Kusel Kuseler Gestein öffnet das Zeitfenster

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Als Boris Hoffmann aus Neugier die Schieferplatte auf dem Weg vor ihm aufhob, wusste er noch nicht, was sich im Inneren verbirgt. Entlang des Fritz-Wunderlich-Wanderwegs hatte wohl Wasser die Platte heraus gelöst, und Hoffmann nahm sie mit. Darin: der Kiefer eines unbekannten Fossils. Der heutige internationale Sammle-Steine-Tag ist wie gemacht für Hobby-Geologen wie Hoffmann.

„Das ist ein Sensationsfund“, bestätigt Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop auf Burg Lichtenberg, Hoffmanns Entdeckung. Die Fundstelle liegt direkt unterhalb der Burg, der Ruthweilerer Hoffmann geht öfter mal in der Gegend spazieren, auch in der Hoffnung auf interessante Entdeckungen. Im Frühjahr war Hobby-Geologe Hoffmann auf die Schieferplatte gestoßen und hatte sie zuhause vorsichtig aufgebrochen. Dann zeigte er das freigelegte Fossil Museumsleiter Voigt. Der hat derart viele Funde in seinem Museum, dass er immer noch nicht dazu gekommen ist, Hoffmanns Fossil genauer zu bestimmen. Alle zwei Wochen kämen Leute aus der Umgebung zu ihm, um Funde oder Steinsammlungen ans Museum zu übergeben. Für den Laien scheinen Steine am Wegesrand belanglos, doch der Boden des Pfälzer Berglandes unterscheidet sich von anderen Orten Deutschlands. 300 Millionen Jahre alte Gesteinsböden seien auf dem Gebiet zwischen Saarbrücken und Mainz näher an der Oberfläche als anderswo, erklärt Voigt. „Jedes Mal, wenn Sie hier ein Haus oder eine Straße bauen, treffen Sie auf Fossilien im Gestein.“ Deshalb sei es in der Umgebung rund um Kusel besonders einfach, historisch wertvolle Fossilien zu entdecken. Sammler tauschen sich immer wieder gerne über die Fundstellen aus. Dies können Flüsse oder Bäche sein, aber auch ein Forstweg, der neu gemacht wird. Voigt schätzt, dass es mehr als 3000 Fundstellen in der Umgebung gibt. Auch das Fossil des 39-jährigen Hoffmann wurde nicht ganz zufällig entdeckt: „Vor zwei Jahren waren meine Familie und ich auf einer Exkursion von Voigt. Er hat uns die Stelle gezeigt, an der ich später die Platte gefunden habe“, berichtet Hoffmann. Einen materiellen Wert hätten die Funde privater Sammler meist nicht, der emotionale sei größer, weiß Voigt. Für sein Geoskop sind jene Funde spannend, die einen historischen Wert haben. „Bei Fossilien kommt es auf die Vollständigkeit an oder auf eine neue Art“, sagt er. Auch eine historische Fundstelle – wie etwa ein geschlossener Stollen, der vor 60 Jahren mal zugänglich war – könne interessant sein. Die meisten Steine aus Privatsammlungen seien nicht außergewöhnlich, angeschaut werden sie dennoch und für den pädagogischen Bereich des Museums genutzt. „Ganz häufig denken Leute, sie haben einen Meteorit gefunden“, schmunzelt Voigt. Bisher hat sich aber kein Verdacht bestätigen lassen. Bestätigt sind jedoch die Funde der vergangenen Monate im Steinbruch beim Remigiusberg. Seit vor zwei Jahren dort, eher zufällig, ein Amphibien-Fossil entdeckt wurde, sucht Voigt gezielt nach weiteren. Mehrfach waren die Ausgrabungen erfolgreich, und 300 Millionen Jahre alte Amphibien, aus der Zeit vor den Dinosauriern, wurden ausgegraben. Dank wissenschaftlicher Methoden kann Voigt deren Alter sehr genau bestimmen. Darunter sind völlig neue Arten, die ihren eigenen Namen kriegen werden. Nirgendwo in Deutschland wurden ältere Fossilien dieser Art entdeckt. „Für uns Geologen sind die Gesteine die Geschichtsbücher in denen wir lesen“, freut sich Voigt. Das Kuseler Gestein öffnet ihm das Fenster zur Zeit. |hest

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