Kusel Hochwasser bremst Richtfest aus
Medard: Fenster- und Fassadenhersteller IGM weiterhin auf deutlichem Wachstumskurs
Dem Fenster- und Fassadenhersteller IGM in Medard ist durch das Hochwasser vor einigen Wochen (wir berichteten) ein Schaden von rund 1,5 bis zwei Millionen Euro entstanden. Diese Zahl nannte IGM-Chef Michael Groß im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Unabhängig davon befindet sich das Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs. Das Hochwasser, nach dem Tonnen von Schlamm aus den Werkshallen zu räumen waren (Groß: „Der Einsatz der Mitarbeiter war vorbildlich“), hat unter anderem die Arbeiten an der Werkserweiterung erheblich behindert. Die Arbeiten liegen hinter dem Zeitplan. Erste Konsequenz: Das für diese Woche geplante Richtfest ist abgesagt worden. Die Fertigstellung von Werk 3 wird sich damit laut Groß um etwa einen Monat auf Anfang Dezember verschieben. Weil noch immer Teile der bisherigen Produktionsstätte nicht nutzbar sind, hat IGM die Räume der ehemaligen Firma Albert in Kusel angemietet. Dort werden derzeit die zuvor fertig produzierten Fassadenelemente geprüft, ob sie durch das Hochwasser Schaden genommen haben. Abgesehen von den Beeinträchtigungen durch das Hochwasser läuft es laut Groß sehr gut bei IGM. „Die Auftragslage ist gut. Wir haben bereits jetzt Aufträge bis weit hinein in das Jahr 2019“, sagt er, der gemeinsam mit Gunter Mohr IGM führt. Das größte laufende Projekt ist eines im Auftrag der Deutschen Bahn mit dem Titel „Grand Central“. Hier fertigt IGM rund 35.000 Quadratmeter Fassade für einen Teil des Frankfurter Hauptbahnhofs. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von knapp 20 Millionen Euro. Ebenfalls involviert ist IGM beim so genannten Glücksstein-Quartier am Mannheimer Neckar-Ufer, wo das Medarder Unternehmen über 10.000 Quadratmeter Fassade im Gesamtwert von zehn Millionen Euro beisteuert. Nachdem IGM zuletzt einen Jahresumsatz von etwas über 25 Millionen Euro verbucht hatte, strebt die Firma laut Groß für dieses Jahr die 30-Millionen-Euro-Marke an. Ein erneutes Wachstum um 15 bis 20 Prozent, mit dem Groß sehr zufrieden ist. Um auch weiterhin wachsen zu können, hat er in der Projektplanung bis ins Jahr 2021 als Ziel ausgegeben, jedes Jahr zumindest drei Großprojekte mit einer Objektgröße von acht bis 15 Millionen Euro an Land zu ziehen. Er ist zuversichtlich nach dem bisherigen Geschäftsverlauf, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Zudem bedient sich IGM inzwischen auch international tätiger Planungsbüros - Zeichen für die gewachsenen Ansprüche. Abgeschlossen hat IGM ein Projekt mit den US-Amerikanern, für die eine explosionsdämpfende Fassade entwickelt worden ist, mit der in Kaiserslautern-Vogelweh der Neubau der High School ausgestattet worden ist. „Wir sind hier weiter an Verbesserungen und haben hier weitere wichtige Schritte gemacht“, sagt Groß. Folglich sei er nicht nur mit den US-Amerikanern in Gesprächen über weitere Einsatzmöglichkeiten, sondern auch mit anderen Interessenten an dieser IGM-Entwicklung. Spruchreif sei hier aber noch nichts. Allerdings verweist Groß auch darauf, dass IGM derzeit in breitem Stil investiert – und zwar nicht allein die 15 Millionen Euro, die die Werkserweiterung kostet. Das Thema Digitalisierung lässt sich IGM einen siebenstelligen Betrag kosten, um damit zugleich die Herstellungsprozesse zu optimieren. Zudem sei Ziel, eine fast vollständig papierlose Fertigung zu erreichen – passend zu früheren Projekten einer Ressourcen schonenden Produktion. Und: IGM besinnt sich auf Produktionstechniken, die sich früher bewährt hatten, die aber aus vermeintlichen Gründen eines Fortschritts vorübergehend geändert worden waren. „Es ist schon gut, wenn man weiß, dass man auf Dinge zurückgreifen kann, die schon mal funktioniert haben.“ Weiterhin sind laut Groß am Standort Medard rund 80 feste Mitarbeiter beschäftigt. Zudem beschäftigt IGM etwa 70 externe Mitarbeiter – von Ingenieuren und Statikern bis zu Mitarbeitern auf den jeweiligen Baustellen. Bislang spüre sein Unternehmen noch nichts vom Fachkräftemangel: „Wir konnten zuletzt einige sehr qualifizierte Mitarbeiter für uns gewinnen.“ Zudem setzt IGM verstärkt darauf, sich die Fachkräfte selbst heranzuziehen. Derzeit hat das Unternehmen zehn Auszubildende für ganz verschiedene Tätigkeitsprofile.