Kusel
Die Wochenendkolumne „Nebenbei bemerkt...“ zu Frauen in der Politik, Europa und einer Podiumsdiskussion
Wichtige Antworten kontra Plattitüden
Ist es nicht schön, eine Wahl zu haben? Ob beim Fernsehprogramm, beim Essen und – natürlich – gerade bei einer politischen Wahl. In Kusel zum Beispiel haben die Wähler die Auswahl zwischen drei ganz unterschiedlichen Kandidaten ums Stadtbürgermeisteramt. Und dass die Bewerber sich tatsächlich unterscheiden, das wurde am Montagabend bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion in der Kreissparkasse klar.
Die Veranstaltung hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Bewerber um ein Amt kennenzulernen und nicht den austauschbaren Slogans auf Wahlplakaten und Flugblättern von Parteien zu vertrauen – oder am Wahlsonntag gar das Kreuzchen nach dem sympathischsten Lächeln zu setzen. „Industrie und Gewerbe fördern“ will schließlich jeder. Spannend ist da doch das „Wie“, und die Antwort darauf lassen die Parteien in ihren Broschüren und auf ihren Internetseiten meist vermissen.
In der Kommunalpolitik fehlen Frauen
Vermisst werden in einigen Orten auch Frauen auf den Wahlzetteln für die Ortsgemeinderatswahl, was im Jahr 2019 mindestens ungewöhnlich ist. Es müsste doch selbstverständlich sein, dass sich Frauen auf den Listen und auch auf den vorderen Plätzen wiederfinden. Jetzt kann man denen die Schuld geben, die in verantwortlicher Position an der Aufstellung der Listen und Wahlvorschläge mitgewirkt haben: Wieso haben die sich nicht mehr ins Zeug gelegt, um Frauen für eine (mögliche) Mitarbeit in einem politischen Gremium zu begeistern? Die Frage, wieso die Frauen nicht selbst aktiver sind und Listenplätze einfordern, muss allerdings ebenfalls gestellt werden. Egal wie: Auf Verbandsgemeinderats- oder Kreistagsebene würde sich niemand diese Blöße geben, ohne eine einzige Frau auf den vorderen fünf Listenplätzen anzutreten. Oh Moment, eine bislang nicht im Kreistag vertretene Partei tut genau das ...
Eine erfreuliche Entwicklung gibt’s aber dennoch: Insgesamt haben sich im Kreis Kusel im Vergleich zu 2014 mehr Frauen um einen Gemeinderatssitz beworben. Ihr Anteil ist von 23,9 auf 26,5 Prozent gestiegen – sagt das Statistische Landesamt in Bad Ems.
Diese Problematik lässt sich ähnlich auf die Bürgermeisterwahlen übertragen: Auch hier bewerben sich (kreisweit) nur wenige Frauen um ein Ortsbürgermeisteramt, noch immer recken – wenn überhaupt – überwiegend Männer nach diesen Positionen die Hand. Schade!
Ist die EU tatsächlich „Schamas“?!
„Schamas“ hat ein Schüler diese Woche bei der Umfrage des Kreisjugendrings an einer Schule im Landkreis auf die Frage „Was heißt Europa für Dich?“ geantwortet. Nun, man muss nicht alles gut finden, was in Brüssel und Straßburg entschieden wird. Etwas kritisch zu hinterfragen schadet nie. Aber dass Europa unnütz ist? Minderwertig? Gerümpel? Das ist heftig! Natürlich darf man die einzelne Antwort eines Schülers nicht überbewerten. Sie zeigt aber, dass Europa für manchen keine Rolle spielt, er sich zumindest nicht dafür interessiert.
Vielleicht wird das eine Erkenntnis aus der Befragung. Politik und Schulen sollten jedenfalls die Ergebnisse im Auge behalten, und daran arbeiten, Europa für Schüler erlebbarer zu machen.