Kusel Originelle Menschen und Ideen

Placeholder-Image

An einem traumhaften Frühlingstag geht es los am erst kürzlich renovierten Dorfgemeinschaftshaus in Gimsbach. Ein Blick in die barocke Kirche darf nicht fehlen. Sie besticht mit ungewöhnlichen Schnitzereien für ein protestantisches Gotteshaus – sogar einen Teufel gibt es, der hinauf zur Empore schaut. Ein gutes Dutzend Mitmarschierer lassen es sich nicht nehmen, zu zeigen, wie schön ihre Heimatgemeinde ist. Über einen von vielen Schleichpfaden führt der Weg direkt zum Solarbad, das Ortsbürgermeister Sigmund Niebergall nicht ohne Stolz zeigt. 1968 als Löschteich geplant, wurde es Ende der 80er Jahre zum Freibad. Heute wird es vom „Arbeitskreis Schwimmbad“ geführt, der auch ein Kneipp-Tretbecken angelegt hat. Ein großer Spielplatz nebenan und ein Bolzplatz sind das ganze Jahr über Anziehungspunkt für die jungen Bewohner. Über den Günnesbach, Gimsbach genannt, geht es an weidenden Eseln vorbei ins letzte Neubaugebiet „Alleegarten“ mit acht Wohneinheiten. Das letzte deshalb, weil der Gemeinderat vor vier Jahren beschlossen hat, keine Neubaugebiete mehr auszuweisen, sondern alte Häuser mit neuem Leben zu füllen. Werner Jung, lange Jahre Leiter der Bauabteilung in der Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler, weist auf eine Besonderheit hin: Nicht weit entfernt, Richtung Potzberg, liegt ein Hektar Heidelandschaft, den kaum jemand von außerhalb kennt. Im Herbst eine Augenweide. Weithin bekannt ist Matzenbach hingegen als Fremdenverkehrsgemeinde. Schnell entspinnt sich mit Architekt Klaus Dockendorf eine Diskussion darüber, dass die Zahl der Ferienwohnungen zurückgeht. „Wir hatten hier einmal 60 Betten.“ Eine Lücke seien Übernachtungsmöglichkeiten mit Frühstück für Radler, die auf dem Glan-Blies-Weg unterwegs sind, sagt Werner Jung. Und: Wenn „nichts drumherum“ sei, könne Matzenbach als „Insel“ keine Touristen anlocken. Dabei gibt durchaus originelle Ideen. Der „Hochzeitsturm“, ein zur Ferienwohnung umgebautes Futtersilo, gehört dazu. „Wir haben hier keine Leerstände“, berichtet der Ortsbürgermeister stolz. In dem früher reinen Bauerndorf wurden, nachdem die Ortsdurchfahrt ausgebaut war, viele bäuerliche Anwesen saniert und bewahrt. „Wir haben zirka 350.000 Euro an Dorferneuerungsmitteln bekommen“, wirft Klaus Dockendorf ein. Eine ganz eigene Form der Sanierung betreibt Josef Martiné. „Ich bin das letzte Fossil hier“, sagt der Wiesbadener. Er richtet nicht nur ein altes Haus her, macht dabei alles selbst – er arbeitet auch ausschließlich mit gebrauchtem Baumaterial. Ein echtes Original, das einen zweiten Besuch wert ist. Zu Matzenbach gehören auch wieder die Störche. Ein Storchennest thront seit vier Jahren auf einem Dach, zu manchen Zeiten sind über dem Glantal bis zu 20 der Vögel zu sehen. Doch auch die Landwirtschaft ist hier noch präsent: Vier Landwirte im Vollerwerb gibt es noch. Am Betrieb der Familie Zimmer kündet das Tor: Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe. Mittlerweile sind wir in Eisenbach angelangt. Die drei Ortsteile, so erzählt der Ortsbürgermeister, seien recht gut zusammengewachsen. 1969 wurden Matzenbach und Eisenbach, die eng nebeneinanderliegen, miteinander „verbandelt“, 1972 kam Gimsbach dazu. Eine Zwangsehe, doch es habe sich „gut gemacht“. Viele junge Familien mit Kindern gibt es vor allem in Eisenbach. Da ist es gut, dass der zweigruppige Kindergarten nicht weit entfernt ist. Untergebracht ist er im früheren Schulhaus. Das steht unter Denkmalschutz, was hohe Kosten verursacht, wie der Ortsbürgermeister seufzend berichtet. Seit einiger Zeit werden auch Einjährige aufgenommen – die Zukunft ist gesichert. Rund 640 Einwohner zählt die Gemeinde insgesamt, in Eisenbach und Matzenbach leben rund 440 davon. In den vergangenen 15 Jahren habe man etwa 30 verloren, doch in jüngster Vergangenheit habe die Zahl gehalten werden können, berichtet Niebergall. „Die Bahn und die Nähe zur Autobahn zahlen sich aus.“ Apropos Bahn: Der Bahnhaltepunkt ist der letzte auf der Glanstrecke, der noch nicht ausgebaut ist. Doch weil es keine Landesmittel mehr gibt, muss jetzt eine kleinere Lösung her – schließlich braucht eine Fremdenverkehrsgemeinde einen barrierefreien Haltepunkt. Der alte Bahnhof ist hier übrigens nicht, wie so oft, verlottert. Im Gegenteil: Von einem Privatmann gekauft, wurde er samt Stellwerk liebevoll umgestaltet und originell bemalt. Und wie sieht es mit Geschäften aus? Der tägliche Bedarf kann in der Bäckerei gedeckt werden, die sieben Tage die Woche geöffnet und ein kleines Kommunikationszentrum ist. „Hochprozentig“ anlegen kann man sein Geld in den beiden Schnapsbrennereien, auch sonst gibt es einiges an Gewerbe – bis hin zur Puppenmacherin. Zirka 15 Vereine sind Garant für ein florierendes Gemeindeleben in den drei Ortsteilen. Und immer mal wieder sorgt Matzenbach auch überregional für Furore: mit dem Mittelaltermarkt etwa oder der kulinarischen Panoramawanderung, die am 4. Mai wieder steigt. Zum Schluss geht es noch hoch hinauf zum Bogensportparcours. Der wird von Privatleuten betrieben und zieht Naturbogenschützen auch aus dem Ausland an. „Die hört man nicht und sie sammeln hinterher sogar den Müll ein“, lobt Stefan Göttel, der Vorsitzende der Spielvereinigung Rehweiler-Matzenbach. Und von dort oben hat man auch einen herrlichen Blick – auf alle drei Ortsteile.

x