Kusel Eine abenteuerliche Geschichte
Im Gebiet des heutigen Kreises Kusel gab es im Mittelalter zwei Klöster: die Propstei auf dem Remigiusberg und in Offenbach. Von beiden sind nur noch Teile der ehemaligen Klosterkirchen erhalten, aber sie zählen trotz der Veränderungen zu den eindrucksvollsten historischen Gebäuden im Kreis.
Das ältere der beiden Klöster war die Propstei auf dem Remigiusberg, die zu Beginn des zwölften Jahrhunderts entstand. Vorausgegangen war eine Propstei in Kusel, die von der Benediktinerabtei Saint Rémi in Reims gegründet worden war. Sie sollte den Fernbesitz im „Remigiusland“ verwalten, den das Kloster durch Schenkungen erhalten hatte. Der Umzug von Kusel auf den benachbarten Berg ist eine abenteuerliche Geschichte. Eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs aus dem Jahr 1127 berichtet, auf dem Berg hätten „Eindringlinge“ eine befestigte Anlage gebaut, um von dort aus die Umgebung zu überfallen und zu plündern. Wahrscheinlich waren es Ritter, die sich auf diese Weise Einkünfte verschafften. Obwohl der Berg der Kuseler Propstei gehörte, kaufte ihn der Abt den Eindringlingen ab, zerstörte ihre Befestigung und errichtete dort das Kloster. Dadurch sei aus der Räuberhöhle eine Zuflucht für die Gläubigen geworden, schrieb der Erzbischof. Das Kloster ist eng mit der Geschichte der Michelsburg verbunden. Die Grafen von Veldenz als Klostervögte bauten während eines Erbschaftsstreites im Jahr 1259 eine hölzerne Befestigung, um ihren Besitz zu sichern. Sie erklärten zunächst, nach Beendigung des Streites die Burg wieder abzureißen. An dieses Versprechen hielten sie sich, aber nur, um 20 Jahre später eine Burg aus Stein zu errichten. Als das Kloster 1526 aufgehoben wurde, verkaufte die Abtei Saint Rémi den Landbesitz an die Wittelsbacher, die die ältere Linie der Veldenzer beerbt hatten. Das Kloster wurde herrschaftliches Hofgut, während die Kirche als Hof- und Schlosskirche und als Fürstengruft diente. Während der Französischen Revolution wurde die Anlage als Nationaleigentum verkauft, was einen Abriss oder den langsamen Verfall der Klostergebäude zur Folge hatte. Sie sind heute völlig verschwunden, auch das ehemalige Pfarrhaus, das noch vom Kloster stammte, war baufällig geworden und wurde im 19. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt. Bei der Kirche begann man ebenfalls mit dem Abriss, um Baumaterial zu gewinnen. Nur die Bitten der Kirchengemeinde, sie für den Gottesdienst zu erhalten, und die finanzielle Unterstützung durch den bayerischen König Ludwig I. retteten das Gebäude vor der völligen Zerstörung. Die Geschichte der Kirche lässt sich bereits von außen ablesen. Von der romanischen Pfeilerbasilika des zwölften Jahrhunderts stammen nur noch wenige Teile, das Querschiff, die beiden Seitenschiffe und der hintere Teil des Mittelschiffes sind verschwunden. Auch der gotische Chor mit seinen Strebepfeilern und den großen Fenstern ist nicht ursprünglich, sondern ersetzte im 14. Jahrhundert eine halbrunde Apsis. Der Turm mit dem Glockendach wurde im 16. Jahrhundert gebaut. Am Langhaus sieht man an den Mauerresten der Bögen, wo der Zugang zu den Querschiffen und Seitenschiffen war. Die Öffnungen wurden bei der Renovierung im 19. Jahrhundert zugemauert, ältere gotische Fenster wurden eingebaut. Auch die Westfront ist neu, doch wurden dort ebenfalls für Tür und Fenster ältere Bauteile verwendet. Die Kirche ist verschlossen, doch man bekommt den Schlüssel in der Gaststätte, die sich in dem ehemaligen Pfarrhaus befindet. Der Zugang zur Kirche erfolgt durch die Seitenkapelle, die früher auch als „Winterkirche“ diente. Sie hat noch ihr mittelalterliches Deckengewölbe bewahrt. In der Kapelle steht das älteste erhaltene Zeugnis, ein Grabstein für Friedrich von Veldenz, der 1327 starb und im Chor der Kirche beerdigt wurde. Das Bild des heiligen Remigius stammt von dem Pfälzer Maler Georg Philipp Schmitt (1808-73). Von der Seitenkapelle führt eine schmale Türe zur Kirche. Das Innere hat sich ebenfalls im Laufe der Jahrhunderte mehrfach gewandelt. Ursprünglich ist nur noch der Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe, das auf hohen Konsolen beginnt. Auf den beiden runden Schlusssteinen ist die segnende Hand Gottes und Remigius als Bischof mit Mitra und Krummstab zu sehen. Die Taube, die ein Ölgläschen im Schnabel hält, erinnert an eine Legende des Heiligen. Als bei einer Taufe das Salböl fehlte, sei es direkt vom Himmel gebracht worden. Im Chor befand sich die Gruft der Veldenzer, in der auch Anna Maria liegt, die Frau des Pfalzgrafen Georg Hans, eine Tochter des Schwedenkönigs Gustav Adolf. Aber den französischen Revolutionstruppen war eine Fürstengruft ein willkommenes Ziel der Zerstörung. Man warf die Toten aus ihren Zinnsärgen, diese wurden verkauft, die Knochen in der Gruft verstreut. Später wurde die Gruft bei einer Renovierung mit Bauschutt gefüllt, weil man sie für baufällig hielt. Von 1966 an hat man das Gewölbe freigelegt und gesichert. Dabei versuchte man auch die Knochen den früheren Toten zuzuordnen und sie wieder würdevoll zu bestatten. Ihre Namen stehen auf einer Tafel in der Kirche, die Gruft selbst ist nur bei Führungen zugänglich. Das Mittelschiff hatte man im 19. Jahrhundert im Stil der Zeit gotisch umgestaltet, was man aber 1966 wieder rückgängig machte, so dass es relativ einheitlich wirkt. Eine wichtige Veränderung wurde beibehalten. Der Lettner, auf dem die Liturgie gelesen und von dem gepredigt wurde, befand sich zwischen Chor und Mittelschiff, weil er den Bereich der Mönche von den Laien trennte. Da man ihn später als störend empfand, weil er eine Schranke im Längsschiff bildete, versetzte man ihn in den Eingangsbereich. Dort dient er heute als Orgelempore.