Kusel Eichenprozessionsspinner: Das Schlimmste ist fast vorbei
«Kusel.» Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sorgen schon seit einigen Wochen für Aufregung im Landkreis. Denn die Tierchen, deren Brennhaare für Mensch und Tier nicht nur unangenehm sind, sondern in Einzelfällen sogar schwere allergische Reaktionen hervorrufen können, sind in diesem Jahr in besonders großer Zahl vorhanden.
Im Kreis Kusel sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners an verschiedenen Stellen aufgetreten. Zuletzt musste der Parkplatz des Lauterecker Friedhofs wegen der tierischen Plage gesperrt werden. Die schiere Anzahl der Tiere lässt manche gar von einer Plage sprechen. „So schlimm ist es zwar dann doch nicht, aber wir hatten ein sehr gutes Frühjahr für die Raupen des Eichenprozessionsspinners“, sagt Gabi Kleinhempel, Leiterin des Kuseler Forstamtes. „Im Vorjahr war es im Frühjahr lange sehr kühl und feucht – Bedingungen, unter denen sich die Raupen nicht so gut entwickeln können. Dieses Jahr ist es aber nun schon seit April weitgehend trocken und warm, das sind natürlich die besten Voraussetzungen für die Entwicklung der Larven.“
Verbreitungsgebiet habe sich ausgeweitet
Die Raupen seien sehr wärmeliebend, weshalb sie auch eher selten im Wald selbst vorkommen. „Meist findet man sie am Waldrand oder an einzelnen Eichen – beispielsweise in Parks oder auf Friedhöfen“, erklärt Kleinhempel. Und auch hier sei der Klimawandel spürbar: „Früher gab es die Tiere nur in der Rheinebene. Mittlerweile vergrößert sich ihr Verbreitungsgebiet immer weiter Richtung Norden“, weiß die Forstamtsleiterin. Tagsüber ruhen die Tiere zumeist, als nachtaktive Tiere wandern sie erst nach Anbruch der Dunkelheit zum Fressen in die Baumkronen. „Anschließend wandern sie wieder zurück ins Nest, das sich meist am Stamm oder in einer Astgabelung befindet“, erklärt die Fachfrau. Wer einen Befall feststelle, der könne das zwar dem Forstamt melden, „erste Anlaufstelle ist aber eigentlich das jeweilige Ordnungsamt“, betont Kleinhempel. Entlang der Straßen sorgte der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Kaiserslautern laut Kleinhempel dafür, dass Nester entfernt wurden. „Das ist beim LBM eine Sache des Arbeitsschutzes. Dort, wo an oder neben den Straßen gearbeitet wird, haben Fachfirmen die Nester entfernt“, erklärt die Forstamtsleiterin.
Betroffene Stellen abgesperrt
Auch der Kreis musste sich an verschiedenen Rad- und Wanderwegen um die Bekämpfung der Raupen kümmern. „Dort haben wir aber maximal mäßigen Befall festgestellt“, sagt Winfried Müller, bei der Kreisverwaltung zuständig für Gebäude- und Grundstücksmanagement. Entsprechende Stellen seien abgesperrt und die Tiere dort entfernt worden, wo Wanderer oder Radfahrer mit ihnen in Berührung kommen könnten. „Man kann das natürlich nie ganz ausschließen, aber wer auf die Hinweisschilder achtet und sich umsichtig in der Natur bewegt, der kann solche Zwischenfälle vermeiden“, so Müller. Und wenn es doch mal zum Kontakt kommt? „Wer mit den Tierchen oder ihren Brennhaaren in Berührung kommt und entsprechende Symptome (zum Beispiel Juckreiz, Ausschlag oder Atemnot) entwickelt, sollte einen Arzt aufsuchen und ihn auch darauf hinweisen, dass man im Wald war und es sich um Folgen des Kontakts mit den Raupen handeln könnte“, erklärt Müller. Nach einem Kontakt sollte man außerdem die Kleidung so schnell als möglich ausziehen und waschen. Doch auch dann gibt es noch keine generelle Entwarnung. „Die Brennhaare können zum Teil auch nach dem Waschen noch in der Kleidung hängen und nach wie vor Reaktionen auslösen“, weiß Kleinhempel.
Keine generelle Entwarnung
Doch was kann man gegen die Tierchen tun? „Vorbeugend kann man leider überhaupt nichts machen, nur schnellstmöglich reagieren“, sagt die Försterin. Und tatsächlich spiele der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle: „Vor vier, fünf Wochen, als die ersten Fälle gemeldet wurden, konnte man die Raupen und deren Nester noch recht einfach absaugen – was ich auch für die beste Methode halte. Mittlerweile sind die Nester aber so fest und trocken, dass sie mechanisch entfernt werden müssen, was natürlich auch eine größere Gefahr für die Arbeiter mitbringt“, erklärt die Forstamtsleiterin. So oder so sollte sich niemand selbst daran wagen, die Tiere oder ihre Nester zu entfernen. Es gebe zwar auch Gifte, die gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners wirken, „aber ich bin generell kein Freund davon, Gift einzusetzen, weil man damit auch immer andere Tierarten gefährdet.“ Gabi Kleinhempel hat abschließend noch eine gute, aber leider auch eine schlechte Nachricht: „Die Raupen verpuppen sich jetzt, das Schlimmste ist also fast überstanden. Generelle Entwarnung ist das allerdings nicht – wenn die Nester nicht entfernt werden, bleiben Härchen der Tiere zurück und können selbst nach Jahren noch allergische Reaktionen hervorrufen.“ Aber immerhin gibt es tierische Vertreter, die sich über die große Population der Raupen freuen. Der Kuckuck frisst die Tierchen beispielsweise sehr gerne. Ihm machen die Brennhaare nichts aus, weil er seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Brennhaaren einfach herauswürgen kann.