Kusel Ansprüche und schwarze Zahlen

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Der Alarm der Forstmitarbeiter hat Erfolg gehabt. Vor drei Jahren drohte auch im Kuseler Amt Personalknappheit. Zwar hat die Mehrheit der dortigen Bediensteten ihre meisten Arbeitsjahre schon hinter sich. Sorgen macht das Forstamtsleiter Klaus Grigull aber nicht. „Wir sehen jetzt Boden unter den Füßen“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ.


Rückblick: Spätestens vor etwa drei Jahren war klar geworden, dass der dem Landwirtschaftsministerium unterstellten Forstverwaltung mit ihren 45 Forstämtern bald drastische Altersabgänge drohen. Im Forstamt Kusel etwa wird nach Angaben von Grigull ein Revierförster im April die Ruhestandsgrenze erreichen, ein weiterer ist bereits 65 und hat einen Antrag auf Verlängerung gestellt. Und auch Grigull (62) selbst steht nur drei Jahre vor der Pension. „Unser Forstamt ist überaltert“, sagt er. Außer einem „Ausreißer“ hätten die meisten die 50 überschritten. „Viele sind zwischen 55 und Anfang 60“ verdeutlicht er. Grund zur Sorge gebe es allerdings nicht. „Die Anstrengungen der letzten Jahre haben Früchte getragen“, sagt Grigull und zeigt ein Schreiben des Ministeriums vom Oktober, das festschreibt, dass bis 2022 pro Jahr 35,5 Stellen landesweit neu besetzt werden sollen. Gleichzeitig stehe das Forstamt vor einer Umstrukturierung der Reviere, informiert Grigull über eine ihm erst vor wenigen Tagen bekanntgewordene Neuerung. Demnach sollen die Reviere vergrößert werden und weniger Revierleiter als Beamte tätig sein. Dafür solle es künftig mehr Forstwirtschaftsmeister im Revierdienst geben. „Wir stehen ganz am Anfang der Überlegungen“, betont Grigull und fügt hinzu: „Die Anzahl der Köpfe bleibt gleich.“ Grigull sieht das Forstamt Kusel gut aufgestellt. Denn zu tun ist genug in den rund 18.000 Hektar Wald im Landkreis. Knapp die Hälfte der Waldfläche befindet sich in Besitz der Kommunen. Betreut wird der Gemeindewald durch die sechs Forstreviere Altenglan, Glan-Münchweiler, Lichtenberg, Lauterecken, Südkreis und Wolfstein. Rund 20 Prozent oder 3700 Hektar des Waldbestandes sind Staatswald. Dafür sind die beiden Forstreviere Glan und Lauter zuständig. Die restlichen 30 Prozent des Waldes sind in privatem Besitz. Laut Grigull gibt es etwa 18.000 Waldeigentümer im Landkreis, denen – zum Teil in kleinsten Parzellen – 5000 Hektar Wald gehören. Für die Betreuung und Beratung der Privatbesitzer steht das Privatwaldbetreuungsrevier Westrich zur Verfügung. Neben diesen neun Revierleitern und dem Forstdirektor selbst beschäftigt Landesforsten in Kusel einen Büroleiter, einen Leiter für die technische Produktion, einen Leiter für Umweltbildung, Walderlebnis und Öffentlichkeitsarbeit sowie einen weiteren Förster, der sich vor allem um Liegenschaften, Umweltvorsorge und öffentliche Planung, Jagdmanagement sowie den Abschiedswald kümmert. Zudem gibt es drei Gebietsförster. Zwei werden überörtlich eingesetzt, der dritte übernimmt Vertretungen und ist unter anderem für Gutachten und Kartenwesen zuständig. Ferner gibt es noch sechs Angestellte in Verwaltung und Sekretariat, die unter anderem mit Haushalt, Verkauf, Grundstücks- und Liegenschaftsverwaltung, Jagdverwaltung sowie Brennholz- und Wildbretverkauf betraut sind. Auszubildende werden beim Forstamt Kusel seit dem vergangenen Sommer schon nicht mehr angenommen, berichtet Grigull. Dafür solle die Ausbildung in Birkenfeld und Kaiserslautern konzentriert werden. Die Arbeiten im Wald werden von ausgebildeten Forstwirten erledigt: Im Staatswald sind dies fünf Forstwirte und ein Forstwirtschaftsmeister. Mitunter kämen diese Forstwirte auch im Gemeindewald zum Einsatz, berichtet Grigull. In den beiden Revieren Lichtenberg und Glan-Münchweiler sind jeweils zwei Angestellte der Verbandsgemeinden als Waldarbeiter tätig. Sie kümmern sich um Brennholz, Pflege und Pflanzung und die Ernte von Stammholz. In den übrigen Revieren würden die notwendigen Arbeiten an Forst-Unternehmer vergeben, schildert er. Generell würden immer mehr Fremdfirmen angefragt. Und die bringen bei etwa der Hälfte des gesamten Holzeinschlags Vollernter mit. „Derzeit stehen wir unter Druck“, berichtet Grigull. Für die Holzernte seien die Böden zu nass, Frost fehle, und Holz könne nur schwer im Wald gerückt werden. Gut entwickelt hat sich nach Angaben des Forstamtsleiters die Brennholznachfrage. Das war nicht immer so, erinnert Grigull an Zeiten, als geschlagene Bäume noch im Wald verrotteten. Derzeit würden 20.000 Kubikmeter pro Jahr und damit zwei Drittel des verkauften Holzes im Ofen landen. „Damit können wir die Waldpflege mitfinanzieren“, freut er sich. Weil es viel jungen Wald gibt, müsse dessen Entwicklung gesteuert werden, indem etwa geeignete Stämme besonders geschützt werden. Etwa ein Drittel der Holzernte werde gewerblich genutzt. Problematisch bewertet Grigull die immer höher werdenden Standards. „Die Leute haben mehr Ansprüche“, weiß er. Viele achteten stärker auf ökologische Aspekte, Eigentümer wollten schwarze Zahlen. Grigull: „Dem Druck stellen wir uns. Und es ist unsere Aufgabe, den Markt mit Holz zu versorgen.“ Auch berichtet er von Beschwerden, nachdem Hund und Herrchen nach einem Forstarbeitereinsatz ausnahmsweise mal mit ein paar mehr Erdkrümeln am Schuh nach Hause kamen. Doch was den einen stört, ist für den anderen durchaus wertvoll, bemerkt Grigull: „Störungen im System bieten neuen Lebensraum“, meint er im Blick auf möglicherweise entstandene Furchen nach einem Rücke-Einsatz. So sei in Birkenfeld in solch einer Furche die Gelbbauchunke heimisch geworden. (suca)

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