Kusel Pfarrer klagt: „Wir sind pleite“

Verschlingt jedes Jahr jede Menge Geld: die Abteikirche in Offenbach-Hundheim.
Verschlingt jedes Jahr jede Menge Geld: die Abteikirche in Offenbach-Hundheim.

So beeindruckend und einzigartig sie auch ist: Die Abteikirche in Offenbach-Hundheim bereitet der Kirchengemeinde Sorgen. Denn für den Unterhalt des Gotteshauses muss sie tief in die Tasche greifen. Das Problem dabei: Die Evangelischen werden immer weniger.

Aktuell zählt Pfarrer Johannes Hülser in Offenbach nur noch 504 Gemeindemitglieder – mit weiter sinkender Tendenz. Vor zehn Jahren seien es noch 100 mehr gewesen, und 20 Jahre zurück habe die Zahl sogar noch bei 722 gelegen. Dass immer weniger für die große Kirche aufkommen müssen, ist laut Hülser der Knackpunkt. „Eigentlich bräuchten wir 700 Gemeindemitglieder mehr“, sagt er. Dann könnte der Haushalt der Kirchengemeinde mit einer schwarzen Null schließen. Doch davon ist die Kirchengemeinde weit entfernt. Im Gemeindebrief formuliert Hülser die Misere deutlich: „Wir sind pleite“, schreibt der 53-Jährige. Warum, sei seit langem bekannt: Sinkende Gemeindemitgliederzahlen, steigende Personal- und Verwaltungskosten sowie viele nicht gerade preiswerte Gebäude. Der Haushalt weise aktuell ein Defizit von knapp 58.000 Euro auf, skizziert der Pfarrer. Ähnlich wie in der Kommunalpolitik stehe die Kirchengemeinde nun unter „Zwangsverwaltung“, erläutert Hülser. Das bedeute, dass der Kirchenkreis Obere Nahe den Etat genehmigen muss. Ausgaben seien nur noch mit Rücksprache möglich, Bauarbeiten beschränkten sich auf die Erhaltung. „Neu bauen, das ist vorbei“, verdeutlicht der Theologe, der mit seiner Frau Freya seit 1994 im Kirchenkreis tätig ist. Viel Personal kann die Kirchengemeinde Hülser zufolge nicht mehr vorhalten: Einige Stunden Küsterdienst, eine Reinigungskraft und ein Organist täten Dienst in den Gemeinden. Eine Bürokraft betreue an zwei Vormittagen das Pfarrbüro. Mit der katholischen Schwestergemeinde werde ein Chorleiter „geteilt“. Vor diesem Hintergrund und dem Anstieg der Kosten für die Bauerhaltung sehe die Zukunft für Offenbach nicht besonders rosig aus, weiß der Pfarrer. Superintendentin Jutta Walber zeigt sich von der Offenbacher Finanzmisere nicht überrascht. „Das ist nichts Neues, dass die Mini-Gemeinde eine riesige Kirche unterhalten muss“, stellt sie klar. Allerdings werde das strukturelle Defizit der Kirchengemeinde nun schonungslos offenbart. Denn die zuvor pro Kopf berechneten Verwaltungskosten wurden mit dem neuen Verwaltungsstrukturgesetz in einen aufwandsbezogenen Beitrag umgewandelt. Und der Aufwand für die Abteikirche ist nicht gerade klein. Walber sieht im neuen Verfahren jedoch auch Vorteile. „Es ermöglicht uns Einblick in Steuerungsinstrumente“, sagt die Superintendentin. Steuerung – das bedeute in diesem Fall auch den Blick in Richtung Fusion. „Wenn man nur einen Etat erstellen muss statt vier, spart man viele Kosten“, argumentiert sie für Verschlankungen in der Verwaltung. Zudem stünden Immobilien auf dem Prüfstand. Mit Blick auf zwei Gemeindehäuser in Herren-Sulzbach und Grumbach fragt sie: „Wer soll das alles nutzen?“ Mit den Gemeinden in Herren-Sulzbach und Grumbach soll es laut Hülser demnächst Gespräche über ein Zusammengehen geben. Der Blick werde zudem auf die Gemeinden gerichtet, die bereits mit Offenbach pfarramtlich verbunden sind: Niederalben-Niedereisenbach (433 Mitglieder) sowie Medard-Wiesweiler (604) teilen sich mit Offenbach bereits den Pfarrer. Gespräche habe es bereits gegeben. „Wir arbeiten gut zusammen“, sagt Hülser, in puncto Fusion gebe es aber einen Hinderungsgrund: „Wer will schon so eine Braut heiraten?“, fragt er. Hülser räumt zwar Fusionsdruck ein, allerdings sei ein Zusammengehen nur mit Gütertrennung realistisch. „Wir können nur fusionieren, wenn die Abteikirche draußen bleibt“, betont er. Wer für deren Unterhalt in Zukunft aufkommt, sei unklar. „Alleine schaffen wir es jedenfalls nicht“, weiß er und fügt hinzu: „Wir müssen über den eigenen Kirchturm hinausdenken.“ Dies meinten auch die Presbyter. Unter den 36 Kirchengemeinden im rheinischen Kirchenkreis Obere Nahe bildet Offenbach nach Walbers Angaben keinen Einzelfall. Auch wenn die Gemeinde durch die hohe Instandhaltungspauschale für die Abteikirche natürlich besonders betroffen sei. Immerhin gilt der frühgotische Sakralbau in der Westpfalz als eine der renommiertesten Kirchen mit hoher Tradition. Der Kreissynodalvorstand werde Vorschläge für den gesamten Kirchenkreis erarbeiten, wie die Defizite in den Griff zu bekommen sind, kündigte die Superintendentin an. Hülser bringt noch eine weitere Idee ins Spiel: Es gebe Bestrebungen, die Abteikirche als Kulturkirche zu etablieren. „Neben Oratorien und Chorkonzerten in hochkarätiger Besetzung hatten wir schon gut besuchte Veranstaltungen mit David Knopfler oder Ray Wilson“, führt er als Beispiele an. Auf kulturellem Terrain wolle sich die Gemeinde in Richtung der pfälzischen Landeskirche mehr öffnen. Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Zunächst stünden Gespräche mit den Dekanen in Kusel und Otterbach an.

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