Kusel Einstellen auf viele große Autos

Nehmen wir mal an, die US-Amerikaner kommen tatsächlich in die Kuseler Kaserne. Worauf muss sich Kusel dann vorbereiten? Welche Serviceleistungen sollten angeboten werden? Welche Infrastruktur ist nötig? Baumholder ist seit mehr als 60 Jahren US-Garnisonsstadt. Dort haben wir nachgefragt.
Seit 1951 ist Baumholder – mit rund 4100 Einwohnern nur geringfügig kleiner als Kusel mit seinen knapp 5000 – US-Garnison. Damals hatten die Amerikaner den Standort von den Franzosen übernommen, um ihn anschließend Stück für Stück zu einem ihrer größten in Europa auszubauen. Zeitweise waren mehr als 10.000 US-Soldaten hier stationiert; dazu nochmals fast dieselbe Anzahl an Zivilangehörigen. Heute sind es noch knapp 2000 US-Soldaten. Für das Städtchen sei es schon ein Einschnitt gewesen, als die Amerikaner gekommen seien und der Standort immer größer geworden sei, erzählt Peter Lang, Verbandsbürgermeister und über lange Jahre hinweg auch Stadtbürgermeister. Zeitweilig war Baumholder sogar regelrecht berüchtigt – als das intensive Nachtleben mit Bars und Prostitution seine Schattenseiten zeitigte. Inzwischen ist vieles ruhiger geworden, seit die kämpfenden (und dann nach Ablenkung suchenden) Verbände verschwunden sind und sich die Anzahl der hier stationierten US-Amerikaner doch deutlich reduziert hat. Doch noch heute ist der US-Einfluss erkennbar: Viele Geschäfte haben englische Werbung an Fassaden oder Schaufenstern, einige sind sogar ganz und gar auf US-Kundschaft eingestellt. Mit Dollar statt Euro zu bezahlen – vielfach kein Problem in Baumholder. Von den Bars samt Rotlichtviertel ist hingegen wenig geblieben. Doch was kann, was sollte Kusel tun, falls die Amerikaner tatsächlich in die Unteroffizier-Krüger-Kaserne einziehen (Lang: „Irgendwie glaube ich das noch nicht.“)? Das trifft zunächst einmal die Verwaltungen. „Jede muss sich selbst prüfen, ob sie darauf eingestellt ist, mit den amerikanischen Neubürgern umzugehen, ihre wichtigsten Bedürfnisse zu kennen“, rät Lang. „Vor allem braucht man Leute, die englisch sprechen; und Dolmetscher.“ Speziell im jeweiligen Bürgerbüro. Denn die Regel sei: Amerikaner können kein Deutsch. Internetseiten oder Flyer mit wichtigen Informationen zu Stadt und Region seien hilfreich. Doch was sind die wesentlichen Bedürfnisse von US-Soldaten? Lang sagt, man müsse hier unterscheiden – ob längerfristig stationierte Soldaten kommen oder solche, die nur kurzzeitig hier sind. Wer länger hier bleibe, der komme meist mit Familie, und der lebe dann auch oft außerhalb der Kaserne. Wer hingegen alleine komme, weil er bald wieder versetzt werde oder in einen Einsatz gehe, wohne oft in der Kaserne. Die Wünsche von US-Familien sind oft weitreichender. Sie suchen Wohnungen auf dem freien Markt – zumeist über die US-Housing, nicht im Immobilienteil der Zeitung –, sie suchen Freizeitmöglichkeiten, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. „Amerikaner sind sehr mobil. Sie fahren dorthin, wo sie gut einkaufen können.“ In erster Linie dorthin, wo es die gewohnte US-Ware gibt wie in den Militär-Shops in Landstuhl oder Ramstein. Doch wenn vor Ort das Angebot stimmt, decken sie sich auch hier ein. Zudem müsse sich eine Standortgemeinde darauf einstellen, dass im Schnitt viel größere Autos unterwegs seien als bei deutschen Autobesitzern. Und: „US-Amerikaner fahren vor allem im Winter ganz anders als Deutsche“, sagt Lang mit einem leichten Grinsen. Näher ausführen will er das nicht. Wichtig für Familien ist natürlich auch die Schulfrage. Kämen US-Soldaten nach Kusel, so wären die amerikanischen Schulen in Baumholder für sie die erste Anlaufadresse. Bis hinauf zur High School (die weiterführende Schule) ist dort alles vorhanden. Es gebe aber auch viele US-Bürger, die ihre Kinder gerne in deutsche Schulen schickten, sagt Lang. Für die Zweisprachigkeit. Denn bilingualer Unterricht an einer US-Schule ist heute nicht mehr möglich. Seit dem 11. September seien die Sicherheitsvorschriften stark verschärft worden – und damit der Zutritt deutscher Lehrer auf US-Gelände kaum mehr möglich. Diffiziler wird es bei den Kindergärten. Denn weil deutsche Kindergärten als qualitativ besser gälten und zudem billiger seien, würden viele ihren Nachwuchs gerne in eine deutsche Einrichtung schicken. Doch das geht grundsätzlich nicht, nur in Ausnahmefällen – beispielsweise dann, wenn einer der Elternteile deutsch sei. Lang erklärt auch, warum: „Wir hätten überhaupt keine Planungsmöglichkeit mehr für unsere Kindergärten. Deshalb handhaben wir das sehr restriktiv.“ Kommen in erster Linie Soldaten ohne Familie, haben sich viele dieser Themen automatisch erledigt. Sie wohnen meist in der Kaserne, suchen abends eher Zerstreuung in einer Bar. Zu Hoch-Zeiten, erzählt Lang, sei da allerhand los gewesen in Baumholder. „Das war fast wie eine Parallelwelt.“ Die US-Militärpolizei sei regelmäßig unterwegs gewesen in den entsprechenden Etablissements; häufig auch mit deutschen Beamten. Denn nicht immer blieb’s friedlich. Seit dem Anschlag vom 11. September, noch mehr aber nach dem Abzug der kämpfenden Brigade 2013 sei es hier ruhig geworden. Und wie schaut’s aus mit dem Thema Integration? Bei alleinstehenden Soldaten finde diese nicht statt, sagt Lang. Aber US-Familien, die in Privatwohnungen lebten, seien schon bereit, sich am Ortsgeschehen zu beteiligen. Oft spielten ihre Kinder beispielsweise in den lokalen Fußballvereinen mit. In einer kleinen Stadt sei das Zusammenleben zwischen Deutschen und Amerikanern ohnedies viel intensiver als beispielsweise in Kaiserslautern oder Wiesbaden. „In Baumholder sind die Amerikaner schon sehr lange Teil des Stadtbildes – und des Stadtlebens.“ (wop)