Kusel
Burg Lichtenberg wird beim Mittelaltermarkt regelrecht belagert
Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen lockten am Wochenende ungezählte Besucher von nah und fern zum Mittelaltermarkt auf Burg Lichtenberg. Auch viele Familien waren gekommen, zum Teil mit Buggy und Hund.
Die Kostüme der Gewandeten brachten Farbe und mittelalterliches Flair in den stetig strömenden Fluss der Besucher. Mönche und Nonnen konnte man hier ebenso treffen wie martialische Wikingerkrieger. Dazwischen tummelten sich viele Kinder mit ihren Eltern, die sich vom Mittelalterfieber anstecken ließen. Ein kleiner Junge in kurzer Hose und hellgrünem T-Shirt musste sein neues Holzschwert spontan auf einer Wiese ausprobieren und köpfte unermüdlich Blumen.
Auf dem weiträumigen Burggelände fand man bereits am frühen Samstagnachmittag kaum noch einen freien Platz, selbst die Stände zogen sich bis auf den Parkplatz vor der Burg. Bogenschießen, ein Kräuterstand und eine Merino-Spinnerey luden bereits dort zum Stöbern oder Ausprobieren ein.
Gaukler und Feuerschlucker beeindrucken
In der Nähe des Eingangs hatte es sich Becky Cole aus Kalifornien mit ihrem Hund Froster auf den Steinen am Wegrand gemütlich gemacht und eine Pause bei dem schwülwarmen Wetter eingelegt. Die US-Amerikanerin, die seit fünf Jahren in Ramstein-Miesenbach lebt, genoss den Trubel sichtlich. „Ich mag diese Burg einfach und wollte das Mittelalterfestival hier erleben“, erzählte sie gut gelaunt. „Ich bin mit Freunden hier, wir haben gut zu Mittag gegessen und uns dann die unterschiedlichen Attraktionen angeschaut.“ Am meisten haben sie die Gaukler und Feuerschlucker beeindruckt.
Auf der Unterburg konnten sich Interessierte am Stand von Bogenbauer Michael Dietz in der Kunst des Bogenschießens unterweisen lassen. „Das sieht gut aus! Spannung, weiter spannen“, ermunterte Luycan der Gaukler alias Dirk Tomytsch ein Mädchen, das versuchte, mit einem Langbogen zu schießen. „Na, hast du mein Abendessen geschossen?“, lobte er sie nach einem Treffer in den inneren Ring der Zielscheibe. Mit dem nächsten Mädchen musste er sich in Englisch unterhalten. Mit ihr übte er erst einmal, wie sie den Bogen halten und die Sehne spannen musste. „Vor allem erkläre ich den Schützen, wie sie stehen sollen, also die Körperhaltung, wenn man den Pfeil abschießt. Hier geht’s weniger ums Zielen als um intuitives Schießen.“
Kleine Tricks, große Wirkung
Auch kleine Kinder dürfen hier ihre Künste ausprobieren. „Für die Kids habe ich eine eigene Technik“, führte Luycan aus, „wenn sie den Bogen in die Hand nehmen, lege ich meine Hand darüber, auch an der Sehne. Da greifen die Kinder meinen Daumen. Ich ziele und schieße quasi mit ihnen zusammen, aber sie haben doch ihr Erfolgserlebnis.“
Dabei handelt es sich um die in Zentraleuropa gebräuchlichen Langbögen, wie Meister Michael Dietz erläuterte. „Im Unterschied zu den Reiterbögen in den trockenen osteuropäischen und asiatischen Steppen sind diese Langbögen nicht geleimt, sondern aus einem Stück geschnitzt. So brechen sie bei feuchtem Wetter nicht auseinander.“ Auch seine Pfeile hat er alle selbst gebaut. „Ich nehme meist Tannen- oder Fichtenholz und befestige Naturfedern, in der Regel vom Truthahn oder vom Pfau, mit Faden daran. Die Federn sind das Leitwerk des Pfeils, damit kann er sich in der Luft stabilisieren und trudelt nicht beim Flug.“ Auch Wikingerhelme, Trinkhörner und Schwerter konnte man bei ihm kaufen, sogar Samuraischwerter für Kinder.
Kühle Getränke und heiße Fackeln
Wer bei diesen sportlichen Aktivitäten ins Schwitzen gekommen war, konnte sich gleich nebenan mit einem kühlen Met oder Kirschbier stärken – wenn er alt genug war. Ansonsten musste er mit unvergorenem Obstsaft vorliebnehmen.
Neben einem Schmuckstand zog ein manuell betriebenes historisches Kinderkarussell mit geschnitzten Holzpferden, einem Schwein und Sitzbänken die Aufmerksamkeit auf sich. Für den guten Ton sorgte unter anderem das Trio Cum Laute, das das Tier von der Muppetshow als Schlagzeuger verpflichtet hat, wie einer der Akteure mit einem Augenzwinkern erzählte und dabei auf das rote Stoffmaskottchen verwies. Troubadour- und Renaissancelieder, aber auch französische und schottische Balladen steuerten die Musiker zum Mittelalterflair bei.
Höllisch heiß wurde den Zuschauern aber unabhängig vom Wetter, als sie Marbun den Gaukler beim Jonglieren mit drei brennenden Fackeln und beim Feuerschlucken beobachteten. Das machte Lust auf den abendlichen Fackelumzug mit Musik und den Feuertanz.