Kusel
Offenbach-Hundheim: Rundgang am Tag des offenen Denkmals
Eine kurzweilige Führung durch die markanten Kirchen am Ort, garniert mit bau- und kirchenhistorischen Einsichten und Anekdoten, erleben die Besucher am Tag des offenen Denkmals in Offenbach. Selbst zu einem Spaziergang im Regen zur einstigen Judengasse finden sich mehr als zwei Dutzend Teilnehmer ein.
Noch ist die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die auf einer Hangterrasse über dem Ort aufragt, verschlossen, als erste Interessierte vor dem Sakralbau eintreffen. Als sich dann die Pforte öffnet, werden die Besucher von Chorgesang begrüßt, denn der Chor Kantate 96 probt an diesem Sonntagnachmittag.
Pfarrer Johannes Hülser von der evangelischen Gemeinde gibt einen knappen Abriss über die konfessionelle Gemengelage in Offenbach: Die Katholiken hätten sich, nachdem sie aus der zuvor von beiden Konfessionen genutzten Abteikirche „herausgezaubert“ worden waren, eine eigene Kirche gewünscht. Ein jahrelanger Streit über den Gebrauch der Kirche und das Läuten der Glocken hatte zum Ende der gemeinsamen Nutzung geführt. „Geld hatten sie keines, aber sie hatten Freunde“, weiß der evangelische Theologe über die finanzielle Kalamität der katholischen Minderheit. Und so wurde mit Hilfe weitherziger Spender vor 130 Jahren die Pfarrkirche St. Peter und Paul für die Katholiken in der Diaspora fertiggestellt – für stattliche Baukosten von 80.000 Reichsmark.
Zölibat im Kirchturm
Zu den Schmuckstücken des reich verzierten Kircheninneren gehört neben einer Pieta in der Taufkapelle auf der schmalen Empore eine Originalorgel aus der berühmten Bonner Orgelmanufaktur Klais, die aus dem Jahr 1910 stammt. Über einen neu eingebauten Treppenaufgang geht es dann an den Ort im Kirchturm, wo „noch echtes Zölibat herrscht“, wie Hülser mit einem Schmunzeln verrät. Wissenschaftlich sei nämlich erwiesen, dass der Kirchturm nur von männlichen Fledermäusen als Wohnstube genutzt werde. Und bisher sei der „Ort der Gemeinschaft“ zwischen Fledermausfrauen und -männern unauffindbar, ergänzt Pfarrer Hülser.
Beim Rundgang um die Abteikirche, die eigentlich Propsteikirche St. Marien heißt und als Filiale des Benediktinerklosters St. Vincent im lothringischen Metz im 13. Jahrhundert erbaut wurde, zeigt Hülser die mit Weinreben umrankte Kirchentür, durch die die Mönche die Kirche betraten. Auch verrät er, an welcher Ecke einer „der bedeutendsten gotischen Kirchen“ sich mitunter „schändliche Taten“ zutragen: Bis zu drei geleerte Flaschen Erdbeerweins seien dort manchmal in einer Woche aufgefunden worden – Hinterlassenschaft von Jugendlichen, die dem Weingeist zusprachen.
Welche Gebeine ruhen in der Gruft?
Strebepfeiler und große spitzbogige Fenster seien markant für den Sakralbau, der mehrfach den Besitzer wechselte und seine äußere Gestalt ebenfalls durch Abriss und Wiederaufbau veränderte. Wegen der teuren Glasherstellung wurden jedoch die eigentlichen Fensterflächen durch Säulen und Gewände verkleinert.
Im Innenraum werfen die Besucher einen Blick in die Gruft, die sich unter dem Platz befindet, an dem früher der Hauptaltar stand. Welche Gebeine dort ruhen, bleibt allerdings unklar – trotz des Versuchs, mit Handy-Taschenlampen Licht ins Dunkel zu bringen: als Reliquien verehrte Knochen von Märtyrern oder Heiligen?
Einst auch jüdische Schule im Ort
In der Abteikirche, in der während der Führung von einem Chor Halleluja geprobt wird, leitet Hülser auch über auf die dritte Etappe der Denkmaltour, noch sichtbare bauliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Offenbach. Denn das Kirchenfenster, das die Anbetung des Juden Jesus durch die biblischen Propheten Mose und Elia abbildet, zeige in Richtung der Synagoge. Diese wurde 1832 errichtet und bis 1930 für Gottesdienste von der stattlichen jüdischen Kultusgemeinde genutzt. Von 400 Dorfbewohnern waren zu dieser Zeit rund 100 Juden, wie der Pfarrer berichtet. Zumeist seien sie Händler und Gewerbetreibende gewesen, die mit Vieh, Landprodukten und Manufakturwaren handelten, aber auch einen Lehrer und einen Arzt sowie Metzger habe es gegeben. An der Synagoge habe sich auch eine jüdische Schule befunden, die Glangemeinde weist zwei jüdische Friedhöfe auf.
Die Synagoge wurde Hülser zufolge 1936 an die Ortsgemeinde verkauft, etliche Offenbacher Juden waren damals schon ausgewandert, zahlreiche Mitglieder anderer jüdischer Familien kamen in Konzentrationslagern zu Tode. Heute steht an diesem Ort eine schmucke Apotheke. Für einen bedauerlichen Missklang gegen Ende der Führung im verregneten Offenbach sorgen allerdings vereinzelte Wortmeldungen aus dem Kreis der Teilnehmer, die mit Verweis auf das Schicksal der Palästinenser und der nordamerikanischen Ureinwohner die systematische Ermordung der europäischen Juden während des Nationalsozialismus zu relativieren suchen.
Auch Denkmäler in Nußbach und Grumbach
Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag stand unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Kultur“. In Rheinland-Pfalz beteiligten sich 420 Denkmäler, im Kreis Kusel waren Denkmäler in Grumbach, Nußbach und Offenbach-Hundheim an dem Aktionstag zugänglich.