Kusel Die Chemie hat sofort gestimmt

Placeholder-Image

Die Probe war schon mal „sehr gut“, verrät Johannes Friedemann. Für einen Tag war der Pianist aus der Schweiz nach Kusel gekommen, um Beethovens 5. Klavierkonzert einzuspielen. Am kommenden Samstag, 19. November, erwartet die Konzertbesucher um 20 Uhr in der Fritz-Wunderlich-Halle ein Leckerbissen, wenn Musikverein Kusel und Orchesterverein Idar-Oberstein mit ihm als Solisten zum Herbstkonzert des Westpfälzischen Symphonieorchesters einladen.

Dass es den in Berlin geborenen, im Münsterland aufgewachsenen und in Zürich lebenden Konzertpianisten auch einmal in die Westpfalz verschlägt, ist gar nicht so ungewöhnlich. „Ich habe Verwandte bei Idar-Oberstein“, berichtet Friedemann. Diese hätten schon immer mal gefragt, wann er denn in die Pfalz komme. Und dass er Beethoven nach Kusel mitbringt, hat auch einen Grund: „Beethoven ist die Musik, die ich auf Anhieb verstehe, ohne mich darum bemühen zu müssen“, sagt der 36-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Im Unterschied zu Musik, mit der man sich lange auseinandersetzen müsse um sie zu verstehen – darunter viele moderne Kompositionen –, habe er zu Beethoven immer einen sehr guten Zugang gefunden. Dennoch berge Beethovens „Emperor Concerto“ Herausforderungen und sei technisch recht anspruchsvoll, weiß Friedemann. Ob dies womöglich an der Tonart Es-Dur liege? „Nein, die liegt gut in der Hand. Aber für das Konzert ist sehr viel seelische Kraft notwendig. Ich habe jetzt aber auch wieder bei den Proben gemerkt, dass es sehr viel Kraft gibt.“ Trotz langer Reise, die ihn direkt auf die Bühne führte, sei es ihm hinterher richtig gut gegangen. Das lag womöglich auch daran, dass die Chemie mit dem Orchester gestimmt habe. Und Dirigent Thomas Germain charakterisiert Friedemann als „sehr angenehmen Typ“, der klar dirigiere. Dass es auf Anhieb funktioniert habe, sei nicht selbstverständlich, weiß der freischaffende Musiker, der 2008 sein Studium an der Zürcher Hochschule der Künste mit Auszeichnung abschloss. Das fünfte Klavierkonzert habe er schon mehrmals aufgeführt, unter anderem auch zum 50. Geburtstag der Berliner Philharmonie. Auch auf Tschaikowskys Schwanensee, das zweite Stück an diesem Abend, freue er sich. In Zürich zu Hause, gibt der 36-Jährige Klavierabende, macht Kammermusiken und spielt Konzerte mit Orchester. Er mag auch Franz Liszt, räumt aber ein, dass der aktuelle Musikgeschmack oft mit der persönlichen Situation zu tun habe. „Als ich 16 war, war Rachmaninow mein Lieblingskomponist“, verrät Friedemann, der mit fünf erstmals Klavierunterricht erhielt. Spannend findet er zudem Nikolai Kapustin, der etwa Konzertetüden mit Jazzelementen verbindet. Eines von Friedemanns nächsten Projekten ist die Aufführung von Mozarts Klavierkonzert C-Dur, Köchelverzeichnis 467, am 11. Dezember bei Zürich. |suca

x