Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Lunar-Party auf Burg Lichtenberg: Nur der Mond will nicht mitspielen

Martin Bertges führt ein Fallexperiment in Schwerelosigkeit vor. Foto: Sayer
Martin Bertges führt ein Fallexperiment in Schwerelosigkeit vor.

Weiter waren Menschen nie vom Blauen Planeten entfernt: Völlig losgelöst von der Erde spazierten vor genau 50 Jahren die ersten Menschen über die Oberfläche des Mondes. Der Arbeitskreis Astronomie des Geoskops auf Burg Lichtenberg feiert dieses Jubiläum in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit seiner „Lunar-Party“.

Auch ein halbes Jahrhundert nach Neil Armstrongs Sprung auf die Oberfläche des Erdtrabanten hat die erste bemannte Mondlandung nichts an Faszination eingebüßt. Der Vortragsraum des Geoskops ist sehr gut besucht. Etliche Neugierige sind gekommen, um sich über jenes spektakuläre Ereignis zu informieren, das seinerzeit mehr als eine halbe Milliarde Menschen weltweit vor die Radios und Fernseher lockte.

Martin Bertges vom Arbeitskreis Astronomie hat für diesen Abend mehrere Kurzvorträge vorbereitet und versorgt sein Publikum mit spannenden Hintergrundinformationen, Bildern, Kurzfilmen und zwei Versuchen zum Thema Schwerelosigkeit. Rund 380.000 Kilometer ging es im Juli 1969 per Saturn-V-Rakete hinaus ins All.

Die ISS huscht pünktlich vorbei

Verglichen mit jenem kühnen Husarenritt von damals erscheint jeder gegenwärtige Abstecher zur Internationalen Raumstation ISS wie ein bescheidener Ausflug in Nachbars Garten. Die schwirrt in nur knapp 400 Kilometern Höhe um die Erde – die damalige lunare Fahrgemeinschaft der US-Astronauten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins flog somit über den Daumen gepeilt beeindruckende 1000-mal weiter.

Schöner Zufall: Gerade als in einer Vortragspause alle Zuhörer vorm Geoskop frische Luft schnappen, rauscht die ISS über den Sternenhimmel. Ihr folgt deutlich sichtbar die wenige Stunden zuvor von der Erde gestartete Sojus-Raumkapsel, die drei weitere Astronauten an Bord bringen wird.

Freiwillig zum Unterricht

Nach der Pause erinnern sich einige der Zuhörer daran, wie sie das damalige Großereignis erlebt haben. Ein ehemaliger Berufssoldat gibt an, alles aus dienstlichen Gründen mit einem Tag Verspätung sehr genau erlebt zu haben. Ein damaliger Lehrer erinnert sich noch sehr gut an die Faszination seiner Schüler im Zusammenhang mit einer seinerzeit ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft zum Thema Mondlandung. „Die sind damals sogar nachmittags alle freiwillig gekommen“, erinnert sich der einstige Pädagoge schmunzelnd.

Die meisten im Saal sind für konkrete Erinnerungen jedoch zu jung. Viele hatten in jener Julinacht einfach nur ein Rendezvous mit dem Sandmännchen. So ging es auch einem 1967 geborenen Zuhörer, der viele Jahre später jedoch in den USA die außergewöhnliche Gelegenheit hatte, dem großen „Buzz“ Aldrin persönlich die Hand zu schütteln. „Das war ein Riesenerlebnis!“, gesteht der heute 52-Jährige im Rückblick.

Letztlich, so Martin Bertges im Resümee seiner Vortragsreihe, seien alle Staaten Sieger der erfolgreichen Mondlandung vom Juli 1969. Zwar seien die Amis letztlich oben gewesen, aber viele Länder der Erde hätten im Vorfeld entscheidende Beiträge zum erfolgreichen Verlauf der Apollo-Mission geleistet.

Experiment mit Ehrenspeck-Antenne

Bertges spannt den Bogen zu Hermann Ehrenspeck, dem Elektrotechniker aus Kusel, der vor einem halben Jahrhundert mit seiner Entwicklung der Backfire-Antenne einen wichtigen Beitrag zur Kommunikation in der Raumfahrt geliefert hat. Ihm zu Ehren kommt im zweiten Teil des Abends im unteren Bereich des Burgareals eine sogenannte Ehrenspeck-Antenne zum Einsatz. Mit ihr soll eine Grußbotschaft empfangen werden, die unmittelbar vorher von der Zweibrücker Sternwarte in Richtung des Erdtrabanten gesendet wurde. Leider sind die Wetterverhältnisse nicht optimal, so dass auch mögliche Himmelsbeobachtungen von Saturn und Jupiter via Teleskop in den Wolken hängen bleiben.

Auch der Mond entpuppt sich an diesem Abend mehr als zickende Diva denn als kooperierender Assistent im Sinne der Wissenschaft. Bis tief in die Nacht hüllt er sich fast schon schmollend in teils dichte Wolken. Eine exakte Ausrichtung der Antenne mit den Kollegen aus Zweibrücken ist daher praktisch unmöglich.

Doch noch ein Signal

Dennoch, irgendwann gegen halb zwei Uhr früh, als sich die ISS für eine weitere Stippvisite über den Wolken von Burg Lichtenberg zeigt, klappt die Reflexion vom Mond: „Da ist das Signal!“, freut sich Bertges. Digitale Töne werden über die Antenne klar und für alle um diese Uhrzeit noch anwesenden Mondfans deutlich hörbar übertragen.

Doch die Ausrichtung zum Erdtrabanten kann wetterbedingt nicht exakt genug erfolgen, so dass die für die Decodierung erforderliche Software keine visuelle Übersetzung der Botschaft vornehmen kann. Das, verspricht Bertges, werde demnächst noch einmal versucht. Dass das nicht klappen konnte, sei ausschließlich auf den bewölkten Himmel zurückzuführen. „Da“, so Bertges, „muss ich den Mond ausdrücklich in Schutz nehmen.“

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