Ramstein-Miesenbach
Was es mit dem Kirchenbau im Gewerbegebiet auf sich hat
Die Glaubensgemeinschaft hatte für Freitag und Samstag zu Tagen der offenen Tür eingeladen, der festliche Einweihungsgottesdienst soll am Sonntag, 20. Oktober, gefeiert werden. Mehr als die Hälfte der gut 2000 rheinland-pfälzischen Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (HLT-Kirche) lebt im Raum Kaiserslautern, aufgeteilt auf vier einzelne Gemeinden. „Bislang teilten sich die Gemeinden ein Gemeindezentrum in Kaiserslautern. Da konnte es insbesondere sonntags schon mal eng werden, wenn nacheinander mehr als 1000 Menschen zeitlich versetzt vier Gottesdienste besuchten“, berichtet Ralf Grünke, Pressesprecher der HLT-Kirche in Deutschland. Zwei der Gemeinden nutzen künftig das neue Haus in Ramstein als ihren Mittelpunkt, zusammen rund 650 bis 700 Mitglieder, die in der Mehrzahl in Ramstein-Miesenbach, Landstuhl und dem Umland zuhause sind. Nahezu alle von ihnen sind Angehörige der US-amerikanischen Streitkräfte oder gehören zu deren Familien.
Ihnen steht im neuen Gemeindezentrum ein Gottesdienstraum zur Verfügung, der Platz bietet für rund 300 Personen. Seine Kapazität kann allerdings mehr als verdoppelt werden, denn die Trennwände zum angrenzenden Mehrzweckraum und zu einem weiteren Gruppenraum lassen sich öffnen. Insgesamt verfügt das neue Gemeindezentrum in der Ludwig-Erhard-Straße neben dem Gottesdienstraum über 17 weitere Räume, die zum Teil für die Gruppen, die sie nutzen werden, konzipiert sind, zum Teil aber auch multifunktional ausgelegt wurden.
Bewusst keine Deko im Raum
Bei einem Rundgang durch das neue Gemeindezentrum, das mit einer Länge von 60 Metern und einer Breite zwischen 30 und 38 Metern eine Nutzfläche von rund 1500 Quadratmetern aufweist, berichteten die beiden Gemeindemitglieder Jayne Bingham sowie Robert Thaxton, dass das Gemeindeleben in der HLT-Kirche sehr vielfältig sei. Die Inneneinrichtung des gesamten Gebäudekomplexes ist schlicht gehalten, der Gottesdienstraum weist außer großen kreisförmigen Deckenleuchten und wenig Blumenschmuck keine dekorativen Elemente auf, an den Wänden der Gruppenräume und den Fluren hängen vereinzelt Bilder mit christlichen Motiven. „Wir verzichten bewusst auf eine Raumdekoration, denn nichts soll von der Gegenwart des Allmächtigen und dem Wort Gottes ablenken“, verdeutlichte Grünke. Den sonntäglichen Gottesdiensten, die rund eine Stunde dauern, schließt sich eine Sonntagsschule an, die unter anderem ein Studium des Schriftenkanons der Kirche beinhaltet, zu dem neben der Bibel mit Altem und Neuem Testament als Alleinstellungsmerkmal der 1830 in den Vereinigten Staaten gegründeten Kirche drei weitere Bücher gehören.
„Unser Gemeindeleben wird von Laien und auf ehrenamtlicher Basis gestaltet. Die sonntäglichen Predigen halten Gemeindemitglieder, das Gemeindehaus putzen wir selbst, und die Außenanlage halten wir ebenfalls in Eigenarbeit instand“, verdeutlichte Grünke. Neben der Glaubenslehre und der Spiritualität spielen die Hilfsbereitschaft und die Unterstützung karitativer Projekte eine wesentliche Rolle, auf diesem Gebiet wird mit anderen Konfessionen eng zusammengearbeitet. Grünke, Bingham und Thaxton verweisen unter anderem auf das Hilfsprogramm der Kirche bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. Aber auch vor Ort ist die Kirche karitativ tätig und unterstützt beispielsweise die Flüchtlinge aus der Ukraine, die in der Region untergebracht sind.
Warmes Wasser im Taufbecken
Konzipiert wurde das neue Gemeindezentrum vom Architekturbüro Benedix aus Freiberg in Sachsen. Dabei haben die Planer auf eine nachhaltige Gebäudetechnik geachtet: Für die notwendige Klimatisierung des Komplexes sorgen zwei Wärmepumpen, die mit insgesamt acht 100 Meter tiefen Geothermie-Sonden auf dem Grundstück gekoppelt sind, und auf dem Dach produziert eine 375 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage pro Jahr mehr Strom, als verbraucht wird. Beheizt werden die Räume hauptsächlich über eine Fußbodenheizung, wobei zusätzlich vier Lüftungsmaschinen auch dann für frische Luft beziehungsweise Kühlung sorgen, wenn sich in dem Gebäude mehrere hundert Menschen gleichzeitig aufhalten. Zusätzlich verfügt das Gebäude über eine konventionelle Gastherme, die immer dann zum Einsatz kommen wird, wenn das Taufbecken mit warmem Wasser gefüllt werden soll. Denn die Kirche praktiziert die Taufe durch vollständiges Untertauchen in Wasser, wobei der Täufling mindestens acht Jahre alt sein muss. Es gibt zwar einen 21 Meter hohen Kirchturm, hinter dessen Lamellen verbirgt sich jedoch keine Glocke sondern die Ansaugvorrichtung für die Lüftungsanlage.