Kusel Drei Tage Planung für neun Minuten und 45 Sekunden

Schönenberg-Kübelberg. „Soll ich ihnen mein Feuerzeug leihen?“ Das ist die häufigste Frage, die sich Helmut Hörig anhören muss. Hörig ist Pyrotechniker und seit drei Jahren für die Feuerwerke am Ohmbachseefest verantwortlich. Und mit einem Feuerzeug hat dies wahrlich nichts mehr zu tun. Die RHEINPFALZ hat ihm und seinem Team beim Aufbau des Feuerwerks „See in Flammen“ am Samstag über die Schulter geschaut.
Samstagnachmittag, 13.55 Uhr. Bei hochsommerlichen Temperaturen – das Thermometer zeigt immerhin 35 Grad – sind nur wenige Spaziergänger am Ohmbachsee unterwegs. Noch. Denn am Abend werden wieder zahlreiche Gäste kommen. Nahe dem Damm, direkt hinter der Bühne der Stadtwerke Homburg, allerdings wird fleißig gearbeitet. Helmut Hörig, Maria Greiner und Marco Maas bereiten auf einem rund 20 Quadratmeter großen Holzsteg das Samstagabend-Feuerwerk „See in Flammen vor“. „Das ist aber nur das kleine Feuerwerk“, sagt der Pyrotechniker, dessen Firma in Rodalben sitzt. Na ja, so klein sieht das alles gar nicht aus: Auf dem rund 20 Quadratmeter großen Holzsteg, der für das Feuerwerk um 22.45 Uhr auf den See gezogen wird, liegen zahlreiche Feuerwerksbatterien unterschiedlicher Größe und Form sowie mehrere Gestelle, auf denen sich senkrecht nach oben gerichtete Metallrohre befinden. „Das muss alles verkabelt und mit dem Funkempfänger verbunden werden“, erklärt Marco Faas, der bereits die erste Batterie angeschlossen hat. „Mit Feuerzeug hat das bei uns wenig zu tun“, ergänzt Hörig lachend und reicht seiner Mitarbeiterin Maria Greiner einen sogenannten Feuertopf, der optisch mehr an eine abgebundene Leberwurst erinnert. Greiner stopft den Feuerwerkskörper in das Metallrohr und schließt umgehend den Zünder an. Zirka drei Tage benötigte Hörig für die Planung dieses „kleinen Feuerwerks“, das letztlich neun Minuten und 43 Sekunden dauern wird. „Das ist auch die meiste Arbeit“, gesteht der Feuerwerker später. Das beginnt bei der Auswahl der Feuerwerkskörper und der Musik und reicht bis zum Ausfüllen des Beförderungspapiers. „Die Vorschriften sind europaweit gültig und wir sind die Einzigen, bei denen sie eingehalten werden“, sagt Hörig kritisch. Doch zurück zum See in Flammen: Auf einem Zündplan hat Hörig den genauen Ablauf notiert, der mit der Musik synchronisiert wird. „Heute Abend wird es noch etwas ruhiger. Die Leuchteffekte werden mit Musical-Hits untermalt“, verrät der Pyrotechniker. Genaue Planung ist ein Muss, immerhin geht es beim Feuerwerk am Abend um Zündabstände von 0,2 Sekunden. Ausgelöst wird das Feuerwerk per Knopfdruck an der Steuerungseinheit. Per Funksignal werden dann die Batterien und Kanonen in der programmierten Reihenfolge abgeschossen. Letztlich werden Blinkfächer, Farbsternkometen, Magnesiumsterne, Lichterbündel sowie die Wasserbatterie, die wie kleine auf dem See schwimmende Teelichter aussehen wird, zu einem Gesamtwerk aus Musik und Feuerwerk verschmelzen. „Damit das auch alle Besucher sehen und hören können, wird die Musik auf alle Lautsprecher an allen Bühnen übertragen“, erklärt Hörig, während Greiner und Maas fleißig weiter Strippen legen. „Man darf nicht hudeln und muss eins nach dem anderen machen“, betont Greiner und hält das Kabelbündel vor der Funkstation in die Höhe. „Das hier klemm bitte an die Zehn“, sagt Maas und deutet auf den zehnten Kontaktpunkt der Station. Eine Generalprobe gibt es nicht. „Das würde niemand bezahlen“, sagt Maas lachend. An der Funkstation könne man allerdings an brennenden Lämpchen erkennen, ob die Stromkreise geschlossen sind. Leuchten sie nicht, müssen Kabel ausgetauscht und erneut angeschlossen werden. „Das sieht gut aus“, gibt Hörig wenige Minuten später Entwarnung. Das Feuerwerk, bei dem immerhin 56 Kilogramm Explosionsstoff verarbeitet sind, ist bis auf die Feuerkaskade aufgebaut. Dafür hat das Pyro-2000-Team bereits Stahlseile über den Ohmbachsee gespannt, an die insgesamt 80 Hülsen gehängt werden. Noch knapp sieben Stunden, dann kann der Lichterregen über dem Ohmbachsee beginnen. Und auch bei den Pyrotechnikern steigt allmählich die Vorfreude.