Meinung
Wochenendkolumne: Müllstatistik für die Tonne
Sind die Leute aus dem Landkreis Kaiserslautern die größten Dreckspatzen im ganzen Land? Die Schmuddelkinder aus der Westpfalz, die Berge von Müll anhäufen statt diesen durch bewusstes, ökologisch korrektes Einkaufen möglichst zu vermeiden? Diesen wenig schmeichelhaften Eindruck erweckt eine Meldung der Deutschen Nachrichtenagentur dpa, die kürzlich bundesweit vom „Stern“ bis zur „Zeit“ durch den medialen Blätterwald geisterte und – leider – auch im überregionalen Teil der RHEINPFALZ erschien.
Basierend auf den Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder vermeldete dpa, dass der Landkreis Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz absolute Spitze ist: ausgerechnet im Produzieren von Hausmüll! Rund 66.000 Tonnen Haushaltsabfälle landeten demnach hier bei uns 2023 in der Tonne. Das entspreche 620 Kilogramm pro Kopf. Auf Platz zwei dieser wenig ruhmreichen Rekordliste steht laut dpa übrigens der Landkreis Kusel mit rund 601 Kilogramm pro Kopf. Auch nicht viel besser! Überaus löblich sei dagegen die Landeshauptstadt am anderen Ende der Skala: Die großstädtisch-kultivierten Menschen dort produzierten laut der dpa-Meldung 2023 die geringste Menge an Hausmüll in Rheinland-Pfalz – nur läppische 375 Kilogramm pro Nase. Damit liegt Mainz nicht nur deutlich unter dem Landesschnitt von 483 Kilo Haushaltsmüll pro Einwohner, sondern sogar unter dem Bundesdurchschnitt von rund 433 Kilogramm pro Kopf.
Und wir hier im Landkreis Kaiserslautern stopfen unglaubliche 620 Kilo Abfall in unsere Tonnen! Man kann sich vorstellen, was man andernorts über uns denkt!
Die Amis und Corona
Aber Moment, stimmen diese Berechnungen des statistischen Bundesamts überhaupt? Gab es da nicht während der Corona-Pandemie schon mal – Stichwort Inzidenz – verfälschte Zahlen? Auch damals schon zum Nachteil des Landkreises Kaiserslautern. Weil sich damals wie heute niemand die Mühe machte, unsere regionale Besonderheit bei der Statistik zu berücksichtigten: die geschätzt 26.000 Angehörigen der US-Streitkräfte, die zwar nicht meldepflichtig sind, aber unübersehbar bei uns in der Region leben.
Wir erinnern uns: In jenen düsteren Zeiten der Pandemie, als die Bundesnotbremse das öffentliche Leben lahm legte, war die Inzidenz, also die Zahl der Infizierten je 100.000 Einwohner, das Maß aller Dinge. Damals gab es über Monate heftigen Streit um die falsch berechneten Inzidenzzahlen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern. Dieser landete sogar vorm Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, weil einige Kreisbürger sich dagegen zur Wehr setzten. Der Hintergrund war, dass das damals bei der Inzidenzberechnung alles entscheidende Robert-Koch-Institut (RKI) die Anzahl der hier lebenden US-Soldaten zwar bei den Infizierten hinzurechnete – nicht jedoch bei der Einwohnerzahl. Diese Methode führte freilich zu höheren Inzidenzwerten, mit der Folge, dass zum Beispiel Restaurants und Geschäfte erst später wieder aufmachen durften als dies pandemietechnisch eigentlich nötig gewesen wäre.
So viel Müll war es tatsächlich
Und ganz genauso ist es jetzt auch wieder beim Müll: Natürlich wandert auch der Abfall aus vielen tausend amerikanischen Haushalten in die Mülltonnen des Landkreises und steigert so das Abfallvolumen. Doch bei den Einwohnerzahlen werden die Amis von den Statistikern nicht mit einberechnet. So kommt man dann im Bundesamt zu einer Abfallmenge von rund 620 Kilo pro Kopf und Jahr im Landkreis Kaiserslautern. Tatsächlich „betrug das reale Pro-Kopf-Aufkommen bei Abfällen aus privaten Haushalten im Landkreis Kaiserslautern 2023 nur 487,9 Kilo“, stellt die Kreisverwaltung klar und erläutert: „Die Berechnung basiert auf dem Gesamtvolumen aller Abfälle aus privaten Haushalten von 65.902 Tonnen, geteilt durch die Gesamt-Einwohnerzahl von 135.067, eben einschließlich der geschätzt 26.000 im Landkreis wohnenden, nicht meldepflichtigen Angehörigen der Stationierungsstreitkräfte.“ Um zu belegen, dass hier kein Schmu gemacht wird, verweist die Kreisverwaltung auf die Webseite des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz (MKUEM). Dort seien die korrekten Zahlen ebenfalls nachlesbar.
Immer wieder derselbe ärgerliche Fehler! Doch obwohl gerade Landrat Ralf Leßmeister, der stets auf ein gutes Image des Kreises bedacht ist, seit Jahren gebetsmühlenartig darauf hinweist, dass die hohe Anzahl der Stationierungsstreitkräfte in statistischen Darstellungen des Lauterer Umlands adäquat berücksichtigt werden müsse, wird dies vom Bundesamt für Statistik versäumt. Und es ist keineswegs sicher, dass das im nächsten Jahr nicht wieder geschieht. Gut möglich, dass man die starke US-Präsenz bei uns bis dahin schon wieder vergessen hat. Dann sind wir vielleicht erneut bei der Bilanz des Müllaufkommens die Dreckspatzen der Nation.