendig und singen spontan mit, andere muss man erst dazu anregen“, sagt Bernd König, der zusammen mit Bernd Mannweiler für unterhaltsame Kurzweil sorgt. Beide sind Vollblutmusiker, haben früher zusammen in einer Band gespielt, sich dann aus den Augen verloren und 2011 wieder unter dem Namen Bernd & Bernd zusammengetan. Mit Erfolg, das Duo ist viel gefragt. Auch in Seniorenheimen. Diese Auftritte liegen den beiden am Herzen und haben ihren Ursprung in einer persönlichen Geschichte. „Meine Mutter war auch in einem Altenheim. Dort wurde ich irgendwann darauf angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mal Musik für die Bewohner zu machen“, erzählt Mannweiler. „Das hat so viel Freude gemacht, dass wir beschlossen haben, auch in anderen Senioreneinrichtungen aufzutreten.“ Von Homburg bis Pirmasens, von Trippstadt bis Zweibrücken sind die beiden gern gesehene und oft sehnsüchtig erwartete Gäste. Sobald sie auftauchen, blickt ihnen eine Runde erwartungsvoller Gesichter entgegen. Denn mit dem Duo kommt die Musik ins Haus – als Seelenwärmer, Stimmungsaufheller und Medizin zugleich. Längst ist die positive Wirkung von Musik bestätigt. Da sie eng mit Emotionen verknüpft ist, schafft sie es besser als jedes Wort, Brücken zu schlagen – zu anderen Menschen und zu der Vergangenheit. Das Repertoire der beiden Musiker ist groß, „aber am besten kommen alte Schlager und Volkslieder bei den Senioren an. Das sind vertraute Melodien, die Erinnerungen wecken“, sagt Bernd König und stimmt wie zum Beweis die „Caprifischer“ an. Verträumte Blicke, zaghaftes Mitsingen, das von Note zu Note mutiger wird. Die Stimmung steigt. Auch bei Reinhold Schwarz. „Meine Frau und ich haben viel getanzt. Zu Rudi Schuricke, aber auch zu Seemannsliedern“, erzählt der 90-Jährige. „Früher gab’s ja nicht so viele Freizeitangebote wie heute. Hier und da mal eine Tanzveranstaltung, die hat man sich nicht entgehen lassen.“ Er lächelt, die Hände auf den Stock gestützt. „Meine Frau hat für ihr Leben gern getanzt, ihr zuliebe habe ich mein Bestes gegeben.“ Mittlerweile hat Karel Gott das Sagen. „Babicka“ erfüllt den Raum. Emmi Schupeta singt leise mit, summt, wenn ihr der Text fehlt. „Das Lied ist bekannt, aber ich kenne trotzdem nicht jede Zeile“, gesteht sie. Eine andere Bewohnerin hofft insgeheim auf einen ganz bestimmten Titel. „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, das war unser Lied…von meinem Mann und mir.“ „Musik entspannt, fördert die Lebensfreude und auch die Kommunikation. Das stelle ich immer wieder bei unseren Bewohnern fest“, sagt Dieter von Aswegen, Leiter des Seniorenhauses. „Selbst Menschen, die sonst eher schweigsam sind, fangen plötzlich an von früher zu erzählen, wenn sie vertraute Melodien hören.“ Das Schönste aber sei, wenn die Musik auch demenzkranke Menschen erreicht. „Stücke aus alten Zeiten lassen oft Erinnerungen lebendig werden. Da beginnen Menschen mitzusingen, die sonst kaum noch der Sprache mächtig sind“, bestätigt Stefanie Friedrich von der sozialen Betreuung. Weil die musikalischen Erfahrungen weniger vom Vergessen betroffen seien, ließen sich vermeintlich verschüttete Ressourcen wieder aktivieren. Deshalb wird Musik im Zweibrücker Seniorenhaus groß geschrieben. Auch die monatlichen Auftritte von Bernd & Bernd sind aus dem Programm nicht mehr wegzudenken. „Damit für Abwechslung gesorgt ist, stellen wir jedes Mal ein anderes Programm zusammen.“ So reisen die Zuhörer durch die Jahreszeiten, wandern am Rhein entlang, spazieren musikalisch durch Wien, Italien oder Paris und tauchen so ein in alte Zeiten. Mit dem entsprechenden Lied blitzen Bilder aus der Jugend auf. Die erste Liebe, Reisen und Erlebnisse mit der Familie werden wach. „Manchmal nur für Momente, aber das ist schon ein Erfolg, der uns immer wieder bewegt“, ist sich das Duo einig.