Kusel Ein Stück Stadtgeschichte in Gefahr
Die Vereinsturnhalle des TV Kusel in der Lehnstraße gehört seit Generationen zum Stadtbild. Im Mai 1907 eingeweiht, hat sie seither einiges mitgemacht. Im Ersten Weltkrieg wurde sie beispielsweise als Lazarett genutzt und 1918 wieder an den Verein übergeben. Viele Kuseler Bürger werden sich auch mit einer Mischung aus Freude und Wehmut an die vielen Tanzveranstaltungen erinnern. Nun muss sie umfangreich saniert werden – und das stellt den Turnverein vor große finanzielle Probleme.
Alles fing damit an, dass man von Seiten des Turnvereins die alte Dampfheizung erneuern und gegen ein Heizsystem mit sogenannten Deckenstrahlplatten austauschen wollte. Dafür beantragten die Verantwortlichen eine Förderung bei der Sportstättenförderung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Doch die ADD gewährt Zuschüsse nicht, ohne vorher die Gegebenheiten vor Ort zu überprüfen. Neben kleineren Beanstandungen wie einer fehlenden Behindertentoilette tauchten bei der Überprüfung noch weitaus schlimmere Defizite auf. Ein Statiker stellte unter anderem Mängel am Dach fest. Nun bleiben dem TV Kusel zwei Möglichkeiten: Entweder saniert er die Halle oder er schließt sie, bevor sie irgendwann von der Bauaufsicht dicht gemacht wird. Letzteres kommt allerdings für die Verantwortlichen beim Turnverein nicht in Frage. Also muss ein Sanierungskonzept her. Auf der langen Liste der durchzuführenden Arbeiten stehen unter anderem der Austausch der Heizung, das Erneuern der WC-Anlagen (inklusive einer Behinderten-Toilette), das Aussteifen des Gebäudes, um die Statik wiederherzustellen, die Erneuerung und Dämmung der Decken sowie diverse andere, kleinere Arbeiten. Derzeit rechnet der Turnverein mit Kosten von rund 610.000 Euro. Die ADD würde 40 Prozent der sogenannten förderungsfähigen Kosten übernehmen. Weitere 200.000 Euro würde die Kreissparkasse in Form eines auf 20 Jahre angelegten Darlehens bereitstellen. Bleiben aber immer noch rund 160.000 Euro, die der TV aufbringen muss. Das ist selbst für den nach eigenen Angaben größten Sportverein im Kreis mit über 560 Mitgliedern eine beinahe unlösbare Aufgabe. „Wir sind für jede Hilfe dankbar“, sagt zweiter Vorsitzender Oliver Reis. „Es wird ja nicht nur finanzielle Hilfe benötigt. Je mehr wir in Eigenleistung machen können, desto geringer werden die Kosten am Ende“, konstatiert Reis. „Da ist vieles denkbar, was uns helfen könnte. Angefangen von Gerätschaften, die beispielsweise vom Bauhof zur Verfügung gestellt werden könnten, über Container für den Bauschutt, bis hin zur freiwillig helfenden Hand.“ Schon der reine Betrieb der Halle sei für den Verein eine Herausforderung; besonders seit andere Institutionen wie das Westpfalz-Klinikum und die Realschule die Halle nicht mehr nutzen. Alleine durch diesen Wegfall fehlen dem TV Kusel 14.000 Euro jährlich. Ob es eine Förderung von Stadt oder Landkreis geben wird, ist bislang noch unklar. In einem Brief an Stadtbürgermeisterin Ulrike Nagel, Verbandsbürgermeister Stefan Spitzer und Landrat Winfried Hirschberger will der Vorstand in den kommenden Tagen auf das Problem aufmerksam machen, um dort Unterstützung zu bekommen. Um die Kosten für die Sanierung zu stemmen, soll die Halle nach Abschluss der Arbeiten in Zukunft besser vermarktet werden. Zum einen gibt es nach Angaben des TV Kusel bereits jetzt neue Interessenten, die in der Halle künftig Kurse anbieten wollen. Zum anderen sollen mehr Veranstaltungen in der Vereinsturnhalle stattfinden. Des weiteren müssen die Mitglieder des Vereins mit einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge rechnen. „Daran führt wohl leider kein Weg vorbei“, bedauert Reis diesen Schritt. „Wir hoffen, dass unsere Mitglieder dafür Verständnis aufbringen werden.“ Die Monatsbeiträge liegen bei elf Euro für Familien, 7,50 Euro für Erwachsene und fünf Euro für Kinder. „Dafür bekommen unsere Mitglieder ja auch einiges geboten“, sagt Reis und meint damit die vielen verschiedenen Abteilungen und Angebote des Vereins, angefangen beim Turnen über Basketball, Handball und Badminton bis hin zu Karate und Gymnastik für Ältere und Senioren. Jetzt stellt sich dem ein oder anderen vielleicht die Frage, warum man das alte Gemäuer sanieren sollte und nicht einfach auf eine andere Halle ausweicht. Dieser Gedanke kam natürlich auch den Verantwortlichen des TV Kusel schon, doch das gestaltet sich schwieriger als man meinen könnte. „Die Turnhalle auf dem Roßberg ist beispielsweise die ganze Woche über komplett belegt“, sagt Reis. Zudem sei die Halle in der Lehnstraße ein Teil der Kuseler Stadtgeschichte und sollte allein aus diesem Grund nicht einfach abgerissen werden. Die endgültige Entscheidung, ob saniert wird, fällt in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch, 19. November. Entscheiden sich die Mitglieder dafür, sollen die Arbeiten direkt nach der Rosenmontagsveranstaltung im kommenden Jahr beginnen. Wer dem Verein helfen möchte, kann sich an den Vorstand wenden; am besten per E-Mail an 1.Vorsitzender@tv-kusel.de, oder an 2.Vorsitzender@tv-kusel.de.