Kusel Pfeifen für die Toleranz
«SCHELLWEILER.» Der 51-jährige Steffen Rübel aus Schellweiler hat ein großes Hobby: Er leitet Fußballspiele als Unparteiischer. Doch Rübel pfeift nicht nur Partien im heimischen Fußballkreis – regelmäßig fährt er auch zu homosexuellen Fußballturnieren und war unter anderem bereits bei den Gay-Games, dem Pendant zu den Olympischen Spielen, aktiv.
„Früher habe ich selbst als Torwart in Schellweiler gespielt“, erinnert sich der heute 51-Jährige. „Als sich dann aber mein Alter immer stärker bemerkbar gemacht hat, habe ich mich dazu entschlossen, Schiedsrichter zu werden.“ Den entsprechenden Lehrgang absolvierte er Ende 2003, und seither pfeift er – mit einer zweijährigen Unterbrechung wegen beruflicher Verpflichtungen – auch Spiele im Landkreis. „Aber nur in der B- und C-Klasse, für höhere Ligen reicht es dann doch nicht“, erklärt der Hobby-Schiedsrichter mit einem Schmunzeln. Im Jahr 2004 ist Rübel, der seit nunmehr 16 Jahren eine gleichgeschlechtliche Beziehung führt, dann im Internet auf ein Fußballturnier für Homosexuelle in München aufmerksam geworden. „Das waren damals die Euro-Games“, erinnert er sich. „Ich habe mich dann einfach mal gemeldet und bin auch direkt eingeladen worden.“ Das war der Startschuss für viele weitere Turniere, bei denen Rübel als Schiedsrichter aktiv war. Bei den Euro-Games – einem jährlich stattfindenden schwul-lesbischen sportlichen Großereignis – war er auch in Rotterdam, Budapest, und Stockholm dabei. Im Jahr 2010 pfiff Rübel in Köln bei den Gay-Games, die wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre stattfinden. Weitere Städte auf der Liste des Schellweilerers: Antwerpen, Dublin, Hamburg und Frankfurt. „Das ist auch das Schöne daran. Man lernt die europäischen Metropolen kennen, in die man vielleicht so nie hinkommen würde.“ Zu einem Turnier fährt Steffen Rübel regelmäßig: zum „Come-Together-Cup“ in Köln. „Bei diesem Turnier spielt ,alles’ mit – also auch heterosexuelle Teams. Da steht der Benefizgedanke im Vordergrund, und die Förderung der Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben ist ein angenehmer Nebeneffekt“, erklärt Rübel. Geld bekommt er für seinen Einsatz allerdings nicht: „Das Hotel wird für zwei Nächte bezahlt, und es gibt ein paar Freigetränke. Den Rest zahle ich aus eigener Tasche.“ Zwar gebe er schon recht viel Geld für dieses Hobby aus, durch die regelmäßigen Turniere habe er aber mittlerweile auch viele neue Freunde gefunden, schildert Rübel. „Man trifft dort immer wieder bekannte Gesichter. Über die Jahre sind Freundschaften in ganz Europa entstanden. Und ein Bekannter aus Kaiserslautern, der auch als Schiedsrichter aktiv ist, fährt oft mit“, berichtet der 51-Jährige. Eine Begegnung mit einem früheren Profifußballer ist Rübel ganz besonders in Erinnerung geblieben. In Hamburg hatte er die Gelegenheit, Thomas Hitzlsperger kennenzulernen. Der einstige Profi, der unter anderem für den VfB Stuttgart spielte, war einer der ersten Profikicker, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. „Das war schon toll, ihn mal zu treffen. Sein Outing hat damals vielen Mut gemacht, sich auch nicht länger zu verstecken“, erinnert sich der Schellweilerer Schiedsrichter. Negative Erfahrungen hat Rübel bei all seinen Turnierteilnahmen kaum gemacht. „Nur beim Turnier in Budapest war die Situation etwas heikel – dort ist es ja mit der Toleranz noch nicht so weit her. Aus Angst vor Krawallen stand das Hotel Tag und Nacht unter Polizeischutz; da war mir anfangs schon etwas mulmig zumute. Am Ende war die Angst aber unbegründet, es blieb alles ruhig.“ Ansonsten hätte Rübel die folgende Frage wohl auch anders beantwortet: Nach den aus seiner Sicht schönsten Turnieren gefragt, nennt er eben jene Euro-Games in Budapest und die Gay-Games in Köln. Im kommenden Jahr finden die Gay-Games in Paris statt. „Schon als das bekannt wurde, habe ich gesagt, dass ich da unbedingt dabei sein will“, erzählt der Hobby-Schiedsrichter voller Vorfreude. Und 2019 stehen die Euro-Games in Düsseldorf im Terminkalender.