Kusel Folgen schwerer Unfälle im Blick

Es hat seltener gekracht als noch im Jahr zuvor. Raserei ist nicht mehr Unfallursache Nummer eins. Zudem ist die Zahl der Alkoholsünder gesunken und es wurden weniger Wildunfälle vermerkt. Trotzdem trägt Gerhard Glaser beim Blick auf die Verkehrs-Bilanz Sorgenfalten auf der Stirn. Was dem Chef der Kuseler Polizeiinspektion Kummer bereitet: die schlimmen Folgen, die einige Unfälle nach sich gezogen haben.
Hochgeschnellt ist die Zahl der Todesopfer. Zu schaffen macht den Hütern über die Sicherheit im Straßenverkehr auch, dass mehr Unfälle mit schwer verletzten Autoinsassen zu vermerken waren. Das passt der Polizei nicht, da müsse etwas passieren. Und daher wollen die Kräfte der Polizeiinspektion Kusel und der dazugehörigen Wache in Schönenberg-Kübelberg ein noch wachsameres Auge auf die Unfallfolgen richten, daraus Konsequenzen ziehen. Denn es gilt das erklärte Ziel: „den Verkehrsraum ein Stück sicherer gestalten“, wie es Gerhard Glaser formuliert.
Zu den blanken Zahlen: 1455 Unfälle gab es im vergangenen Jahr auf den Straßen innerhalb der fünf Verbandsgemeinden Kusel, Altenglan, Glan-Münchweiler, Waldmohr und Schönenberg-Kübelberg. Für dieses Gebiet zeichnet die Kreisstadt-Inspektion samt der Südkreis-Wache verantwortlich. 1455 Unfälle sind 38 weniger als im Jahr davor – das ist ein Rückgang um 2,48 Prozent. Merklich gesunken ist auch die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen.
Aber – und es ist ein deutliches Aber, das Glaser da verlauten lässt: Wenngleich die Zahl der Unfälle mit Personenschaden von 147 auf 131 gesunken ist: Die Folgen waren ungleich dramatischer. Statt eines Todesopfers (2012) gab es 2013 gleich vier zu beklagen. 30 Unfälle mit schwer verletzten Opfern hatte es 2012 gegeben. Deren Zahl hat sich nun mehr als verdoppelt, ist auf 65 angewachsen.
Mit Blick auf jenen Teil der Statistik mag sich der Inspektionsleiter kaum mehr drüber freuen, dass die Zahl verletzter Unfallbeteiligter wegen der weitaus geringeren Anzahl Leichtverletzter insgesamt sogar gesunken, die der Alkoholunfälle von 26 auf 17 zurückgegangen ist. Auch die Tatsache, dass überhöhtes Tempo 2013 bei „nur“ noch 304 statt 354 Unfällen Ursache war, tröstet da wenig. Rein statistisch gesehen ist auf Straßen (und Parkplätzen) des mittleren und südlichen Kreisgebiets „Wenden/Rückwärtsfahren“ Haupt-Unfallursache – auch weil dabei die berüchtigten Parkplatz-Rempler mitzählen.
Weniger die reine Anzahl der Unfälle ist daher im Fokus der Polizei; die Qualität bereitet ihr Sorge. „Problem sind gut ausgebaute, geradeaus führende Straßen“, sagt Gerhard Glaser. So etwas verführe viele Verkehrsteilnehmer geradezu zum Rasen. „Wir haben statt eines punktuellen ein Strecken-Problem“ verdeutlicht der Beamte. Von daher sei auch die Art und Weise der Überwachung verändert worden. Es sei in vergangenen Jahren viel für die Sicherheit getan worden, zweifelsohne. Und doch stellten solche Abschnitte – die der Polizei hinlänglich bekannt seien – auch weiterhin Gefahrenherde da. Weil da stets wieder der Faktor Geschwindigkeit hinzukomme, jene übersichtlichen Strecken eher zum beherzteren Tritt aufs Gaspedal verleiteten.
Mithin werde verstärkt kontrolliert. Und: Die Unfallkommission – Polizei, Landesbetrieb Mobilität und Straßenverkehrsbehörde der Kreisverwaltung, die laut Glaser sehr gut zusammenarbeiten – werde auch weiterhin nach Lösungen suchen.
Nicht beikommen werde man der Problematik von Unfallfluchten. Deren Zahl ist gemäß Unfall-Bilanz im vergangenen Jahr leicht angestiegen, um elf Fälle auf 276. Immerhin seien davon 103 geklärt worden, was rund 37,3 Prozent entspricht. Diese Quote lag im Jahr davor höher, bei immerhin 45,2 Prozent. Der Wert sei wohl erfreulich, doch blieben eben auch eine Menge dieser Fälle, bei der sich Unfallverursacher ihrer Verantwortung entziehen, ungeklärt, so Glaser. (cha)