Kusel Notvorstand führt die Geschäfte

Placeholder-Image

Der Turnverein Lauterecken wird von einem Notvorstand geführt, den das Amtsgericht Kaiserslautern berufen hat. „Wir wissen das nur gerüchteweise“, sagen Übungsleiterinnen – „Ich habe im November alle informiert“, sagt Kurt Dörr, der zuletzt den Verein allein führte.

Die Geschichte beginnt im September 2013, als Kurt Dörr in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden gewählt wurde – zumindest bis zu den nächsten turnusmäßigen Wahlen 2014. Anschließend kam es im Verein zu Unstimmigkeiten (wir berichteten im Mai): Während ein Großteil der Vorstandschaft sich vom Turnerheim (samt Gaststätte, Wohnung und Saal) wegen zu hoher Kosten trennen wollte, hielt Dörr an dem Gebäude fest, schloss noch einen neuen Vertrag mit einem Wirt ab, der mittlerweile aufgegeben hat. Ende Februar hatte der Vorstand die Enthebung des Vorsitzenden einstimmig beschlossen, in einer Sitzung im Mai sollte diese Entscheidung von den Mitgliedern bestätigt werden. In einer turbulenten Sitzung erklärte Dörr seinen Rücktritt. Damals wurde in der Sitzung gesagt, dass das nicht so einfach ginge, und nach zwei Abstimmungen wurde Dörr im Amt bestätigt. Daraufhin trat der Rest des Vorstandes geschlossen zurück, und es wurden zahlreiche Vereinsaustritte angekündigt. Zu denen ist es offenbar auch gekommen. Nach Angaben von Dörr sind von ehemals fast 450 Mitgliedern etwa 150 aus dem Turnverein ausgetreten. „Ich wollte wissen, warum es so viele Kündigungen gibt“, sagte Dörr gestern der RHEINPFALZ, „und habe beim Amtsgericht in Kaiserslautern angerufen.“ Dort habe man ihm gesagt, dass einige Hinweise eingegangen seien, dass der Verein nicht mehr zahlungsfähig sei. Nach der Prüfung der Unterlagen habe sich das Amtsgericht erneut bei Dörr gemeldet: Sein in der Sitzung ausgesprochener Rücktritt sei gültig, Dörr seit Mai nicht mehr der Vorsitzende des Vereins. Ein Notvorstand müsse eingeschaltet werden, der die weiteren Schritte einleiten soll. „Das habe ich Ende November allen Übungsleitern mitgeteilt“, sagt Dörr. Er wolle dem Notvorstand nun alle Vereinsunterlagen übergeben und sich fortan aus dem Vereinsgeschehen zurückziehen, so der 81-Jährige. Dörr widersprechen die Übungsleiterinnen Beate Meyer, Claudia Steiger und Silvia Heinz: Offiziell wisse man vom Notvorstand rein gar nichts, Dörr habe seit Wochen nichts von sich hören lassen. Nach wie vor ist Dörr überzeugt, dass der Verein gerettet werden könne – immerhin habe man mit dem Turnerheim einen Wert vorzuweisen. Dass die Wohnung des Vereins wieder vermietet sei, bringe regelmäßig Geld in die Kasse. Meyer kritisiert die Geldpolitik Dörrs, der in den vergangenen Monaten allein über die Vereinsmittel verfügte – weil eben der restliche Vorstand zurückgetreten war. „Wenn etwas Geld reingekommen ist, hat er das direkt ins Turnerheim gesteckt, statt in die Übungsstunden.“ Die Übungsleiterinnen im Verein – angeboten wurden unter anderem Geräte- und Kinderturnen, Senioren- und Frauenturnen, Trampolinspringen und Boxen – hätten schon seit Monaten kein Geld mehr bekommen, zugesagte Anschaffungen seien ausgeblieben. Steiger: „Wir machen das ja nicht des Geldes wegen.“ Aber hinter den regulären Turnstunden stecke einiges an Planungen, dazu kämen noch Fahrten zu Wettkämpfen und die Vorbereitungen davor. Gestern fand nun die vorerst letzte Übungsstunde im Geräteturnen statt – ob und wie es im kommenden Jahr weitergeht, wissen die Übungsleiterinnen noch nicht. Steiger: „Momentan ist alles zerrüttet.“ Von dem möglichen Aus seien allein beim Geräteturnen fast 40 Kinder und Jugendliche zwischen viereinhalb und 16 Jahren betroffen, die regelmäßig mitturnten. Sollten sich die Rahmenbedingungen im kommenden Jahr ändern, wären die meisten Übungsleiterinnen dazu bereit, weiterzumachen, sagt Meyer. Doch momentan sei nichts in Aussicht. Der Notvorstand, der Kaiserslauterer Rechtsanwalt Falko Zink, war gestern telefonisch nicht zu erreichen. (bgi)

x