Kusel Motor heißt Mehlpfuhl
Im Süden des Landkreises zeigt der Pfeil nach oben. Gewerbesteuereinnahmen, Betriebsstätten, Arbeitsplätze – anders als in vielen anderen ländlich geprägten Gegenden haben sich wirtschaftliche Kennzahlen in der jüngeren Vergangenheit positiv entwickelt. Ein Grund dafür ist die gute Verkehrsanbindung; ein anderer der Mehlpfuhl: Im Schönenberg-Kübelberger Gewerbegebiet haben sich schon jede Menge zukunftsorientierter Unternehmen angesiedelt.
Die Voraussetzungen sind günstig: Nahe beim Autobahnkreuz Landstuhl gelegen, geht es aus dem Südkreis schnell in alle Richtungen; die Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg und das benachbarte Waldmohr können mit ihren zusammen deutlich mehr als 10.000 Einwohnern getrost als Ballungsraum im Kreis Kusel angesehen werden. Da ist es gut bestellt um die Möglichkeiten, Betriebe anzulocken – zumindest im Vergleich zum Rest des Landkreises. Allerdings muss man Chancen auch erstmal nutzen, und das haben Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg und Verbandsgemeinde in Zusammenarbeit mit Kreis und Land getan: Das Gewerbegebiet Mehlpfuhl, zu dem im März 2008 der Spatenstich erfolgte, ist der Motor der guten Entwicklung. Damals sei „zum richtigen Zeitpunkt richtig Geld in die Hand genommen worden“, sagt Karl-Heinz Schoon, der Beauftragte der VG. Die Kosten von der Planung über Grundstückskauf und Erschließung bis hin zum Kreiselbau vor den Toren des Mehlpfuhls schätzt Ortsbürgermeister Josef Weis auf annähernd 13 Millionen Euro. Allerdings gab es jede Menge Förderung von Land und vor allem EU. Knapp 30 Hektar umfasst das Gewerbegebiet mit seinen drei Bauabschnitten heute, davon sind rund elf Hektar Nutzfläche. Initialzündung war die Zusage des Systemherstellers Minitec, aus Waldmohr in den Mehlpfuhl zu ziehen. „Ohne Minitec hätte die Entwicklung so nicht stattgefunden“, erklären Schoon und Weis. 2011 kam das Unternehmen, das sich mit einem Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro und rund 250 Mitarbeitern in die Top-Fünf der größten privaten Arbeitgeber des Landkreises einreiht, nach Schönenberg-Kübelberg – und es folgten ihm viele nach. Seit 2014 ist SBN Wälzlager in seinem hochmodernen Neubau im Mehlpfuhl beheimatet. Mit etwa 30 Mitarbeitern und rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz brachte der Umzug des Kugellager-Spezialisten, der zuvor in Homburg angesiedelt war, weitere Wirtschaftskraft nach Schönenberg-Kübelberg und vor allem auch großen Imagegewinn für den Mehlpfuhl. Es folgten weitere Unternehmen aus der näheren und weiteren Umgebung: Karl Wolf sicherte sich mit seiner Präzisionsschleiferei, die bis vor gut anderthalb Jahren in Waldmohr beheimatet war, als Dritter ein komplettes Plateau. Präzison³ beschäftigt im Mehlpfuhl gut 30 Mitarbeiter. Was allen gemeinsam ist: Sie haben auf den großen Arealen reichlich Platz für Erweiterung. „Zuletzt kam aber immer öfter der Wunsch, die Plateaus in Parzellen zu teilen“, berichtet Weis. So sind etwa Planz Sonnenschutzsysteme und Gebäudereinigung Motz direkte Nachbarn, demnächst komplettiert Spies-Industriefußböden das Plateau. Für einen Großteil der noch freien Flächen im Mehlpfuhl wird bereits mit Interessenten verhandelt (unter anderem aus der Bau- und Metallverarbeitungsbranche), einige Verträge stehen vor dem Abschluss. Auf ein Plateau hat ein großes Unternehmen eine Option. Erweiterung ist aber – zunächst – kein Thema. Wenngleich es Möglichkeiten gibt: Der Schmittweilerer Sportplatz liegt brach, Bebauung wäre aber aus landespflegerischer Sicht schwierig; und auch der Kübelberger Sportplatz wird im Flächennutzungsplan schonmal als mögliches Areal ausgewiesen, „aber nur vorsorglich, es gibt noch keine Pläne“, sagt Weis. Etwa 350 Menschen arbeiten aktuell im Mehlpfuhl, der Unternehmen auch mit einem Quadratmeterpreis von nur 18 Euro lockt. VG-weit sind es fast viermal so viele: 1265 sozialversicherungspflichtige Jobs gab es laut Arbeitsagentur in 213 Betrieben zum 31. Dezember. „Wir haben auch jede Menge kleinerer Betriebe“, sagt Schoon. Dennoch bildeten die großen Unternehmen „den Löwenanteil“, auch in Sachen Gewerbesteuer – VG-weit fast zwei Millionen Euro. Das Arbeitsplatzangebot deckt aber bei weitem nicht den Bedarf: Fast 4200 Menschen pendeln aus – viele nach Homburg oder Kaiserslautern –, 720 pendeln ein (Stichtag 30. Juni 2015). Jobs geschaffen werden könnten noch in der Gastronomie: Ein größeres Angebot, um mit Geschäftskunden essen zu gehen, wünschen sich einige der Unternehmer. |tmü