Kusel In Kusel muss renaturiert werden

Der Bach, der durch die Kreisstadt fließt, erhält seinen Namen beim Zusammentreffen von Pfeffelbach und Bledesbach. Die beiden sind mit elf und 9,3 Kilometern länger als der Kuselbach (7,2) und verlaufen in Tälern, die noch weitgehend ursprünglich sind. Am Kuselbach selbst dagegen müsste dringend eine Renaturierung stattfinden.
Ein „feiner großer Bach“ sei der Kuselbach und neben dem Glan der „vornehmste Bach im Lichtenberger Land“, schrieb der Landvermesser Johannes Hoffmann 1588. Er erklärte, dass der Bach viele Namen habe – „von einem Dorf zum andern“. Um die Quellbäche und Zuläufe zu finden, sei nicht nur eine gute Landkarte erforderlich. Man müsse auch in den Dörfern Bewohner finden, die zuverlässig Auskunft geben können. Den Anfang des Pfeffelbachs bildet der Weiswieserbach, der zwischen Böschberg und Hellerberg entspringt. Er fließt auf Schwarzerden zu, wendet sich aber kurz vor dem Ort nach Osten. Auf den ersten Kilometern bildet der teilweise völlig zugewachsene Bach die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Saarland. Beim römischen Mithrastempel ist er zu einem Weiher gestaut, den der Angelsportverein Schwarzerden als Fischgewässer nutzt. Kurz hinter der A 62 trifft der Weiswieserbach auf den Würrerbach („Werresbach), dessen Quellen zwischen Böschberg und Karrenberg liegen und der Reichweiler durchquert. Von da an heißt er Pfeffelbach. Bis Thallichtenberg verläuft er in einem weiten Tal, auf dessen Südseite große Hartsteinbrüche liegen. Schöner ist die Nordseite: Sie besteht aus den Preußischen Bergen, der Wasserscheide zur Nahe. In dem Ort, der den selben Namen wie der Bach führt, münden der Oder- und der Hasenbach. Pfeffelbach ist ein Haufendorf, das sich vor allem auf der Südseite des Baches ausgebreitet hat. Seit der Römerzeit besiedelt, gehörte es im Mittelalter zum Amt Lichtenberg, das als Teil der Grafschaft Veldenz später zur Pfalzgrafschaft Zweibrücken kam. Von 1801 bis 1814 stand der Ort unter französischer Herrschaft. Auf dem Wiener Kongress wurde Pfeffelbach dem Fürstentum Lichtenberg zugeschlagen, einer Exklave des Herzogtums Sachsen-Coburg. 1834 verkauften es die Herzöge an Preußen, wo es bis 1945 blieb. Thallichtenberg berührt der Pfeffelbach nur am Rand, aber durch die Täler, die dort münden, erhält er Wasser von Löschbach, Bisterbach und Kurzem Bach, die auch in den Preußischen Bergen entspringen. Nach einer Engstelle zwischen dem bewaldeten Niederberg und den steilen Felsen unterhalb der Burg Lichtenberg wird das Tal wieder breiter. Auf seiner linken Seite erstreckt sich ein Wald, die flachere rechte Seite bilden Wiesen. Bevor der Pfeffelbach den Bledesbach trifft, fließt er an Ruthweiler vorbei. Er wird in diesem Abschnitt auch als „Aalbach“ bezeichnet. Obwohl der Pfeffelbach nur wenig Wasser führt, versorgte er sechs Mühlen, über die der Pfeffelbacher Hartmut Stepp Bescheid weiß: Von der Reichweiler Mühle, nach einem ihrer Besitzer auch Hittelsmühle genannt, sind nur noch einzelne Gebäude vorhanden. Die Schwarzborner- oder Eselsmühle hat in ihrem Dornröschenschlaf ihr früheres Aussehen erhalten. Sie wurde laut Stepp von einem Makler als „Mühle am Strom“ angeboten – dem Berliner Käufer gefiel das Gebäude, aber er suchte vergeblich nach dem „Strom“. Dass das Bächlein eine Mühle angetrieben hatte, konnte er sich so gar nicht vorstellen. Bei Pfeffelbach liegt die Altmühle und einen Kilometer weiter die Neu- oder Bremmenmühle, zu der eine Birkenallee führt. Die Eigentümerin Berta Bier berichtet, dass die Mühle von etwa 1700 bis 1957 als Öl- und Getreidemühle betrieben wurde. Anschließend produzierte sie Strom, die kleine Turbine ist aber inzwischen