Eingekreist RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Leider bahnlos

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Züge fahren auf der Lautertalstrecke derzeit eher selten und die Umwelt ist einigen Mitbürgern erschreckend egal. Dafür geht Steinwenden neue Wege beim Neubaugebiet und in Otterbach kämpft ein Quartett um die Gunst der Wähler.

Liebe Leserin, lieber Leser, vielen Dank, dass Sie sich für die Lektüre dieser Kolumne entschieden haben. Lesen ist wichtig, es kann zu einem besseren Weltverständnis führen, wir wollen das gerne fördern. Leider muss diese Box heute dennoch leer bleiben – wir haben nicht genügend Personal, das sie füllen könnte. Steigende Kosten und hoher Krankenstand, Sie wissen schon. Und das Ersatzpersonal kann leider nicht schreiben, zumindest nicht in einer gängigen Sprache.

Oh, tut mir leid, da bin ich jetzt in der Zeile verrutscht, das waren die falschen Satzbausteine. Heute bin ich ja als Kommunikationszentrale für die Deutsche Bahn gebucht. Die richtige Ansage lautet also: Liebe Fahrgäste, schön, dass Sie sich für eine Fahrt mit der Bahn entschieden haben. Indem Sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen, insbesondere solche auf der Schiene, tragen Sie dazu bei, den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten. Das unterstützen wir entschieden. Trotzdem halten hier, im Lautertal, heute und wohl auch morgen und übermorgen und überhaupt bis mindestens Ende des Jahres leider keine Züge – es fehlt an Lokführern und Stellwerksmitarbeitern. Steigende Kosten und hoher Krankenstand, Sie wissen schon (das immerhin passt ja heutzutage überall). Das Ersatzpersonal kann nur Bus fahren, wenn überhaupt. Nur das mit dem Halten an den richtigen Stellen, das üben wir noch. Leider haben wir noch nicht herausgefunden, welche Sprache die Ersatzbuslenker verstehen. Aber wir arbeiten daran – wenn denn mal wieder jemand da ist, der arbeiten kann. Bis dahin gilt: Sänk ju for trewelling wiss Deutsche Bahn – oder zumindest für den Versuch dazu. Der kostet Sie übrigens demnächst nur noch 49 Euro im Monat, das ist doch wirklich nicht zuviel fürs Umsonstwarten und Am-Ende-doch-mit-dem-Taxi-fahren.

Unglaublich verantwortungslos

So, und wo es jetzt gerade so gut läuft, ich schon einmal sozusagen in Fahrt bin und diesen Artikel doch mit Wörtern fülle, schreibe ich einfach noch ein bisschen weiter. Zum Beispiel darüber, dass es mich jedes Mal aufs Neue fassungslos macht, wenn Menschen ihre Lebensgrundlage, nämlich die sie umgebende Umwelt, mutwillig schädigen oder gar zerstören. Was geht in jemandem vor, der Heizöl einfach in einem nahegelegenen Bach verklappt oder kurzerhand überschüssige Wandfarbe in einem Regenwassereinlauf entsorgt? Was hindert diese Menschen daran, ihre Kanister und Eimer ins Auto zu packen und sie legal und sogar kostenlos beim Umweltmobil oder der Zentralen Abfallwirtschaft abzugeben? Es wird den Bürgern hierzulande ja wirklich einfach gemacht, ihren Müll korrekt zu entsorgen. Mir fehlt daher jedes Verständnis für solche Taten, die leider viel zu häufig vorkommen.

Noch viel zu selten hingegen machen sich Kommunen ernsthaft Gedanken darüber, wie sie deutlich umweltfreundlicher werden können – obwohl sich das jetzt gerade vielleicht endlich ändert. In Steinwenden soll zum Beispiel das geplante Neubaugebiet etwa mit Erdwärme versorgt werden. Auf Erdöl oder -gas aus Ländern, die Völker- und Menschenrechte mit Füßen treten, werden die Bewohner dort nur noch zu einem sehr geringen Anteil angewiesen sein – wenn überhaupt. Im Verbund mit Wind- und Sonnenenergie und Speicherlösungen könnten so überall in Deutschland dezentrale, von fossilen Energieträgern unabhängige Versorgungsinseln entstehen. Noch besser, als dafür neue Fläche zu versiegeln, wäre es, wenn eine solche Transformation nach und nach auch im Bestand angegangen würde. Ich würde mir viel mehr solcher Ideen wünschen, die dann auch mutig in die Tat umgesetzt werden.

Wunderbar vielfältig

Wer in Otterbach demnächst seine Vorstellungen umsetzen können wird, hängt von den Wahlberechtigten der Gemeinde ab, die am 20. November einen neuen Ortsbürgermeister wählen dürfen. Vier Kandidaten treten an: eine Frau und drei Männer, von jünger bis älter, zwei parteilich gebunden, zwei politisch unabhängig. Die Bürger können sich also wirklich entscheiden, welches Konzept ihnen am besten gefällt. Ich hoffe, viele machen von ihrem Recht dazu Gebrauch und geben ihre Stimme ab.

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