Kusel Die schleichende Gefahr

Placeholder-Image

Kusel. Er kommt schleichend, wird anfangs oft nicht bemerkt, hat aber große Auswirkungen: Bluthochdruck. Unbehandelt kann er zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nieren- und Gefäßschäden führen. Tipps, damit es nicht so weit kommt, gibt Volker Bertolino, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Westpfalz-Klinikum, in der RHEINPFALZ-Sprechstunde am Mittwoch, 6. August.

Fatal ist, dass die ersten Anzeichen der Erkrankung sehr gering sind: pulsierendes Rauschen im Ohr, Kopfschmerzen oder auch Nasenbluten lassen viele erst mal nicht an Bluthochdruck denken. Bertolino weiß: Es vergeht Zeit, bis die arterielle Hypertonie – so der Fachausdruck – erkannt wird. Doch bis dahin sind oft die Gefäße durch den hohen Druck schon angegriffen. Häufig führt nur eine Zufallsmessung dazu, dass sich Patienten untersuchen lassen. Erster Ansprechpartner ist meist der Allgemeinmediziner. Der Chefarzt rät: „Wer öfter einen Blutdruck über 145:95 hat, sollte dies abklären lassen.“ Zum Beispiel mit einer 24-Stunden-Messung, denn der Blutdruck schwankt im Laufe des Tages stark. Nötig ist eventuell auch eine Reihe von weiteren Untersuchungen, denn es gibt sekundäre Formen, andere Erkrankungen, die den Blutdruck in die Höhe treiben. Das können Tumore sein oder auch Probleme mit den Nieren, denn diese sind eines der Hauptorgane für die Blutdruckregulation. Nicht einfach ist die Behandlung des Bluthochdrucks mit Medikamenten. Denn eine Tablette reicht nicht, wie Volker Bertolino erläutert, der auch Hypertensiologe, also Fachmann für Bluthochdruck ist. Notwendig sind meist zwei oder sogar drei Tabletten, sogenannte Kombipartner, die den Effekt verdoppeln und die Nebenwirkungen reduzieren. Und er warnt: Wenn der Blutdruck gesenkt wird, müssen sich die Patienten erst einmal daran gewöhnen. Das kann drei oder vier Monate dauern. Und deswegen setzen viele die Tabletten wieder ab, weil es ihnen vorher vermeintlich besserging, sie sich an den hohen Blutdruck bereits gewöhnt hatten. Es gibt übrigens keine allgemeine Ursache für hohen Blutdruck, oft gebe es eine familiäre Vorbelastung, weiß Bertolino. Doch auch in diesem Fall könne man vorbeugend tätig werden. Zum Beispiel mit vernünftiger, möglichst mediterraner Kost – das heißt viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch, dafür öfter mal Fisch – und Gewichtsreduktion sowie täglich etwas Bewegung. Der Chefarzt räumt mit einem Vorurteil auf: Nicht jeder Bluthochdruck hänge von zu hohem Salzkonsum ab. Doch der tägliche Bedarf liege bei neun Gramm, der Durchschnittsbürger nehme zwölf bis 14 Gramm Salz zu sich, manche bis zu 18 Gramm, was zu höherem Blutdruck führen könne. Und ungesunde Lebensweise führe zu vielen Erkrankungen: „Fast alle, die Alters-Diabetes haben, haben auch Bluthochdruck“, weiß Bertolino. Das Klinikum hat übrigens mit Hypertonie-Patienten nur dann zu tun, wenn es zu einer Hochdruckkrise mit permanenten Werten über 200:100 oder 120 kommt. Doch häufig mit den Spätschäden der Krankheit wie Hirnbluten oder Herzproblemen. (ba)

x