Kusel
Bahn will sich auch im Lautertal besser gegen Hitzeschäden an Gleisen wappnen
Schon wieder fahren im Lautertal keine Züge wegen der Hitze. Doch die Deutsche Bahn AG versichert, dass sie sich auch im Lautertal „verstärkt gegen Hitzeperioden wappnen“ will. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr drängt ebenfalls auf eine nachhaltige Lösung des Problems.
Die Hitzewelle Ende Juni hatte die Züge auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Lauterecken-Grumbach tagelang lahm gelegt, am Donnerstagabend wurde die Strecke erneut gesperrt – voraussichtlich bis Montag. Wie schon im Rekordsommer 2018 geht nichts mehr, weil die hohen Temperaturen die Gleise leicht verformt haben. Das Lautertal ist laut Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZSPNV) Rheinland-Pfalz Süd prädestiniert dafür, denn auf der Strecke gibt es viele Kurven, die in der prallen Sonne liegen und so der Krafteinwirkung der Hitze besonders stark ausgesetzt sind.
„Die Gleise werden bis zu 50 Grad heiß und können sich dabei minimal, das heißt um ein paar Millimeter, verziehen“, erläutert ZSPNV-Verbandsdirektor Michael Heilmann auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Der Lokführer hört beim Drüberfahren am Geräusch, wenn etwas mit den Schienen nicht stimmt. In so einem Fall gibt er Meldung. Und dann müssen die Schäden aus Sicherheitsgründen behoben werden, denn die Spurweite ist exakt definiert und so ein Gleis biegt sich nicht wieder zurück.“ Das Gleis werde dann gerichtet, es gebe Entlastungsschnitte und Schweißarbeiten. Eventuelle Lücken im Gleisbett würden zudem mit Schotter „nachgestopft“, erklärt er.
Zuerst sah es so aus, als hätten die Ende Juni/Anfang Juli durchgeführten Reparaturen bewirkt, dass es nun bei der erneuten Hitzewelle keine Beeinträchtigungen im Zugverkehr gebe, doch dann musste die Strecke wieder gesperrt werden. Sicher ist für Heilmann auf jeden Fall: „Wir brauchen eine Lösung, die auch in Zukunft trägt, denn extreme Temperaturen sind ja bei uns kein Einzelfall mehr.“
Im Süden nach Ideen suchen
Aufgrund der Häufung von Störfällen auf der Lautertalstrecke will der Zweckverband im August das Gespräch mit der Bahn AG suchen. „Schließlich gibt es Länder, in denen es schon immer im Sommer extrem heiß war, etwa Griechenland, Spanien oder Italien. Und dort fahren ja auch Züge“, will Heilmann anregen, die dortigen Lösungen für das Hitzeproblem zu erkunden. „Vielleicht gibt es ja Ideen, die wir auf unsere Situation hier übertragen können.“
Dass es angesichts häufigerer Extremwetterlagen nicht so weiter gehen kann, hat auch die Bahn AG erkannt und ein ganzes Bündel an Maßnahmen geschnürt, mit denen das Unternehmen seinen Zugverkehr „gegen die Hitze wappnen will“, wie es auf der Internetseite der DB heißt. Ein Gutachten bescheinigt der Bahn nach eigener Aussage, von den Auswirkungen des Klimawandels so stark betroffen zu sein wie wohl kein anderes großes Unternehmen in Deutschland. Deshalb wappne sich die DB „bereits seit Monaten organisatorisch, technisch und personell für mögliche neue Hitzeperioden“. Infrastruktur und Fahrzeuge stünden dabei ebenso im Fokus wie das Anlegen von Wasservorräten an großen Bahnhöfen, um die Reisenden im Bedarfsfall versorgen zu können.
Zudem habe die Bahn ein neues Expertenteam zusammengestellt, das die Folgen von Naturgewalten auswerten und geeignete Gegenmaßnahmen entwickeln soll. Dieses bestehe aus einer promovierten Geografin, zwei diplomierten Forstwirten und einem Wasserwirtschaftsingenieur. Aufgabe dieser „Spezialtruppe und der beteiligten Fachbereiche und Gewerke“ sei es, „Schienennetz, Bahnhöfe und Technik für die klimatischen Veränderungen fit zu machen“. Dafür würden bisherige Störfälle „akribisch“ analysiert und auf Basis der Ergebnisse konkrete Gegen- und Präventivmaßnahmen entwickelt. Außerdem vernetze sich die DB mit anderen Bahnen und Spezialisten, nehme an einer Vielzahl von Expertennetzwerken teil und organisiere selbst „einen regen Austausch zwischen europäischen Eisenbahnen und Infrastrukturbetreibern“.
Gleise werden verschweißt
Und was will die DB konkret machen, um die Lautertalbahn „fit für die klimatischen Veränderungen zu machen“? „Während der Sommerperiode wird die Häufigkeit von Gleis- und Weicheninspektionen im Rahmen spezifischer Programme erhöht“, antwortet die Pressestelle. Alle Maßnahmen – von Sonderinspektionen bis hin zu Bodengutachten zwecks Überprüfung der Gleisstabilität – seien darauf ausgerichtet, die Strecke – das heißt Ober- und Unterbau – „präventiv robust“ zu machen und so Störungen zu vermeiden. Damit die Gleise Temperaturen zwischen minus 20 und plus 60 Grad standhalten könnten, würden sie „im Rahmen von Instandhaltungsmaßnahmen oder auch Gleiserneuerungen“ bei einer Temperatur von 23 Grad verschweißt. „So können Schwankungen nach oben und unten vom Gleisoberbau gut aufgenommen werden. Ein regelkonformes Gleis kann dadurch Temperaturen bis zu 60 Grad aufnehmen und entsprechende Spannungen kompensieren.“
Auf die Frage, ob in den besonders anfälligen freiliegenden Kurven etwa durch Vegetation für mehr Schatten gesorgt werden soll, blieb die DB-Pressestelle die Antwort schuldig.