Kusel Nicht die erste große Sanierung

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Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein kennt sich bestens mit dem denkmalgeschützten Bau aus. Gebaut wurde das langgezogene Anwesen in der Landschaftsstraße in den Jahren 1811/1812 auf alten Fundamenten und Kellergewölben. Denn schon zuvor gab es an dieser Stelle ein Rathaus, berichtet Zenglein. Es war als „die Landschaft“, später als Oberamt oder alte Landschreiberei bekannt. Als „Spilhus“ wird das historische Rathaus schon 1446 in Urkunden erwähnt. Nur wurde darin aber nicht gespielt, wie Zenglein klarstellt. Ein Spielhaus war vielmehr ein Gemeinde-Gerichtshaus. Dort fanden einst Versammlungen zur Rechtsprechung und Beratung statt. Das alte Rathaus wurde bei der teilweisen Niederbrennung der Stadt 1635 beschädigt. Doch 42 Jahre, nachdem es notdürftig wieder aufgebaut worden war, wurde es in den Raubkriegen König Ludwigs XIV. vom selben Schicksal ereilt. Damals war darin auch eine reformierte Knabenschule untergebracht. Mit Hilfe des französischen Intendanten in Homburg wurde ein neues Schul- und Rathaus errichtet. 1689 wurde es fertig, nachdem eine Kirchenkollekte bei der Finanzierung half. Der Ratskeller war meist an einen Wirt verpachtet. Von allerhand lustigen Feiern wird da berichtet. Zwischen 1712 und 1715 wurden aber offenbar auch Gottesdienste im Keller gehalten; die Stadtkirche war zu dieser Zeit nicht nutzbar. Die Gastwirtschaft verschwand wohl, als das Oberamt von der Burg Lichtenberg 1756 nach Kusel verlegt wurde. Doch der Landschreiber war mit der Situation dort in den Amtsräumen nicht zufrieden: Besucher müssten draußen warten, eine Folterkammer sei nicht vorhanden, auch sei der Gesangsunterricht für die Schüler unangenehm, wurde kolportiert. Endgültig wurden die Amtsgeschäfte der Verwaltung 1758 in Kusel aufgenommen. Dann der schlimme Brand von 1794, der auch die Landschreiberei nicht verschonte. Angesichts der vielen Ruinen und der Armut der Bewohner während dieser Epoche der französischen Herrschaft kam es erst 1811 zum Wiederaufbau. Die Baukosten für Rathaus und Gericht samt Schule beliefen sich auf 27.000 Francs. Für einen neuen westlichen Querbau mit Gefängnis und Gericht waren zusätzliche 14.000 Francs fällig. Von 1812 beherbergte das – allerdings nur bedingt nutzbare Haus – vier Jahre lang die Mairie (Rathaus) und das Tribunal, also Gericht mit Gefängnis. Über die Baukosten gab es Zenglein zufolge eine jahrelange Korrespondenz – bis ins Innen- und Finanzministerium in Paris. Baumeister war Jakob Courteau aus Trier. Trotz seiner herausgehobenen Stellung zeige sich das Gebäude als äußerst schlichter Bau, heißt es in dem Buch über Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denn auf die Ausbildung einer Fassade sei verzichtet worden. Kurz nachdem die Pfalz bayerisch wurde, verlor Kusel das Tribunal. Zur Entschädigung wurde unter anderem eine pfälzische zentrale „Verbesserungsanstalt in Verbindung mit einer Kaserne für einige Compagnien Militair“ erwogen. Beinahe wäre Kusel also schon 1816 eine Garnison geworden, berichtet Zenglein. Stattdessen erhielt die Stadt 1817 den Sitz eines Landkomissariates. Es sollte die Kantone Kusel, Lauterecken und Wolfstein umfassen und im Tribunalgebäude untergebracht werden. Bis jedoch der Landkommissar einziehen konnte, dauerte es. Unter anderem musste erst ein großes Salzlager entfernt werden. Von 1818 bis 1877 amtierten dort fünf Landkommissare. Das Rathaus blieb bis 1912 im Erdgeschoss des Gebäudes. 1891 wurde das heutige Rathaus am Marktplatz gebaut. Besonders interessant ist laut Zenglein, dass es zweimal – 1817/18 und 1876 – zum Streit darüber kam, ob die Landschreiberei überhaupt der Stadt gehöre. Der bauliche Zustand der Landschreiberei war schlecht, die Stadt musste viel für Reparaturen ausgeben. Eine Instandsetzung erfolgte 1862. Im Jahr 1878 wurde das neue Bezirksamt in der Trierer Straße fertig. Im gleichen Jahr kam die Lehrer-Präparandenschule in die ehemalige Landschreiberei. Das Gebäude diente von 1922 bis 1948 als höhere Mädchen- und Töchterschule, von 1930 bis 1944 war darin die Gewerbe- und Berufsschule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog für drei Jahre die Pädagogische Lehrerakademie ein, von 1952 bis 1988 wurde das Haus von der privaten Handelsschule Heitmann genutzt. Zudem waren dort von 1956 bis 1973 das Heimatmuseum und von 1954 bis 1999 die Stadtbücherei untergebracht. Anschließend stand das Gebäude leer. Der Teilabriss zur Sanierung begann im Februar 2015.

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