Kusel Müller: Lebenshilfe hofft noch auf Emrich-Projekt

Klaus Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe, hat gestern betont, dass die Lebenshilfe weiterhin auf das Projekt Emrich-Gelände hofft, aber wegen des maroden eigenen Wohnheims nun auch schnell über Alternativen nachdenken muss. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Die bisherigen Verzögerungen seien zum Teil vom Investor mitverursacht, sagte er zudem.
betonte, er habe wegen des Mietvertrags der Lebenshilfe für das vom Investor zu bauende Wohnheim zuletzt Mitte Juni Kontakt mit Christian Ritter gehabt. „Ich wusste ja, dass die Ausstiegsoption zum 30. Juni ausläuft. Ich habe ihm damals angeboten, dass wir uns ganz schnell treffen und auch noch eine Eilsitzung des Aufsichtsrats einberufen, um den dann ausverhandelten Mietvertrag abzusegnen.“ Allerdings sei es zu dem vorgeschlagenen Treffen nicht gekommen. „Ich habe dem Gespräch entnommen, dass weniger der Mietvertrag das Problem ist, sondern dass es für die Immobilien auf dem Emrich-Gelände immer noch gültige Pachtverträge gibt.“ Das habe dann offenbar auch den Ausschlag gegeben, dass der Kaufvertrag geplatzt sei; nicht der fehlende Mietvertrag mit der Lebenshilfe. Der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler wundert sich, wieso es überhaupt zu einem solchen Problem in Sachen laufender Mietverträge habe kommen können. Wenn ein kleiner Ortsbürgermeister eine Immobilie für seine Gemeine erwerbe, ohne dass die Frage der Entmietung geklärt ist, bekomme er ganz schön Ärger. Müller: „Dem kann sowas schon mal passieren – aber einem privaten Geschäftsmann?“ Müller räumt ein, dass Verhandlungen über ein solches Wohnheim sehr kompliziert seien und auch lange dauern könnten. Allerdings sei ein Teil der Verzögerungen auch Investor Ritter zuzurechnen. So habe es beispielsweise sehr lange gedauert, bis der Investor der Lebenshilfe „belastbare Unterlagen und Pläne“ zur Verfügung gestellt habe, die die Lebenshilfe dann unter anderem an Heimaufsicht oder Kreisverwaltung zur Genehmigung habe weitergeben können: „Wir sind ja kein privates Unternehmen und müssen solche Projekte mit jenen abstimmen, die dann als Kostenträger bezahlen.“ Solche Pläne seien bei einem Gespräch für vergangenen Dezember zugesagt gewesen; bekommen habe die Lebenshilfe sie im März. Unabhängig davon setzt Müller weiterhin darauf, dass „diese verfahrene Situation irgendwie geklärt wird“ und die Lebenshilfe dort ihr neues Wohnheim bekommt. „Ansonsten haben wir die letzten drei Jahre vergeigt und stehen wieder bei Null.“ Er hat für Mittwoch nächster Woche eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen, um gemeinsam mit seinen Kollegen und mit Geschäftsführer Benedikt Quack die neue Situation zu besprechen. „Einen Plan B haben wir derzeit nicht“, bekennt er. Der allerdings muss schleunigst her, wenn das Emrich-Projekt nicht zustande kommt. „Der Betrieb unseres derzeitigen Wohnheims wird nur noch geduldet, weil wir diesen Neubau geplant hatten.“ Vor allem das Thema Brandschutz und hier das Fehlen eines zweiten Rettungswegs sind Gründe, warum das Wohnheim in der derzeitigen Form nicht mehr lange betrieben werden kann und darf. „Wir können deshalb nicht bis zum St.-Nimmerleins-Tag warten, ob das Projekt nach Ende des Insolvenzverfahrens für die Emrich-GmbH in zwei oder drei Jahren vielleicht doch kommt“, betont er. Die Lebenshilfe müsse jetzt ernsthaft überlegen, was anstelle des Emrich-Projekts möglich wäre. „Für einen Neubau bräuchten wir einen anderen Standort. Aber den haben wir nicht.“ Alternative wäre eine Sanierung des bisherigen Gebäudes. Doch wisse man weder, was das kosten werde – die Lebenshilfe leidet immer noch unter der Misswirtschaft früherer Jahre und war ohnedies nie auf Gewinn ausgelegt –, noch wo man die derzeitigen Bewohner während der Bauarbeiten unterbringen könne. Müller hat daher gestern nochmals mit Kreissparkasse-Chef Helmut Käfer Kontakt aufgenommen, der seine Vermittlung bei einem Gespräch aller Beteiligten angeboten hatte (wir berichteten gestern). Käfer äußerte sich gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ verhalten optimistisch, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Projekt, an dem auch die Stadt ein vitales Interesse hat. Immerhin bekäme sie ein ansprechendes Entree in der Bahnhofstraße.