Bruchmühlbach-Miesau Wikingerfest in Elschbach: Aalwerfen, Metkrugstemmen und Möwenschiss

Hoch her ging es beim Wikingerfest am Samstag bei den Sippenwettkämpfen, zu denen auch das Stemmen von Metkrügen gehörte.
Hoch her ging es beim Wikingerfest am Samstag bei den Sippenwettkämpfen, zu denen auch das Stemmen von Metkrügen gehörte.

Wikingerromantik trifft auf Pfälzer Humor: Ein Wochenende lang wird Elschbach zur Bühne für nordische Wettkämpfe und ungewöhnliche Drinks. Wo die Ursprünge des Fests liegen.

Die Teams tragen nordisch angehauchte Namen wie „Lyndgaards Erben“, „Thors Söhne“ oder „Willige Walküren“ und heißen eigentlich Sippen, auch wenn die wenigsten untereinander verwandt sind. Dazwischen mischen sich Gruppen mit so skurrilen Bezeichnungen wie „Die durstigen Doppelkinn-Druiden, die eigentlich Druidinnen sind“ und der „Haase und seine Kööder“. Die von einem Häuptling angeführten Fünfer-Teams treten in irrwitzigsten Wettbewerben gegeneinander an, etwa im Metkrugstemmen und Aalwerfen.

In einem kleinen Wäldchen zwischen Elschbach und dem Campingplatz Hasenhübel tummelten sich am Wochenende wieder Gestalten, die der Fernsehserie Vikings entsprungen sein könnten und eher im Skandinavien des achten und neunten Jahrhunderts zu verorten waren, als in die Westpfalz anno 2025 – wenngleich Volker Müller ausdrücklich betont, dass „wir keinen Anspruch auf eine historisch exakte Darstellung legen, sondern es hier um Spaß und Gaudi und um einige Tage ,mal anders leben’“ gehe.

Müller muss es wissen, ist er doch in Sachen „Elschbacher Wikingerfest“ so etwas wie der legendäre Floki in der kanadisch-irischen Wikinger-Serie und seit den Anfängen des Nordmänner- und -Frauen-Spektakels im nördlichen Ortsteil von Bruchmühlbach-Miesau immer mit dabei. Bis vor wenigen Jahren hat er samstags die ebenso lustigen wie lauten Wettkämpfe moderiert, „aber mit Ü60 sollte man sich so langsam vom aktiven Geschehen zurückziehen“, sagt Müller. Seit mehr als 50 Jahren ist er Kassierer beim Elschbacher Sport- und Gesangverein, der das Wickingerfest 1987 aus der Taufe hob und bis heute ausrichtet.

Der Landrat und die Straußjugend

Die Geschichte, wie es dazu kam, ist ebenso kurios wie die Namen der Getränke, die am Samstagabend in der als Tränke bezeichneten Bar serviert werden. „In dem Wäldchen, in dem seit 1987 das Wikingerfest stattfindet und das der Sport- und Gesangverein von der Gemeinde gepachtet hat, traf sich in den 1980er Jahren immer die Straußjugend, um – wie sie nicht ohne Stolz behauptete – zu feiern wie die Wikinger“, berichtet Müller schmunzelnd. Über heute nicht mehr nachvollziehbare Umwege sei der Spruch zu Rudolf Tartter gelangt, dem damaligen Landrat, der dann bei einem offiziellen Anlass sagte, er würde sich das Wikingertreiben gerne einmal ansehen. „Und da haben wir eben ein Wikingerfest ausgerichtet.“

Später habe man sich Anregungen bei einem ähnlichen Fest in Friesland geholt. Von dort stamme beispielsweise das Aalwerfen, bei dem freilich keine Fische, sondern Stücke eines schwarzen Gartenschlauchs durch die Gegend fliegen. Aus dem hohen Norden stammt auch der Möwenschiss, den es am Abend in der Tränke gibt, und der sich nicht als Hinterlassenschaft eines Küstenvogels, sondern als Kümmelschnaps herausstellt, zu dem es eine Scheibe Holsteiner Mettwurst mit einem Spritzer Senf gibt. In die Fußstapfen von Müller als Wettkampf-Moderator ist Lisa Schröder getreten, die am Wochenende ein Wikingerfest-Jubiläum feiern konnte. „Vor 30 Jahren war ich als Siebenjährige zum ersten Mal auf dem Fest. Seitdem habe ich kein einziges davon verpasst“, berichtet sie.

Zeltlager währt mehrere Tage

Der Startschuss zu den Wettkämpfen erfolgt stilecht mittels Signal aus einem Auerochsenhorn. Schröder erweist sich als echter Glücksfall für den SGV Elschbach: Mit ihren Schädel-Tattoos und in ihrer Aufmachung erinnert sie nicht nur optisch an Königin Lagertha aus Vikings, sondern versteht es wie die Schildmaid aus der Serie, so manches auch ziemlich martialisch aussehende Sippen-Mitglied im Zaun zu halten und für die nötige Ordnung beim Kampfgeschehen zu sorgen. Die zahlreichen Besucher, die sich am Samstagnachmittag unter die urigen Wikinger gemischt haben, fühlen sich bestens unterhalten – ebenso wie die Angehörigen der Wikinger-Sippen.

Viele von ihnen waren bereits einige Tage zuvor nach Elschbach gekommen und haben in dem Wäldchen ein richtiges Wikingerlager aufgebaut. Thors Söhne und Töchter, die es nach Elschbach gezogen hat, kommen zwar nicht aus dem Hardangerfjord oder von den Westmännerinseln, sondern aus dem Saarland, Baden und natürlich aus der Westpfalz. Dafür müssen die Elschbacher aber immer um das erste Septemberwochenende herum auch keine Angst haben, dass es ihnen ergeht, wie den Bewohnern des Klosters Lindisfarne in Nordengland, das vor 1200 Jahren mehrfach von Wikingerhorden heimgesucht wurde.

x