Kusel Über Weihnachten in der Antarktis
KUSEL. Sie mag die deutsche Eiche und ist eine echte Land-Frau: Gabi Kleinhempel, die neue Leiterin des Kuseler Forstamtes. Und wie schon ihr Vorgänger Klaus Grigull seinen Job mit Hundebegleitung ausfüllte, so kommt auch die 53-Jährige nicht allein: Maja und Distel, die beiden freundlichen Jagdteckel, haben im Büro in der Fritz-Wunderlich-Straße schon ihre Ecke mit Kuschelkorb bezogen.
Von ihrem Schreibtisch aus – natürlich aus uriger Eiche – hat die neue Chefin die neun Reviere des Forstamtes im Blick. Vom südwestlichen bis zum nordöstlichen Zipfel sind das rund 85 Kilometer, wie sie berichtet. Rund 18.000 Hektar groß ist die Waldfläche, von der sich die neue Leiterin in den ersten Wochen nach ihrem Amtsantritt auch draußen ein Bild macht. Knapp die Hälfte des Forsts ist in Besitz der Kommunen. Die Vielfalt an Baumarten und zahlreiche waldbauliche Möglichkeiten im Landkreis Kusel reizen sie an ihrer neuen Aufgabe. „Ich schätze auch die offene Landschaft“, sagt Kleinhempel. Ein ähnliches Landschaftsbild wie am Donnersberg, wo sie aufgewachsen ist. Also auch ein bisschen Heimat. Kleinhempel stammt aus dem Winnweilerer Ortsteil Langmeil. Dass sie einmal „irgendetwas mit Natur“ machen wollte, war der auf dem Land großgewordenen Rothaarigen schon klar. „Eigentlich war es aber Zufall“, blickt sie zurück. Ein Artikel in der Sonntagszeitung der RHEINPFALZ über die erste Försterin in Rheinland-Pfalz lenkte das Interesse der damals kurz vor dem Abitur stehenden jungen Frau auf den „grünen“ Beruf. Ihr Forstwirtschaftsstudium absolvierte sie an der Fachhochschule in Rottenburg. In eine traditionelle Männerdomäne einzudringen, damit hatte sie nie Probleme, obwohl unter 135 Auszubildenden nur zehn Frauen waren, wie die Försterin berichtet. Auf dem Land aufgewachsen, ist Kleinhempel nicht zimperlich. Sie weiß, was Forstwirte schaffen, verbrachte sie doch während ihrer Ausbildung ein ganzes Jahr draußen im Wald. Während der Ausbildung lernte sie ihren Ehemann kennen, das Paar lebt in einem selbst gebauten Blockhaus mit Garten in Mehlingen, die beiden Töchter im Alter von 19 und 25 Jahren studieren. Und obwohl sie mit einem Förster verheiratet ist – bei Gabi Kleinhempel gibt es noch reichlich Platz für ein Leben ohne Bäume. „Wir haben eine Abmachung, dass wir abends nur 20, 30 Minuten über den Beruf reden“, verrät sie. Reisen gehört zu ihren Hobbys, und zwar bevorzugt in Regionen ohne viel Wald. So war sie über Weihnachten bei den Pinguinen in der Antarktis. Apropos Tiere: Kleinhempel ist stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Jagdgebrauchshundewesen im Verein für Jagdteckel. Auf Landesebene Rheinland-Pfalz/Saar ist sie in dem Verein Obfrau für das Jagdgebrauchshundewesen, Zuchtwartin, Gebrauchs- und Zuchtrichterin sowie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Pfalz. Die Teckelzucht betreibt sie aktuell nicht mehr, allerdings geht sie mit den Hunden auf die Jagd. Bevor sie nach Kusel kam, war Kleinhempel 25 Jahre Büroleiterin in den Forstämtern von Speyer, Otterberg und Bad Dürkheim. Im Amt an der Weinstraße wurde sie später Leiterin der technischen Produktion, war dort unter anderem zuständig für Ausschreibungen, Holzernte und Wegebau. In den vergangenen zwei Jahren absolvierte sie Fortbildungen, um für den höheren Dienst zugelassen zu werden. Unter anderem war sie bei der Oberen Forstbehörde in Neustadt tätig. Zuletzt erwarb sie sich Leitungserfahrung als Vertretung im Forstamt Dahn. In Kusel ist sie nun für etwa 30 Mitarbeiter zuständig. Das Amt sei gut aufgestellt: „Hier herrschen guter Teamgeist und eine tolle Unternehmenskultur“, lobt sie. Wenn auch bei klassischer Arbeitsteilung: Frauen im Büro, Männer draußen. Dies sei für die Arbeit aber zweitrangig, findet die 53-Jährige, die sich als Team-Spielerin sieht. Der Kontakt zu den Mitarbeitern ist ihr wichtig. Gemeinsam möchte sie mit ihnen den Wald gestalten. „Ich habe aber auch kein Problem, Entscheidungen zu treffen“, stellt sie klar. Sie arbeite gerne und viel mit EDV, schildert sie. Eine erste Änderung war die Anlage eines elektronischen Terminkalenders. Weiterreichende Überlegungen betreffen mögliche neue Strukturen der Forstreviere. „Damit möchte ich aber warten, bis die Verbandsgemeinden fusioniert haben“, kündigt die Chefin an. Nicht so lange warten möchte sie indes mit der „Aufforstung“ ihres neuen Büros. „Hier fehlt noch etwas Grünes“, sagt die neue Forstamtsleiterin und zeigt auf eine leere Wand. Info Gabi Kleinhempel wird am 10. März, 15 Uhr, in Kusel ihr Amt eingeführt. Gleichzeitig findet die Verabschiedung von Klaus Grigull statt.