Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zivilbeschäftigte bei US-Militär: Zwei Euro mehr pro Stunde

Machen sich stark für eine bessere Bezahlung: der Mehlinger Jürgen Kneip (links), Mitglied in der Bundestarifkommission, und Wic
Machen sich stark für eine bessere Bezahlung: der Mehlinger Jürgen Kneip (links), Mitglied in der Bundestarifkommission, und Wicko Forler, stellvertretender Vorsitzender der Betriebsvertretung der US-Garrison Rheinland-Pfalz mit Sitz in Kaiserslautern.

Auch in der Pfalz bündeln Verdi und Zivilbeschäftigte ihre Kräfte und streiken. Gefordert wird ein höherer Stundenlohn. Doch die Tarifverhandlungen stocken.

Rund um die Sporthalle in Mehlingen (Kreis Kaiserslautern) ist an diesem Mittwoch außergewöhnlich viel los. Der Parkplatz ist gut belegt, vor der Tür stehen Menschen im Gespräch. Ein Banner der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi weist darauf hin, dass es um Arbeitnehmerinteressen gehen muss. Wer Gesprächsfetzen auffängt, dem wird schnell klar: Alle, die hier zusammenkommen, arbeiten als deutsche Zivilbeschäftigte bei den Stationierungsstreitkräften, vor allem beim US-Militär.

Vom 16. bis 19. Februar aber wird wenig gearbeitet. Gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer und auch andere streiken – wie so oft in den vergangenen Jahren für mehr Geld. Gerade erst ist der Shutdown in den USA überwunden, der dafür gesorgt hatte, dass Ende 2025 keine Gehälter mehr ausgezahlt wurden und die Bundesregierung mit rund 46 Millionen Euro einspringen musste – auch auf Betreiben der rheinland-pfälzischen Landesregierung. In jenen Tagen waren es vor allem die deutschen Zivilbeschäftigten, die den Betrieb am Laufen hielten, sei es auf der Air Base Ramstein, in den Kasernen in Kaiserslautern, im Germersheimer Army-Depot, in Baumholder oder in der Grünstadter Zentralbäckerei des Army & Air Force Exchange Service.

Neue Verhandlungen

Anlass für die aktuelle bundesweite Streikaktion sind die Tarifverhandlungen 2026. Anfang Februar waren erste Gespräche in Berlin ohne ein Angebot von Arbeitgeberseite beendet worden, die nächste Runde ist am 4. und 5. März. Dann sitzen sie sich wieder gegenüber: Einerseits für die Arbeitnehmer Verdi als Hauptgewerkschaft, andererseits für die Arbeitgeber die Stationierungsstreitkräfte selbst, wobei die USA federführend sind. Eingebunden ist das Bundesfinanzministerium, da die zivilen Arbeitsverhältnisse auf völkerrechtlichen Vereinbarungen, Beispiel Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut, fußen. Am Ende stehen Tarifverträge, die sich von jenen im öffentlichen Dienst zwar unterscheiden, aber bei den Entgelten oft ähnlich sind.

Einen Warnstreik gab es auch bereits am 10. Februar in der Landeshauptstadt Mainz.
Einen Warnstreik gab es auch bereits am 10. Februar in der Landeshauptstadt Mainz.

In Mehlingen kommen die Streikenden zusammen, weil Jürgen Kneip in dem Ort wohnt und die Sporthalle organisiert hat. Der 59-Jährige arbeitet bei der US-Feuerwehr in Kaiserslautern, ist aber als Mitglied der Betriebsvertretung des US-Army Installation Management Commands in Wiesbaden freigestellt. Kneip gehört der Berliner Tarifkommission an und hat dort schon so einiges erlebt. An diesem Mittwoch meldet sich sein Mobiltelefon fast ohne Unterbrechung, aus ganz Deutschland laufen Fotos von Streikaktionen ein. „Wenn wir nichts tun, erreichen wir auch nichts“, ist er überzeugt und hofft darauf, dass die Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam wird. „Denn wer gute Arbeit leistet, muss auch gut davon leben können.“

Beispiel Feuerwehr

Konkret geht es den Zivilbeschäftigten um zwei Euro mehr die Stunde, quer durch alle Gehaltsgruppen. 2025 war das für die Feuerwehrleute gefordert worden, wobei die Rechnung so lautete: Bei 256 Wochenstunden ergibt das unterm Strich 512 Euro mehr. Stattdessen war am Ende eine generelle Lohnerhöhung um 1,7 Prozent herausgekommen, von der höhere Gehaltsgruppen stärker profitieren. Doch gerade für die vielen Zivilbeschäftigten, die laut Verdi um den derzeitigen Mindestlohn von 13,90 Euro die Stunde herumknapsen oder sogar darunter liegen, soll nun ein deutlicher Anstieg erreicht werden, indem der Stundenlohn für alle erhöht wird.

