Kusel Bussi, Ingo und Co. machen mobil

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Stuttgart

scheint zurzeit geradezu in Feinstaub zu ersticken, der Ruf wird allerdings auch andernorts immer vernehmlicher: Raus mit den viersitzigen Dreckschleudern aus den Innenstädten. Nun lässt sich in der Saarpfalz noch tief durchatmen, ist die Belastung der Luft in der Biosphäre Bliesgau noch nicht in bedenklichen Sphären angelangt. Ob sich allerdings auch in der ländlich geprägten Region ohne merkliche Einschränkungen auf das Auto verzichten ließe, ist doch eher fraglich. Der öffentliche Personennahverkehr war zu Jahresbeginn in die Kritik geraten. Eine Ausschreibung der Buslinien – gemäß EU-Richtlinie nötig – hatte neue Betreiber mit sich gebracht. Aus dem Wettbewerb gepurzelt war auf einigen Buslinien die Saar-Pfalz-Bus GmbH, ein Tochterunternehmen der Bahn-Tochtergesellschaft DB Regio; zum Zug kam ein Konsortium saarländischer Busunternehmer. Jetzt mischt die neue Gesellschaft „Saar-Mobil“ mit. Folge: Vier Betreiber lassen nun ihre jeweiligen Busse durch den Kreis rollen. Startschwierigkeiten – Folge des harten Wettbewerbs, der sich über den Preis entscheidet – überraschten da nicht. „Es hat sich aber inzwischen beruhigt. Klar, es gibt immer noch mal Verspätungen oder Ausfälle. Kinderkrankheiten eben“, sagt Achim Jesel, ÖPNV-Fachmann beim Landratsamt. Für Mobilität sorgen im Saarland die Kreise als „Aufgabenträger“. Wie sie das Angebot gestalten, entscheiden sie selbst. So gibt es Minimal-Versionen, aber auch gut ausgestaltete Pakete, wie im Saarpfalz-Kreis. Rund 1,5 Millionen Euro fließen dafür. „Wir betrachten das als ein Stück Daseinsvorsorge“, sagt Achim Jesel. Jene Daseinsvorsorge erachten aber auch die Städte für wichtig, die ein Zusatzangebot unterbreiten. „Ingo“ etwa rollt jetzt unter „Saar-Mobil“-Regie. Geändert hat sich dadurch wenig. Zum Guten hin sogar, dass brandneue rote Busse durch St. Ingbert fahren. Wäre es nach dem Geschmack von Oberbürgermeister Hans Wagner gegangen, zuckelten sie sogar schadstofffrei durch City und Stadtteile. Wagner ist glühender Verfechter der Elektromobilität und forciert dies auch: „Ein Viertel der im Saarland rollenden Elektroautos trägt IGB auf dem Nummernschild“. Wagner hätte es gern gesehen, wären die neuen Busse als E-Mobile geliefert worden. Doch auch so sei St. Ingbert in Sachen ÖPNV prima aufgestellt: Tagsüber müsse an keiner Haltestelle in Stadt wie Stadtteilen der Fahrgast länger als eine halbe Stunde auf „Ingo“ warten. Angebunden sind alle Stadtteile. Und in der Nacht wie am Wochenende gibt es die Möglichkeit, über „Anruf-Sammel-Taxis“ mit nur geringem Aufpreis auf das Busticket heim zu kommen. Die Sammeltaxis sind ein zusätzlicher Service, den der Saarpfalz-Kreis den Bürgern bietet – und ihn subventioniert. Der Kreis ist gemäß des saarländischen „Gesetzes über den Öffentlichen Personennahverkehr“ Aufgabenträger für den ÖPNV auf der Straße – also den Nahverkehr mit Bussen und Taxen. Private Taxibetriebe übernehmen auf Bestellung die Beförderung, wenn die Linien nicht des Nachts veröden. Das Angebot gibt’s natürlich nicht umsonst. Kostendeckend sind die Linien nicht zu betreiben. Die Stadt St. Ingbert lässt sich „Ingo“ über 400.000 Euro im Jahr kosten. Wobei sie in der Reihe der Saar-Städte mit „nur“ gut „4,5 Millionen miese“, wie Wagner sagt, vergleichsweise strahlend da steht. Schiefer hängt der Etat in der Kreisstadt. Trotzdem leistet sich Homburg seine „Bussis“, die ebenfalls mit über 400.000 Euro zu Buche schlagen. Das Stadtbus-Angebot laufe sehr gut, man denke auch nicht daran, dies zu ändern, war auf Anfrage im Rathaus zu erfahren. In Blieskastel verkehrt – im 20. Jahr bereits, fast doppelt so lange wie der vor elf Jahren auf die Strecke geschickte „Ingo“ – ein Bus mit Namen „Dolmusch“. Mit 50.000 Euro, die die Stadt aufwendet, ist „Dolmusch“ ein vergleichsweise günstiger „Luxus“. Er fährt nicht alle Stadtteile an, nach Webenheim und Bierbach steigen Fahrgäste auf die „normalen“ Linien des vom Kreis finanzierten Busverkehrs um. Trotzdem sei der Stadtbus unabdingbar, meint Katja Ruoff, für Tourismus und ÖPNV verantwortliche Mitarbeiterin der Verwaltung. Die beiden Linien steuern die Lebenshilfe-Werkstätten in Webenheim wie die Bliestal-Kliniken an: Und der „Dolmusch“ klappert Wohngebiete ab, fährt eine Schleife zu den großen Lebensmittelmärkten. Gerade für ältere Leute sei dies ein wichtiges Stück Lebensqualität.

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