Ramstein-Miesenbach
Was hinter den Tiersegnungen am Wendelinusmarkt steckt
Schon seit Jahren ist die Tiersegnung fester Bestandteil des Wendelinusmarktes. Hintergrund dieser ist der Ursprung der Veranstaltung in Ramstein: Vor über 300 Jahren bedrohte eine Tierseuche die Viehbestände der Bauern in der Region – woraufhin diese sich in ihrer Not an den Heiligen Wendelinus wandten, den Patron der Bauern und Schäfer. Tatsächlich blieb Ramstein von der Seuche weitgehend verschont, und so feierten die Einwohner im Jahre 1710 aus Dankbarkeit erstmals das Wendelinusfest.
Zahlreiche Kinder und Erwachsene finden sich an diesem Oktobersonntag im großen Zelt auf dem Prometheusplatz ein und nutzen die Gelegenheit, um den göttlichen Segen für sich und die liebgewonnenen Weggefährten zu empfangen. Ob die tierischen Begleiter echt oder aus Plüsch sind, spielt dabei übrigens keine Rolle. Gemeindereferentin Tina Becker von der Pfarrei Heiliger Wendelinus segnet sie heute alle und hat wieder einmal viel zu tun. Gespannt warten die Hunde bei ihren Herrchen und Frauchen. Was ihnen bevorsteht, wissen sie natürlich nicht. Dennoch ist die Stimmung bei den Vierbeinern sehr unterschiedlich.
Auch Stofftiere werden von der Referentin gesegnet
Während ein Golden Retriever ganz entspannt vor den Füßen seiner Besitzerin auf dem Boden liegt, ist es nebenan um die Ruhe dann nicht mehr sonderlich gut bestellt. Die Nervosität ist dem ein oder anderen Hund auf den Armen seiner Besitzer sichtlich anzumerken. Fein säuberlich in Reih und Glied gestellt, füllt sich die Warteschlange vor der Gemeindereferentin dann aber doch recht zügig. „Gesegnet werden heute lebendige Zweibeiner, aber auch lebendige und nicht lebendige Vierbeiner“, erklärt Becker. Unter den nicht lebenden Vierbeinern ist auch ein knuffiger Hund aus Stoff. Voller Stolz streckt ein kleiner Junge sein weiß-braunes Plüschtier mit Hängeohren Becker entgegen. Für sie ist dieser Tag immer ein ganz besonderer.
„Wir nehmen unsere Tiere überall dorthin mit, wohin wir auch gehen“, betont sie, die selbst Besitzerin dreier Hunde ist. Daher sei auch bei der Segnung Tier und Mensch eine gute Kombination.
Viel zu tun hat an diesem Tag auch Joachim Felka. Für den Cheforganisator ist es bereits der 23. Wendelinusmarkt, für den er verantwortlich zeichnet. Während sich nach dem Gottesdienst viele im Festzelt eine Portion Braten mit Semmelknödeln und ein frisch gezapftes Bier schmecken lassen, herrscht in den Gassen draußen bereits dichtes Gedränge. Und das schon kurz nach der offiziellen Eröffnung. „Es wird noch proppenvoll werden“, prophezeit Felka. Und er soll Recht behalten. Viel los ist auch am Stand von Vera Chase. Die Saarbrückerin ist mit ihrem Stand „Chase Naturholz“ voller Schmuckstücke zum Wendelinusmarkt angereist. „Es ist alles Handarbeit“, erklärt Chase einer interessierten Dame, die einen Blick auf die reichlich gefüllte Auslage geworfen hat.
In 30 Minuten wird aus Holz und Stahl echter Schmuck
Zu finden sind dort nicht nur verschiedene Ohrringe, sondern auch mit Namen personalisierte Anhänger. Allesamt auf Edelstahlbasis und mit Holz verziert. Dafür nutzt Chase, deren Mann als Tischler tätig ist, übrigens ausschließlich Saarburger Eschen- und Kirschholz. Die heimischen Hölzer werden bei ihren Kunden besonders gut angenommen. „Es freut mich immer sehr, wenn diese gegenüber anderen Hölzern geschätzt werden“, erzählt Chase. Viel Zeit für die Anfertigung ihrer Produkte braucht sie jedenfalls nicht. Wenn die Ideen zu den Motiven erstmal gereift sind, dauere es meist rund 30 Minuten, bis aus Edelstahl und Holz ein echtes Schmuck wird.
Wenige Meter weiter kommen feine Nasen voll auf ihre Kosten. Am Stand von Horst Kaiser wandern Duftkugeln aus Holz in die Einkaufstaschen. Wer kein Freund von Lavendel ist, wird dort bei den Sorten Zeder oder Wildkirsche fündig. Diese sorgen dann beispielsweise im Kleiderschrank für eine willkommene Abwechslung. „Damit der Duft möglichst lange hält, die Kugeln mit Wasser besprühen“, so Kaisers Tipp. Über mehrere Monate hinweg würde sich dieser dann entfalten.