Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Dittweiler/Herschweiler-Pettersheim: Wie Kitas emotionale Kompetenz fördern

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Angst, Mut, Freude, Wut, Trauer oder Glück. „Wie äußern sich diese Emotionen, wie reagiere ich auf andere, wenn sie diese zeigen?“ Für Vier- bis Fünfjährige keine leichten Fragen. Um Kindern dieser Altersgruppe Hilfestellung zu geben, beteiligen sich die Kindertagesstätten in Dittweiler und Herschweiler-Pettersheim am Programm „Kindergarten plus“ der „Deutschen Liga für das Kind“. Mit 1000 Euro sponsert der Lions-Club das Projekt.

„Die Sandwich-Kinder, also die Vier- und Fünfjährigen werden oft ein wenig vernachlässigt“, sagt Diana Weiß, Leiterin der Kita Blütenzauber in Dittweiler. Der Fokus liege meist auf den ganz Kleinen oder den Vorschulkindern. An diese mittlere Altersgruppe richtet sich nun das Programm „Kindergarten Plus“. Es will, wie Weiß sagt, den Jungen und Mädchen vor allem „emotionale Kompetenz vermitteln“.

Das Programm, das sich aus neun Modulen zusammensetzt, erstreckt sich über acht Wochen. Etwa anderthalb bis zwei Stunden lang werden zunächst Gefühle und ihre Wirkung auf kindgerechte Art thematisiert. In der Kita Regenbogen in Herschweiler-Pettersheim wird ein Modul auf zwei Tage mit je 45 Minuten verteilt.

Tula und Tim helfen

Beim ersten Mal, berichtet Weiß, lernten die Kinder die Handpuppen Tula und Tim kennen. „Die Kinder lieben diese Puppen“, betont Silvia Gensinger, die in der Kita Regenbogen die Stunden leitet. Das merke sie nicht zuletzt daran, dass sie nach Ende des Programms immer noch von diesen erzählen. Tim und Tula erarbeiten mit den Kindern, Körperteile und Sinne zu benennen und zu erfahren. Auch Gesprächs- und Verhaltensregeln werden vermittelt. „So können die Kinder ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln und sich auch als Gruppe finden“, betont Diana Weiß. Tim und Tula werden weiterhin eingebunden, spielen mitunter kleine Szenen vor.

Außerdem wird in der Gruppe gebastelt, gesungen oder gemalt und über Gefühle geredet. „Denn das können viele Kinder überhaupt nicht“, hat Weiß festgestellt. Was bedeutet es, Angst zu haben, wie ist sie in den Griff zu bekommen? „Aus einem Schuhkarton haben wir eine Angsthasenhöhle gebastelt, und aus Modelliermasse einen Angsthasen geformt, den wir in die Höhle gesetzt haben“, berichtet Gensinger. Die Kinder hätten dann überlegt, wie sie dem Angsthasen helfen könnten. „Sie haben die Höhle mit verschiedenen Materialien bestückt, mit einem Mutstein, Federn oder Stoffresten, Sachen, von denen sie glaubten, dass sie dem Angsthasen guttun und ihn mutiger machen.“ Ganz stolz seien sie am Ende gewesen. Und natürlich könnten sie selbst von diesen Erkenntnissen profitieren.

Ein Schiff mit Gefühlen bepackt

Ein anderes Mal stellten sie ein Gefühlsschiff her. Auf dieses konnten sie Freude, Traurigkeit, Fröhlichkeit, Wut oder Glück packen und es auf die Reise schicken. Mimik lässt sich beim Blick durch einen Holzrahmen studieren. Wut dagegen schreien sie in einen Wuteimer oder boxen sie in ein knallrotes Wutkissen. „Das hilft, um Aggressionen abzubauen“, sagt Weiß. „Und beim Schreien in den Eimer merken die Kinder oftmals erst, wie laut sie sind. Keine unwichtige Erfahrung.“

Mit den anderen gut umgehen, mit ihnen kommunizieren, ist zentral bei der Übung, in der alle Gruppenmitglieder auf einem Stück Zeitung Platz finden sollen. „Rücksichtnahme, jemanden festhalten oder ihm noch ein Eckchen überlassen, spielen eine zentrale Rolle“, berichtet Silvia Gensinger. Um das Gegenüber geht es bei „Du und Ich“. Mit einem Wollknäuel, den sie sich zuwerfen, stellt die Gruppe ein Spinnennetz her, erzählt die Erzieherin. Das „schöne Gemeinschaftswerk“ werde – wie alles, was die Kinder gemeinsam erarbeiten – aufgehängt oder ausgestellt. Ein Handabdruck, ein Bild, das das schönste Erlebnis darstellt, alles, was das Kind allein geschaffen hat, darf es mit nach Hause nehmen. Für die Eltern gibt es eine Dokumentation.

Mit einem Elternnachmittag, den die Kinder gemeinsam organisieren, endet das Programm. Diana Weiß wie Silvia Gensinger berichten von „völlig überraschten Eltern“. Dank „Kindergarten Plus“ hätten sich die Kinder positiv verändert. Die einen nähmen sich mehr zurück, andere entwickelten ein stärkeres Selbstbewusstsein, „was auch die Eltern feststellten“, betont Gensinger. Ein Vertiefungsmodul gibt es in der Vorschulzeit als Vorbereitung auf den neuen Lebensabschnitt.

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