KREIS KAISERSLAUTERN
Wetter: Die spektakulären Launen des Aprils
Auf den ersten Blick ist der April mit seinen frühlingshaften zehn Grad im Mittel, seinen eher bescheidenen 52 Litern Niederschlag auf den Quadratmeter und seinen 184 Sonnenstunden ein unauffälliger Geselle. Tatsächlich ist es der niederschlagsärmste Monat im Jahr – zumindest in der Westpfalz. Doch er kann auch ganz anders, wie wir es vor kurzer Zeit erleben durften.
Hinter einem Sturmtief mit kräftigem Regen und reichlich Wind, welches uns am Donnerstag, 7. April, beeinflusste, formierte sich über Südwestdeutschland und Nordostfrankreich in Verbindung mit einem vom Atlantik heran rauschenden weiteren Randtief eine markante Luftmassengrenze. Geprägt war das Ganze von enormen Temperaturgegensätzen auf engem Raum. Angefüllt mit einem großen Potenzial von Feuchtigkeit sowie einer langgestreckten Niederschlagszone, zog der Kern dieses Randtiefs knapp südlich an uns vorüber, wobei unsere Region in den kälteren Bereich der Luftmassengrenze gelangte und die Niederschläge ab dem Abend bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen konnten. Die Zugbahn des Tiefs wirkte entgegengesetzt der Luftströmung aus Nordost, mit der sich die Zyklone letztendlich noch weiter aktivieren konnten.
Pappschneemassen sorgten für Verkehrschaos
Die in kürzester Zeit vom Himmel fallenden enormen Pappschneemassen, die teilweise von Blitz und Donner begleitet waren, sorgten für ein Verkehrschaos auf Autobahnen und Landstraßen nahezu in der gesamten Westpfalz. Infolge zahlreicher abknickender Äste und entwurzelter Bäume, die der schweren Schneelast nicht standhielten, mussten bewaldete Verkehrsabschnitte teilweise komplett gesperrt werden. Außerdem wurden gebietsweise stundenlange Stromausfälle ausgelöst, weil Bäume und Äste auf die Leitungen kippten und Kurzschlüsse auslösten. Insbesondere in den höheren Lagen der Westpfalz fielen bis nach Mitternacht 20 Zentimeter Neuschnee – mehr als im gesamten Winter, auch mehr als in den vergangenen Jahren. Außerdem gingen zum Teil über 65 Liter Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb von zwei Tagen nieder, mehr als im Durchschnitt während des gesamten Monats. Infolgedessen konnten Bäche und kleinere Flüsse in der Region an manchen Stellen über die Ufer treten. An der Saar in Saarbrücken musste sogar die Stadtautobahn wegen Überflutung gesperrt werden. Auch an der Mosel entstand ein leichtes Hochwasser.
Nur wenige Tage später, also zu Wochenbeginn, gelangte im Vorfeld eines Atlantiktiefs warme Luft aus Südeuropa zu uns und ließ das Quecksilber mit sonniger Unterstützung bereits wieder über die 20-Grad-Marke klettern. Der viele Schnee verschwand daher fast so schnell wie er gekommen war. Zur Wochenmitte zeigte das Thermometer mancherorts sogar schon fast 25 Grad an. Als kleinen Beigeschmack dazu enthielt die Atmosphäre dann noch feinen Saharastaub.
Im April sind immer wieder Kaltlufteinbrüche möglich
Der Monat April ist ja für seine Wetterlaunen und Kapriolen bekannt. Immer wieder sind polare Kaltlufteinbrüche möglich. Bereits im vergangenen Jahr war er mit seinem Temperaturmittel von nur 6,9 Grad eher spätwinterlich als frühlingshaft. Es wurden elf Frosttage sowie beachtliche 27 Bodenfrosttage gezählt (Tiefsttemperatur in zwei Metern Höhe, sowie am Erdboden unter Null Grad). An fünf Tagen traten Niederschläge in Verbindung mit Schneefall oder Graupel auf. 2020 war er mit einem Monatsmittel von 12,3 Grad hingegen spürbar zu warm, sehr trocken und extrem sonnenscheinreich.
Dies wurde im Jahr 2007 mit einem Mittel von 13,5 Grad noch übertroffen. Vor genau 15 Jahren fielen während des gesamten Monats nur klägliche 2,8 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, noch weniger als 2017 mit 4,0 Litern pro Quadratmeter. Mit 334 Sonnenstunden wurde damals ein neuer historischer Rekord aufgestellt. Es gab bemerkenswerte acht Sommertagen (Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad). In den Monaten Mai, Juli und August waren es zu jener Zeit jeweils nur sechs solcher Tage. Nur im Juni konnte mit neun Tagen einer mehr als im April verbucht werden. 1998 gab es mit 135,4 Liter pro Quadratmeter zur Abwechslung auch mal beachtlich viel Niederschlag für den April.
1981 gab es ähnlich wie Schnee im April, wie dieses Jahr
Eine ähnliche Wetterlage wie in der vergangenen Woche erlebte unsere Region im Jahr 1981. Am Sonntag, 26. April, ging intensiver Regen im Laufe des Abends bei Temperaturen in Gefrierpunktnähe immer mehr in Schnee über. Am Montag, 27. April, entstand dadurch eine Nassschneedecke von zum Teil über 15 Zentimetern und es schneite tagsüber noch tüchtig weiter. Auch damals knickten viele Äste während der Blütezeit unter der enormen Schneelast wie Streichhölzer ab. Letzte Schneehäufchen an den Straßenrändern beobachtete man während diesem Zeitabschnitt noch am ersten Mai.