Kusel Nebenbei bemerkt...:

Während die Stadt Kusel Millionen in die Sanierung der Landschreiberei und Hunderttausende in eine verschönerte Fußgängerzone steckt, um die Innenstadt aufzuwerten, bricht ihr einer ihrer wichtigsten Anker weg. Das Modehaus Even war (und ist noch) eines der wenigen Geschäfte, das Strahlkraft über die Grenzen der Kreisstadt hinaus hat und mit dazu beiträgt, Kunden von außerhalb anzuziehen. Böse sein kann und darf niemand Volker Even für diese Entscheidung, die ihm selbst am schwersten fällt. Doch auch er, der lange ein fast einsamer Rufer für mehr Attraktivität der Innenstadt war, muss irgendwann auch dem Alter Tribut zollen. Dass er sich nun, mit über 70, anderen Dingen im Leben zuwenden will, ist mehr als verständlich. Nun könnte man zwar hoffen wollen, dass sich bald ein Nachmieter für diese attraktive Lage findet. Am besten einer, der ebenfalls über die Ortsschilder hinaus lockt. Doch dass Evens vor Jahresfrist bereits geschlossenes Herrenmodegeschäft noch immer leer steht, gibt dieser Hoffnung leider wenig Nahrung. Kusel ist für Neuansiedlungen oder Geschäftsübernahmen etwas größeren Stils nicht die erste Wahl. Evens Entschluss hat daher auch die Diskussion befeuert, was denn in Kusel in der Vergangenheit falsch gelaufen ist. Häufig wird dabei der Vergleich mit dem nahen St. Wendel gezogen. Das ist einerseits nicht ganz fair, weil St. Wendel schon immer ein ganzes Stück größer und mit mehr Substanz ausgestattet war als Kusel, folglich andere Möglichkeiten besaß. Andererseits aber zeigt das saarländische Städtchen, was man auch hätte tun können. Trommeln nämlich. In St. Wendel hat sich niemand gescheut, viel Geld für vermeintlich überdimensionierte Veranstaltungen in die Hand zu nehmen. Ob Mountainbike-WM oder Zauberer-Wettstreit – das kleine St. Wendel hat sich zu einer Marke entwickelt, weil es sich professionell vermarktet. Vielleicht kann, vielleicht sollte Kusel daraus lernen. Die mit Spannung erwartete Entscheidung der SPD über den Landratskandidaten ist beim Parteitag ausgeblieben. Sie soll nun nach einem nicht näher spezifizierten Zeitplan erfolgen. Warten wir also ab. Stattdessen hat ein Zitat des Landtagsabgeordneten Jochen Hartloff die Diskussion befeuert. Ein Grinsen bei der Herbstmesse bringe mehr Stimmen als das, was ein Abgeordneter an Geld für den Kreis aus Mainz hole. Nicht wenigen ist dieser schnodderige Satz aufgestoßen, weil sie den Wähler und dessen politische Intelligenz beleidigt sehen. Es steht allerdings zu befürchten, dass Hartloff damit nicht ganz unrecht hat. Dass viele Wähler in einer immer komplizierteren Welt aus den politischen Themen aussteigen, ihre Stimme entweder rein aus Protest – die schlechteste Lösung in einer Demokratie – oder nur nach Sympathie vergeben; und ein Lächeln, wenn es nicht gerade haifischähnlich ist, macht bekanntlich gleich viel sympathischer. Damit wäre auch für alle Parteien das Problem Bewerberkür gelöst. Statt zur politischen Debatte der potenziellen Kandidaten trifft man sich zu einem Lächel-Wettstreit beim Parteitag. Und wer am schönsten die Zähne zeigt, geht ins Rennen. Allerdings ist Voraussetzung für ein solches Auswahlverfahren, dass eine Partei über mehrere Bewerber verfügt. Diese Auswahl hat die CDU als zweite große politische Kraft im Kreis derzeit offenbar nicht. Ihr mangelt es bis dato an Kandidaten, weil die offensichtlichen nun anderenorts antreten. Stefan Spitzer will lieber nochmals Bürgermeister werden und Christoph Lothschütz geht im Oberen Glantal ins Rennen. Wen also soll die CDU ins Rennen schicken? Die Landtagsabgeordnete Marlies Kohnle-Gros und Parteivorsitzender Otto Rubly haben beide ein Alter erreicht, in dem eine Kandidatur nicht mehr unbedingt angeraten scheint; zumal ihnen beiden nicht gerade Ambitionen auf dieses Amt nachgesagt werden. Sven Eckert hat Potenzial, aber nicht die notwendige Bekanntheit. Von außen jemanden zu holen für einen Kreis, den es vermutlich bald nicht mehr gibt, dürfte schwierig werden. Aber vielleicht hätte ja die junge Weilerbacher Verbandsbürgermeisterin Anja Pfeiffer Interesse, die zweimal gezeigt hat, dass sie Wahlen gewinnen kann? Spinnen wir noch ein bisschen weiter. Könnte die CDU einen Landratskandidaten der Grünen unterstützen, wenn dieser Andreas Hartenfels heißt, der sich auf Landesebene oft, aber nicht immer wohlfühlt? Oder klopft sie doch an das klitzekleine Türchen, das Schönenberg-Kübelbergs bisheriger Verbandsbürgermeister Karl-Heinz Schoon mit einer kurzen Passage in seiner Ausstiegserklärung vor zwei Monaten offen gelassen hat? Apropos Wahlen. Die erste, die nun ansteht, ist die des Bürgermeisters der neuen Verbandsgemeinde Oberes Glantal. Und das vermutlich einzige Aufeinandertreffen der fünf Kandidaten findet am kommenden Donnerstag in der Kurpfalzhalle Nanzdietschweiler statt; bei der Podiumsdiskussion der RHEINPFALZ. Nun ist eine Zeitung gerade angesichts der Digitalisierung stets auf der Suche nach neuen Wegen. Also starten wir einen Versuch: die der ersten multimedialen Podiumsdiskussion. Geplant ist neben diversen Video-Einspielungen auch ein Livestream. Wer keine Möglichkeit hat, nach Nanzdietschweiler zu fahren, kann sich die Diskussion bequem zu Hause auf dem Computer anschauen. Die Internetadresse werden wir kommende Woche veröffentlichen. Ganz offen: Wir sind reichlich nervös vor dieser Premiere. Weil wir in der Vorbereitung auf keine Erfahrungen zurückgreifen können. Und weil wir inständig hoffen, dass uns die Technik nicht im Stich lässt. Wir sind daher am Donnerstag wahrscheinlich noch aufgeregter als die Kandidaten. | Wolfgang Pfeiffer