Kusel Felsfraktion und Mauergruppe
Nachtlichtmelodien nennt Musikantenlandpreisträger Martin Folz seine Mitsingaktion, die am Samstagabend zum zweiten Mal im Hof von Burg Lichtenberg stattfand. Ungeachtet der etwas kühleren Temperaturen waren etwa 220 Besucher gekommen, die bei bester Stimmung zum Schein von Taschenlampen alte Lieder mitsangen.
„Nachtlichtmelodien – das ist meine Erfindung“, erläuterte Martin Folz. „Der Musikantenlandpreisträger soll ja etwas weitergeben. Nun, ich bin Sänger und Chorleiter und arbeite als solcher überwiegend mit Jugendlichen. Da dachte ich, man sollte doch auch mal was machen für Erwachsene“, fuhr er fort. „Dabei bin ich auf die Tradition des Mundorgelsingens zurückgekommen. Daran hängen Erinnerungen – an Kindheit, Jugend, Schule –, damit sind wir groß geworden. Und das ist danach aber nie mehr abgerufen worden, das war nicht mehr modern.“ Dass die Liebe dazu und die Lust am gemeinsamen Singen allerdings ungebrochen sind, das zeigte die Resonanz der Besucher. Mit immer größerer Begeisterung und Sicherheit sangen sie zusammen mit Martin Folz, der Gesang und Akkordeon beisteuerte, sowie den beiden Grundschullehrern Michael Fromm aus Landau und Marcus Nessler aus der Wormser Gegend, die beide durch ihre Ukulelen den folkloristischen Touch der Melodien nochmals betonten, viele alte deutsche Volkslieder. Musikalischer Ausgangspunkt des Liederabends ist das Kult-Songbuch „Die Mundorgel“. Eine Vorlage mit Noten und Liedertexten konnte man schon vier Wochen vorher in der Kreisverwaltung abholen oder im Internet aufrufen, auch am Abend wurden noch Exemplare an Interessenten verteilt. Am Anfang verlief die Mitsingaktion noch etwas zögernd, die Besucher wussten noch nicht so recht, wie das alles gehen soll. Doch das sollte sich sehr schnell ändern durch die lockere und kompetente Führung von Martin Folz, der den Abend auch moderierte. „So, erst meine Felsfraktion, dann die Mauergruppe, dann die anderen“, teilte er die Gruppen für den Kanon von „Der Himmel geht über allen auf“ ein. Nachdem die Organisation geklärt war, beteiligten sich alle mit wachsender Begeisterung, der Klang wurde immer voller und sicherer. „Eine Seite davor, das passt jetzt auch ganz gut – Lied Nummer acht“, forderte Martin Folz seine musikalischen Mitstreiter auf. Und zu Gitarrenakkorden klang das alte Vormärzlied „Die Gedanken sind frei“ sicher und melodisch über der Burg. „Das ist ein Lied, das jeder Saarländer schnell missversteht“, scherzte Martin Folz gut gelaunt. „Wenn wir da singen ,und nimmer mit Grillen mich plagen’ – dann denkt ein Saarländer nicht an lastende Gedanken, sondern der hat nur den Schwenker im Sinn“. Die Zuschauer lachten bei diesem Seitenhieb auf die benachbarten Saarländer, die Stimmung wurde immer gelöster. „Auf was habt ihr Lust? Was schnelles?“ kam die Frage. Ganz so schnell ging’s dann aber doch nicht weiter. „Kumba Ya“ war zwar ein melodischer Höhepunkt, aber flott zur Sache ging es eher mit Liedern wie „Wenn die bunten Fahnen wehen“ oder „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt“. Sprachbegabung erforderte das Lied „Hamborger Veermaster“. „Ich kann das Hamburgische auch net so gut“, machte Martin Folz den Gästen Mut. Und es klappte. Eine fast magische Stimmung verbreiteten das besinnliche Lied „Der Mond ist aufgegangen“ oder das malerische „Hava Nagila“, das mit seinem schönen, vollen Klang und den sicheren Rhythmen fesselte. „Singt, was ihr wollt, singt, wie ihr wollt, tut mir nur einen Gefallen: singt richtig“, meinte Martin Folz, als die begeisterten Sängerinnen und Sänger „Shalom havarim“ anstimmten. Und sogar nach dem offiziellen Ende des Konzertes sangen viele noch weiter: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ war ihre musikalische Hommage an Martin Folz. Andere Besucher standen noch in Gruppen beisammen und plauderten lebhaft. „Das hat mir sehr gut gefallen“, schwärmte Gudrun Köhl. „Wir sind durch die Zeitung und eine Bekannte auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Mein Mann Klaus hat früher auch im Gesangverein gesungen.“