Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Landwirte aus Kreis Kusel bei Protesten in Bonn

Hier fährt Sven Ulrich im Mähdrescher über den heimischen Acker – bald vielleicht mit dem Traktor zu einer weiteren Demonstratio
Hier fährt Sven Ulrich im Mähdrescher über den heimischen Acker – bald vielleicht mit dem Traktor zu einer weiteren Demonstration. Foto: m. hoffmann

Sven Ulrich aus Langenbach ist einer von tausenden Landwirten, die am Dienstag in mehreren Städten auf die Straße gegangen sind. Weitere Kollegen aus dem Landkreis Kusel hat er in Bonn getroffen – einige waren sogar mit ihren Schleppern angereist.

„So eine Stimme hat die Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren nicht gehabt“, sagte Sven Ulrich am Dienstagnachmittag auf der Heimfahrt. Begeistert von den Erlebnissen klang er am Telefon. Der 28-jährige Junglandwirt war mit Kollegen aus der Vorderpfalz in Neunsitzer-Bussen unterwegs, weiß aber, dass am Dienstagmorgen ab dem Treffpunkt in Bad Kreuznach 135 Traktoren unter anderem aus den Kreisen Kusel, Kaiserslautern und Pirmasens gen Bonn gestartet sind. „Auf dem Platz haben wir mit vielen erzählt, die mit Schleppern kamen“, berichtete er. Die Kollegen hätten fast durchweg von positiven Reaktionen aus der Bevölkerung berichtet: „Die Leute haben Platz gemacht, Daumen hoch gegeben.“

Eindrucksvoll war für ihn auch der volle Bonner Münsterplatz – und die Schnelligkeit, mit der die Proteste organisiert worden sind: Sechs Leute hätten das vor zwei Wochen angestoßen, es hätten sich Facebook- und Whatsapp-Gruppen gebildet. „Alle Verbände haben sich im Hintergrund gehalten, das war rein von Landwirten organisiert, von der Basis“, erzählt Ulrich, der selbst im Landesvorstand der Landjugend Rheinhessen/Pfalz aktiv ist als Arbeitsgruppenleiter Junglandwirte.

Gesetze praxisfern

„No Farmers, no Food, no Future.“ Keine Landwirte, kein Essen, keine Zukunft. Das steht auf Ulrichs Facebook-Profilbild – wie bei so vielen Landwirten derzeit. „Wir Landwirte denken in Generationen, die Politik in Wahlperioden“, kritisiert Ulrich, der eine Lehre als Landwirt gemacht, dann Agrarwirtschaft studiert hat und seitdem im elterlichen Betrieb arbeitet. Neue Gesetze seien häufig praxisfern, es würde immer schwieriger, vor allem Familienbetriebe wirtschaftlich zu führen. Das politische Klima mit ständigen unvorhersehbaren Neuerungen hemme Investitionen, zählt der Jungbauer auf.

Und eben deswegen ist er zur Demonstration gefahren, weil es so mit der Agrarpolitik nicht mehr weitergehen könne, sich die Bauern eine Stimme verschaffen müssten – alle gemeinsam, auch Biobauern, Winzer, Obstbauern, Viehhalter, sagte der Ackerbauer. Wenn Gesetze gemacht würden, müsse auch mit den Bauern geredet werden. „Wir demonstrieren nicht gegen Umweltschutz“, betonte er, werde ihr Anliegen doch oft als „gegen Umweltauflagen“ verkürzt dargestellt. „Wir betreiben alle Umweltschutz, wir arbeiten mit der Umwelt, wir wollen sie nicht zerstören.“

Ausgewogenheit im Kreis

Ähnliches sagte auch Marcel Müller aus Körborn am Dienstagnachmittag. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands wäre auch gerne nach Bonn gefahren, habe es aber zeitlich nicht geschafft. Als „gerechtfertigt“ bezeichnete er die Proteste und betonte ebenfalls, dass ja nicht gegen Umweltschutz demonstriert werde, sondern „gegen die Auflagenflut, die permanent auf uns einprasselt“ und gegen „überzogene Forderungen ohne Sinn und Verstand“. Weder sach- noch fachgerecht sei die Kritik aus der Politik und von NGOs (Nichtregierungsorganisationen), das sei Bauernbashing, Stimmungsmache gegen Bauern und führe unter diesen zu großer Frustration – ganz abgesehen von den Zukunftssorgen angesichts höherer Produktionskosten bei höhren Auflagen.

„Wenn man sieht, wie viele Höfe in den letzten Jahren gestorben sind ...“, sagte Müller. „Strukturwandel hatten wir schon immer, aber in den vergangenen Monaten war es äußerst heftig“, verwies er auch auf die Wetterkapriolen 2018 und 2019, die einige Höfe in Schieflage gebracht hätten.

Eine Pflanze brauche Futter wie wir unser Essen, argumentiert er fürs Düngen und vor allem auch für Bodenpflege und -verbesserung etwa durch den Anbau von Leguminosen zur Anreicherung von Stickstoffen. „Das praktizieren wir seit vielen Jahren“, betonte der Kreisbauernchef. Im Kreis Kusel sieht er außerdem mit Hecken- und Grünstreifen, Brach- und Wald- sowie landwirtschaftlichen Flächen eine gute Ausgewogenheit gegeben. „Für die Natur, Tiere und die Landwirtschaft sind wir ein gutes Gebiet.“

Nächstes Mal mit Traktor

Doch hält auch er es für unerlässlich, auf die Probleme der Landwirte und der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. „Es ist nicht gerecht, dass man auf einem Berufsstand so herumhackt“, sagte er. Sven Ulrich hofft, dass es weitere aufmerksamkeitserregende Protestaktionen geben wird: „Jetzt sind wir organisiert – es wäre schön, wenn es weitergehen würde, es hängt an allen.“ Und er könne sich sehr gut vorstellen, zur nächsten Demo mit dem Traktor anzureisen.

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