Kusel Ein „Gesamtpaket“ in Sachen Demenz

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Das Caritas-Seniorenhaus Schönenberg-Kübelberg, die Ökumenische Sozialstation Brücken sowie die Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg wollen am 30. April ihre Bewerbung für das Modellprojekt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ beim Familienministerium in Berlin einreichen (wir berichteten). Ziel des Projektes ist der Aufbau eines Netzwerkes und eine Kooperation von ambulanter und stationärer Pflege. Auch Angehörige sollen dabei mit einbezogen und über die Krankheit informiert werden.

Manuela Wemmert, die Pflegedienstleiterin der Sozialstation Brücken, erklärt: „Es ist uns einfach sehr wichtig, dass zum Thema Demenz mehr Infos in die Öffentlichkeit gelangen.“ Wichtig sei, dass bei dem Projekt ein „Gesamtpaket“ entsteht. Ältere Menschen in der Region wollten meist so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben. „Wir bieten eine ambulante oder eine Tagespflege an. Diese Angebote helfen auch, die Ängste der Patienten, später komplett in ein Seniorenhaus zu ziehen, abzubauen“, weiß Wemmert. Ziel sei es neben dem Wohlbefinden der Senioren, auch die Angehörigen zu entlasten. Interessierte können sich jeden Donnerstag über das Konzept der Tagespflege informieren und die Sozialstation kennenlernen. Dieser Rundgang komme bei den Leuten gut an: „Es kann einfach jeder vorbeikommen, ganz ohne Zwang“, berichtet Wemmert. An dem Modellprojekt beteiligt sich auch das Caritas-Seniorenhaus in Schönenberg-Kübelberg. Dessen Leiterin, Heike Lenhardt, berichtet, dass CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner versprochen hat, sich in Berlin für das neuartige Modellprojekt der lokalen Allianz einzusetzen. „Unser Ziel ist die Nachhaltigkeit. Langfristig soll ein Netzwerk aufgebaut werden, welches über das speziell auf die Kommunen angelegte Modell hinausgeht. Demenzkranke sollen aktiv eingebunden werden“, betont Lenhardt. Seniorenhaus und Sozialstation setzen sich für eine „psychosoziale Betreuung“ ein. Diese beinhalte vor allem Ursachenforschung zusammen mit Fachleuten. „Wir müssen innovativ sein und uns den Neuerungen anpassen. Jeder Mensch ist individuell“, sagt Lenhardt. Im Caritas Seniorenhaus lege man viel Wert auf gelebte Häuslichkeit. So könne beispielsweise der Bewohner zu Bett gehen, wann er möchte. Auch Haustiere seien willkommen – mittlerweile gehören zwei Hühner und ein Therapiehund zum Haus. Bevor der Betroffene in das Seniorenhaus einziehe, besuche sie die Menschen zu Hause, um sich ein Bild von der Situation zu machen. „Dort merkt man dann etwa an einem total überfüllten Kühlschrank oder einer vernachlässigten Körperhygiene, dass es eine beginnende Demenz sein könnte.“ Doch nicht jede Demenz ist gleich. Bei Demenzkranken seien häufig Motorik, Sprache und die Informations-Verarbeitung betroffen. Sie zeigten ihre Emotionen meist direkt und unverfälscht. Da sei es wichtig, keine Berührungsängste zu zeigen, rät Lenhardt: „Die meisten Erkrankten spüren die Unsicherheit der Anderen sofort.“ Veränderungen des Lebensbereiches, etwa ein Umzug, machten Demenzkranke sehr unsicher. Deswegen bedarf es bei dem Einzug ins Seniorenheim eines neuen Patienten erst mal einer gewissen Eingewöhnungszeit. Da der Großteil der Bewohner des Seniorenhauses dementiell erkrankt sei, verfüge man über spezielle Schwerpunktprogramme wie Aromatherapie oder Mediakkupress aus der chinesischen Medizin. „Viele Medikamente sind gar nicht notwendig. Nachdem wir die Dosis der Psychopharmaka reduziert haben, ist die Zahl der Stürze der Patienten rapide gesunken“, berichtet Lenhardt. „Demenzerkrankte lassen sich nicht ändern oder gar umerziehen. Wir sind diejenigen, die umdenken müssen“, sagt Wemmert. Wichtig sei daher, denjenigen zu akzeptieren, wie er ist: „So kann jeder Angehörige lernen, mit einer dementiellen Erkrankung umzugehen und die Zeit, die man miteinander hat, zu genießen. Die Lebensqualität ist nämlich immer noch vorhanden“, fügt Lenhardt lächelnd hinzu. (orr)

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