stillgelegt. Dafür gibt es in der Mühle jetzt eine Ferienwohnung. Es folgen noch Ober- und Untermühle, die an Ein- und Ausgang von Ruthweiler liegen. Beide sind längst außer Betrieb, aber die Gebäude haben sich erhalten. Von der Obermühle hatte das Café „Veldenzer Mühle“ seinen Namen. Der Bledesbach ist weniger spektakulär. Er entspringt am „Hühnerkopf“ westlich von Wahnwegen, wo er anfangs verrohrt verläuft und erst kurz vor dem Ort an die Oberfläche tritt. Im Wiesengrund kennzeichnet der dichte Bewuchs mit weiß blühendem „Mädesüß“ den Verlauf. Durch den Ort verläuft der Bach wieder „verdohlt“, bevor er in ein breites Tal eintritt. Es ist von etwa 100 Meter hohen Hügeln eingerahmt, und der Wasserlauf wird von Büschen und Bäumen begleitet. Der Bach durchquert Hüffler und Schellweiler, bevor er die Gewässer einsammelt, die in den Bergen westlich von Konken, Albessen und Ehweiler entspringen. Auch am Bledesbach gab es Mühlen – im gleichnamigen Stadtteil und in Schellweiler. Selbst der kleine Konkenbach trieb eine Mühle an, in der sich heute eine Hundepension befindet. Schönster Abschnitt des Bledesbachs ist die Strecke zwischen dem gleichnamigen Straßendorf und Kusel. Doch die Landschaft kommt kaum zur Geltung, weil es am Bach keine Fuß- oder Radwege gibt. Zudem stört die lebhaft befahrene B 420 die Idylle, die an der linken Talseite neben dem Bach verläuft. Der Zusammenfluss der beiden Quellbäche erfolgt kurz vor Diedelkopf. Dann erhält der Kuselbach Zuflüsse vom Mühlbach aus Richtung Körborn und vom Blaubach, der oberhalb des gleichnamigen Ortes entspringt. Auch Kusel war ein wichtiger Mühlenort. Die erste befand sich neben der alten Brücke, auf der die Straße Haselrech mit zwei eleganten Bögen den Bach überquert. Dahinter beginnt ein Stauweiher, von dem früher ein Mühlbach zur ehemaligen Walkmühle abzweigte. An diese Mühle, in der Wollstoffe durch Walken oder Stampfen im Wasser zu Filz verarbeitet wurden, erinnern noch der Straßenname und der ehemalige Mühlteich. Er wurde zu einem schönen Weiher umgestaltet, der heute vom Blaubach gespeist wird. Der alte Mühlgraben führt kein Wasser mehr, ist aber im Stadtpark noch erkennbar. Im weiteren Verlauf des Kuselbachs folgten zwei Lohmühlen, in denen die Eichenrinde für die Gerber zerkleinert wurde, eine Schleifmühle, die Stadtmühle beim Untertor am Ostrand der Altstadt und die Ritschmühle. Auch im benachbarten Rammelsbach gab es eine Walk- und eine Mahlmühle. Der inzwischen kräftige Kuselbach fließt im Bogen um Gymnasium und Kreisverwaltung herum, bevor er die Innenstadt durchquert. Dort bietet er ein eher trauriges Bild: Sein Bett ist mit Steinen gepflastert und zwischen Betonwände eingesperrt. Die Stadtverwaltung überlegt, wie Durchgängigkeit und Renaturierung erreicht werden können. Dazu müssten am oberen Wehr eine Fischaufstiegsanlage errichtet und das kleine Wehr bei der Ritschmühle beseitigt werden. Zudem benötigt der Bach Platz für einen freieren Lauf. Dafür müssten Grundstücke gepachtet oder gekauft werden. Zwischen Industriestraße und Bahnlinie tritt der Kuselbach kaum in Erscheinung. Das ändert sich erst am Ende des Gewerbegebiets, von wo aus ein Pfad nach Rammelsbach führt. Er verläuft zwar nicht direkt am Bach, aber zumindest an dessen Ufer. Die Park- und Weiheranlage in Rammelsbach zeigt, wie ein Bach ins Ortsbild integriert werden kann. Auch in Altenglan ist der Kuselbach zumeist in eine enge Rinne gefasst. Erst am Ortsende, wo er einen Bogen nach Norden schlägt, gewinnt er sein natürliches Aussehen zurück. Sein munterer Lauf auf den letzten Metern erweckt den Eindruck, dass er sich auf den Glan freut, wo sich sein Wasser in einem natürlichen Flussbett frei bewegen kann.