Kreis Kaiserslautern Wie ein Oberzentrum
Landstuhl. Wenn es um die ärztliche Ausstattung seiner Verbandsgemeinde (VG) geht, kommt Peter Degenhardt direkt ins Schwärmen: „Sowohl ein Krankenhaus als auch ein Medizinisches Versorgungszentrum an einem Ort – das findet man sonst nur in Oberzentren“, freut sich der CDU-Bürgermeister. Dabei hat die gesamte VG Landstuhl gerade mal knapp 16.000 Einwohner, die namensgebende Sickingenstadt selbst nicht einmal 9.000. Trotzdem ist sie in medizinischer Hinsicht versorgt wie eine Kreisstadt.
Auch bei den niedergelassenen Ärzten setzt sich diese gute Position fort. „In der Verbandsgemeinde Landstuhl sind derzeit zwölf Hausärzte und insgesamt 40 Fachärzte tätig“, meldet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, die für die Zulassung der Mediziner in den Regionen zuständig ist. Mit einer weiteren Zahl macht die KV allerdings auf ein Problem aufmerksam: Alle Fachärzte sowie zehn der zwölf Hausärzte sind unmittelbar in der Stadt Landstuhl niedergelassen. Die meisten der fünf anderen Ortsgemeinden gehen also leer aus. Eine Sorge, die auch Degenhardt ganz aktuell umtreibt: „Vor einigen Wochen hat der bisher einzige Hausarzt in Kindsbach seine Tätigkeit beendet“, berichtet der Kommunalpolitiker. „Der Ortsbürgermeister ist nach Kräften bemüht, auch in Abstimmung mit der KV, einen Nachfolger zu finden.“ Bislang offenbar ohne Erfolg. „Aber das wäre auch für die Apotheke in Kindsbach wichtig“, findet Degenhardt. Denn ohne örtliche Arztpraxis hat es auch ein Pharmazeut heute schwerer, über die Runden zu kommen. Ansonsten zeichnet der Bürgermeister ein eher gemischtes Bild seiner Verbandsgemeinde: „In der etwas größeren Gemeinde Bann ist die ärztliche Versorgung gut, die kleineren Gemeinden Mittelbrunn, Oberarnbach und Hauptstuhl haben keine niedergelassenen Ärzte. Aber hier greifen die Menschen auf die Arztversorgung in Landstuhl oder Bruchmühlbach zurück.“ Im Landstuhler Stadtteil Atzel, so Degenhardt weiter, konnte man Nachfolger gleich für zwei Mediziner finden, die ihre Praxen aus Altersgründen aufgegeben hatten. Seitdem sei auch dort die Versorgung wieder in Ordnung. Eine Meinung, die auch Landstuhls Stadtbürgermeister Ralf Hersina (SPD) weitgehend teilt: „Die medizinische Versorgung in der Stadt ist wirklich noch ganz gut, auch wenn wir den einen oder anderen Hausarzt noch vertragen könnten. Aber wenn ich mich mit diesem Thema an die KV wende, heißt die Antwort immer: Sie klagen auf hohem Niveau.“ Und zu finanziellen Anreizen für die Ansiedlung von Medizinern sei die Gemeinde „aufgrund ihrer desolaten Haushaltslage einfach nicht in der Lage.“ Trotzdem dürfte vor allem das Thema „Nachfolge-Regelungen“ die Kommunalpolitik auch in Zukunft beschäftigen. Dafür sorgt schon eine dritte Zahl der Kassenärztlichen Vereinigung: Das Durchschnittsalter der Hausärzte im Bereich der Verbandsgemeinde liegt aktuell bei 55 Jahren, das der Fachärzte bei 51 Jahren. Für Peter Degenhardt allerdings kein Grund, zu verzagen: „Wir haben den Eindruck, dass sich Ärzte nach wie vor gern in der Verbandsgemeinde Landstuhl niederlassen. Das hat sicher auch mit der Notfall-Zentrale zu tun, die es im Krankenhaus gibt.“ „Aber am Ende“, so betont der CDU-Kommunalpolitiker, „ist es natürlich immer auch eine unternehmerische Entscheidung des Arztes, ob und wo er sich niederlässt.“ Und weil dafür auch das Image einer Gemeinde entscheidend sein kann, hat Landstuhls Stadtbürgermeister Ralf Hersina (SPD) eine Idee seines Vorgängers übernommen und aktualisiert: Eine kleine Broschüre mit Fakten über den Medizin-Standort Landstuhl, die in Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Facharzt Johannes Thum entstanden ist. Sie ist übrigens auch im Internet unter der Adresse www.landstuhl.de unter dem Stichwort „Hausärzteversorgung“ zu finden.