Mittwochmorgen in Baumholder: Auch in der direkten Nachbarschaft von Kusel versammeln sich die Streikenden.
Mittwochmorgen in Baumholder: Auch in der direkten Nachbarschaft von Kusel versammeln sich die Streikenden.

In der Tarifkommission sitzt auch der Hauptstuhler Thomas Wisniewski, beschäftigt beim 21. Theater Support Command in Kaiserslautern und Mitglied der deutschlandweiten Hauptbetriebsvertretung. „Wir müssen attraktiv bleiben, um im Wettbewerb mit privaten Vertragspartnern des US-Militärs bestehen zu können“, nennt er einen weiteren Grund für mehr Geld. Ansonsten nehme die Anzahl der Zivilbeschäftigten immer weiter ab. Was ihn bei der ersten Verhandlungsrunde geärgert hat: Dass die US-Seite sich darauf zurückgezogen habe, nichts sagen zu können, bevor das Budget feststehe, den Stillstand sozusagen einbetoniert habe.

Spürbare Auswirkungen

Spürbare Auswirkungen durch den Warnstreik erwartet sich Verdi vor allem im Hotel- und Küchenbetrieb, im Kühlhaus und in den Feuerwachen der Stationierungsstreitkräfte. Aber auch die Produktion in der Grünstadter Großbäckerei oder der Flugbetrieb in Ramstein und das Germersheimer Depot würden deutlich unterbesetzt sein. Aus Grünstadt meldet Gewerkschafterin Karoline Krieg in die Sporthalle Mehlingen, dass rund 50 Mitarbeitende zu einer Kundgebung vor dem Gebäude zusammengekommen seien.

Mittwochmorgen in Grünstadt: Streikaktion der Zivilbeschäftigten der US-Großbäckerei.
Mittwochmorgen in Grünstadt: Streikaktion der Zivilbeschäftigten der US-Großbäckerei.

Aus dem Army-Depot Germersheim nach Mehlingen gekommen ist an diesem Mittwoch auch ein 58-jähriger Angehöriger der US-Feuerwehr. Er sei seit 1995 beim US-Militär beschäftigt und wechselweise in Germersheim und Mannheim eingesetzt worden, erzählt er. Aus gesundheitlichen Gründen können er aber nicht mehr als Feuerwehrmann arbeiten und sei deshalb in die Poststelle versetzt worden. Obwohl er Gehaltsschutz genieße, also kein Geld verliere, sei er damit unzufrieden: „Ich fühle mich unterfordert, will etwas tun für mein Geld.“

Immer unattraktiver

Über Jahrzehnte hinweg sei das US-Militär ein guter Arbeitgeber gewesen, das habe sich aber geändert. Als er vor 31 Jahren angefangen habe, habe er 1000 Mark mehr im Geldbeutel gehabt als ein Kollege auf deutscher Seite, heute sei es genau umgekehrt. Daher sei es nicht verwunderlich, dass viele Stellen bei der US-Feuerwehr unbesetzt seien und der Altersdurchschnitt steige. Ein Problem, das sich noch verschärfen werden, so die Prognose des Südpfälzers.

Über 6500 Beschäftigte

Laut Verdi arbeiten derzeit bundesweit rund 12.500 ortsansässige Zivilbeschäftigte bei den Stationierungsstreitkräften der US-Amerikaner, Briten, Franzosen und Kanadier sowie bei der Nato, rund 11.200 davon bei den US-Streitkräften. Davon wiederum seien etwas über 6500 auf rheinland-pfälzischen Liegenschaften beschäftigt, unter anderem in Baumholder, Miesau, Ramstein, Landstuhl, Kaiserslautern, Sembach, Grünstadt und Germersheim.

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