Kusel „Ich will, dass die Leute sich Gedanken machen“

Kusel. „Ein Freidenker, sozial eingestellt, ein politischer Mensch.“ So beschreibt sich Jonas Koch. Der 18-Jährige gehört zu den Organisatoren der Demo „Refugees welcome - Flüchtlinge willkommen“, die am Samstag in Kusel stattfindet. Seine Themen sind global, doch erreichen will er junge Leute in und rund um Kusel. „Weil hier die Probleme entstehen und das die Menschen sind, die die Politik der Zukunft machen.“
„Flüchtlingspolitik, linke Politik, gegen rechte Strukturen, Kapitalismuskritik.“ Auf den ersten Blick haben die Themen, die Jonas Koch „schon ziemlich früh beschäftigt haben“, nicht viel mit dem Kreis Kusel zu tun. Tatsächlich sei die Kommunalpolitik nicht das, was ihn reize, sagt der 18-jährige Kuseler, der in Kaiserslautern aufs Gymnasium geht, dort bald sein Abi in der Tasche haben wird und dann erst einmal eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik macht. „Ob es jetzt drei oder fünf Straßenlaternen sein müssen und man sich schließlich für vier als Kompromiss entscheidet, finde ich nicht so spannend“, sagt er über sein Bild des Geschehens in dörflichen Gremien. Dennoch hat er sich in der Linksjugend engagiert und steht für die Linkspartei auf der Liste für die Kreistagswahl. Er ist einer, der nicht nur „rummeckern“, sondern etwas tun will. „Aber eine Parteikarriere ist nicht mein Ziel“, sagt Koch. „Ich will freier und unabhängiger bleiben.“ „Eingefahrenes Denken aufzulockern“ ist auch das zentrale Anliegen, das Koch und seine Mitstreiter von der Gruppe Junge alternative Gegenkultur Kusel mit ihrer Demo durch die Kreisstadt verfolgen. Jeden Montagabend treffen sich die jungen Männer und Frauen im Kuseler Haus der Jugend, um ihren Entwurf von einer guten Gesellschaft zu diskutieren und mit Leben zu füllen. Koch ist seit rund drei Jahren dabei. „Wir sind eine Demokratie, wir reden immer viel von Menschenrechten. Und dann werden Flüchtlinge abgeschoben, weil wir sie uns angeblich nicht leisten können. Dabei haben wir Platz und sind ein reiches Land. Für mich ist das eine falsche Moral“, schimpft Jonas Koch. „Wie viel Geld ist denn ein Leben wert?“ Die Mitglieder der Gruppe, die langsam eintrudeln und zuhören, nicken. Konzerte sind ein anderes Thema der Treffen. Die würden sie gerne veranstalten, doch: Der etwa 100 Personen fassende Raum müsste mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, am Wochenende und auch in der Nacht. Freunde aus Kaiserslautern sollen schließlich auch kommen können. Das macht die Suche nach dem Konzertsaal zu einem Punkt, an dem sich globales Denken und das Leben auf dem Land direkt berühren. Wieso auch die bevorstehende Demo ein solcher Berührungspunkt ist, musste Koch in den vergangenen Tagen öfter erklären. „Man kann natürlich immer irgendwo hinfahren und demonstrieren. Aber dann kriegen es auch immer die gleichen Leute mit. Probleme und Flüchtlingshass entstehen aber doch auf dem Dorf. Viele Menschen wehren sich doch gegen etwas, das sie gar nicht kennen.“ Konservative Strukturen im Kopf aufzubrechen, gerade auch um Kusel herum, wo er „starke rechte Tendenzen im Denken der Menschen“ sieht, ist ein Anliegen von Jonas Koch und seinen gleichaltrigen Mitstreitern. „Ich will, dass die Leute sich Gedanken machen, will das Dorfidyll in den Köpfen ein bisschen stören“, sagt Koch. Mehr Mulitkulti in Kusel empfände er als Bereicherung, als Erweiterung des Blicks. „Flüchtlinge brauchen nach allem, was sie erlebt haben, keinen pöbelnden Mob, dessen Weisheit auf drei Dosen Bier basiert“, findet er. „Es ist die Pflicht einer demokratischen Gesellschaft, zu helfen.“ Auf 100 Teilnehmer hoffen die Demo-Organisatoren – und bauen dabei auf alle Altersgruppen. Junge Menschen zu erreichen, habe trotzdem einen besonderen Stellenwert. „Das ist die Zukunft. Die, die heute nachkommen, werden die Politik der Zukunft machen.“ Was er selbst machen wird, wenn er 30 ist? Jonas Koch überlegt, lächelt. Die Ausbildung steht, doch danach? „Darüber habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Ich mache, was ich jetzt machen kann. Der Rest kommt, wenn es soweit ist.“