Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Nachwuchsmangel: Förster dringend gesucht

Benedikt Buss kümmerte sich zuerst um Maschinen, ehe er den Weg in den Wald fand.
Benedikt Buss kümmerte sich zuerst um Maschinen, ehe er den Weg in den Wald fand. Foto: m. hoffmann

Dem Forstamt Kusel fehlt Nachwuchs. Jüngere Kollegen sind unter den Förstern in der Minderheit. Eine Ausnahme ist Benedikt Buss. Der 30-Jährige ist seit November kommissarisch für das Revier Wolfstein zuständig.

Buss ist Nachfolger von Felix Reusch, der drei Jahre in Wolfstein tätig war. Sein Revier umfasst rund 1200 Hektar, die sich etwa ein Dutzend Waldbesitzer teilen. „Die Arbeit macht Spaß und ist teilweise recht anspruchsvoll“, berichtet Buss. Schließlich stehen die Forsthaushalte der Gemeinden in seiner Verantwortung. Wenn man vernünftig wirtschafte, tue man etwas gegen den Klimawandel, sagt er.

Sein Weg ins Forstamt war Benedikt Buss sozusagen in die Wiege gelegt worden. Die Eltern sind Forstwissenschaftler, der Vater leitete das Forstamt Hochwald, berichtet Buss, der aus der Nähe von Trier stammt.

Keine Männerdomäne mehr

Dennoch führte seine Berufslaufbahn nicht direkt in den Wald. Buss absolvierte zunächst eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker und studierte anschließend Maschinenbau. „Dann habe ich gemerkt, dass ein grüner Beruf doch eher etwas für mich ist“, schildert er.

Buss nahm daraufhin sein Studium an der Hochschule Rottenburg am Neckar auf und schloss nach dreieinhalb Jahren mit dem Bachelor ab. Sein Forstanwärter-Jahr verbrachte er in Kaiserslautern, wo er auch wohnt. Vor knapp zwei Monaten wechselte er als kommissarischer Revierleiter nach Wolfstein.

„Bis vor einigen Jahren war das Forstwissenschaftsstudium eher eine Domäne von Männern“, lautet seine Erfahrung. Inzwischen gebe es mehr Frauen. Die Zukunftsaussichten beschreibt er als gut: „Wer einen Job haben möchte, bekommt auch einen“, sagt Buss. Nicht nur im Forstamt, sondern unter anderem auch in der Industrie.

Rund die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringe er an der frischen Luft, erläutert Buss. Eine gewisse Robustheit sei Voraussetzung, müsse man sich doch mit dem Wetter arrangieren. Hinzu kommen Erfahrungen mit dem Eichenprozessionsspinner und Zecken. Dafür werde er von Naturimpressionen belohnt, sagt er.

Im Kuseler Forstamt ist Buss aktuell der zweitjüngste unter den Förstern. Das Altersgefüge habe einen deutlichen Schwerpunkt auf den Jahrgängen zwischen 1961 und 1970, erläutert Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel. Zwölf Kollegen fielen in diese Altersklasse. Sieben weitere sind zwischen 1954 bis 1960 geboren. Fünf seien zwischen 1971 und 1990 geboren. Im kommenden Jahr stehe ein Ruhestand an, 2018 und 2019 waren es jeweils zwei Pensionierungen.

Nicht mehr nachbesetzt

Die vier Abgänge sind laut Kleinhempel nicht nachbesetzt worden. Die Vakanzen seien durch Umstrukturierungen aufgefangen worden. „Die Reviere laufen stabil weiter“, betont die Leiterin. „Es ist zwar nicht so, dass wir in Personal schwimmen, aber es gibt keinen Grund zu klagen“, stellt sie fest. Freie Kapazitäten seien allerdings Fehlanzeige.

„Im Forstamt sitzen nicht nur alte Leute“, illustriert die Leiterin. Es seien zwar genüg Studenten vorhanden, dennoch sieht sie einen Nachwuchsmangel. Vor allem eine gewisse Fluktuation stellt sie vor Herausforderungen. „Die Jüngeren gehen oft wieder, wenn sie in der Nähe ihrer Heimat eine Stelle finden“, lautet ihre Erfahrung.

Zudem wechselten zahlreiche Kollegen inzwischen früher als bisher in Pension, viele arbeiteten nur noch bis zum 63. Lebensjahr. Nach einer Personal-Sparrunde werde jetzt mit Blick auf die Klimaproblematik versucht, wieder mehr Personal in die Forstämter zu bringen. Kleinhempel: „Wir brauchen mehr Förster, um die Herausforderungen bewältigen zu können.“

Wir wird man Förster?

An acht Hochschulen in Deutschland kann man Forstwirtschaft studieren. Ein Unistudium führt zum Masterabschluss, zwei Referendariatsjahre schließen sich an, bis die Absolventen ihren Abschluss für den Höheren Dienst in der Tasche haben. Ein Studium an einer Hochschule ist praxisorientierter und führt zum Bachelor. Anschließend beginnt die einjährige Ausbildung der Forstinspektor-Anwärter. Landesweit werden 20 Anwärter jährlich eingestellt. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist auch ein duales Studium geplant. Zehn Studienplätze sollen künftig vergeben werden.

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