Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was das Lamm mit Ostern zu tun hat

Walliser Schwarznasenschafe grasen auf den Wiesen von Eulenbis: Eins der Lämmer ist ein ausgemachter Naseweis – was nicht folgen
Walliser Schwarznasenschafe grasen auf den Wiesen von Eulenbis: Eins der Lämmer ist ein ausgemachter Naseweis – was nicht folgenlos blieb.

Das Osterfest trägt viele alte Traditionen in sich. Das Lamm gehört zweifelsfrei dazu. Es begegnet uns nicht nur an Ostern als knuddeliger Landschaftspfleger, auf dem Teller oder natürlich auch als „Agnus Dei“ beim Kirchgang.

Lämmer und die Westpfalz: Hier scheint die Spezies keine große Zukunft zu haben, jedenfalls wenn es um Schafsherden geht, die in landwirtschaftlichen Betrieben zuhause sind. Beim letzten offiziellen „Schäfchenzählen“ im Jahr 2020 kamen in den Bereichen Kaiserslautern, Kusel, Zweibrücken, Pirmasens, Donnersbergkreis und Südwestpfalz gerade mal 19.516 Tiere auf 166 Bauernhöfen zusammen. „Kleinstbestände mit weniger als 20 Schafen werden nicht erfasst, die eigentlich Zahl ist also höher“, berichtet Mara Lamby, die bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz unter anderem für den Bereich der Schafhaltung zuständig ist.

Während die Haltung der Tiere in der Landwirtschaft zurückgeht, Wanderschäfer hier in der Region quasi an einer Hand abgezählt werden können und es zudem vor Ort so gut wie keine Verwertung für die Wolle mehr gibt, leben laut Lamby immer mehr Schafe bei Hobbyhaltern. Hobbyhaltung bedeute aber nicht, dass auf Sachkunde verzichtet werden dürfe. „Die Anforderungen an das Tier, etwa was Geburt, Fütterung, Haltung, Gesundheit oder Recht angeht, werden mitunter unterschätzt“, weiß Mara Lamby und verweist auf Grundlagenkurse zum Erlangen der „Sachkundenachweise Schaf“, die es unter anderem auf dem Hofgut Neumühle in Münchweiler gibt.

Das (allzu) neugierige Lämmchen

Nach Lambys Angaben sind es vornehmlich die weißen Merino-Schafe, die in der Region noch in den Ställen auf den Höfen stehen. Anders in Eulenbis: Im ökologisch-landwirtschaftlichen Betrieb von Karin und Jürgen Storrer leben Walliser Schwarznasenschafe mit einer auffallend gedrehten Wolle, mit schwarzen Ramsnasen, schwarzen Ohren und schwarzen „Knieschonern“. Ungewöhnlich und ausgesprochen schön sind auch ihre wie Korkenzieher gedrehten, weit ausladenden Hörner, mit denen sich die Schafsmädchen ebenso schmücken wie Bock Horsti. Seine Hörner sind natürlich besonders große Exemplare, die er aber gar nicht einzusetzen gedenkt. Denn Walliser Schwarznasenschafe sind freundliche Tiere, begnügen sich mit der Arbeit als Landschaftspfleger und nehmen die Tage, wie sie kommen, als friedliche kleine Herde.

Normalerweise wäre auch Horstis Abkömmling Happy Teil dieser Herde. Ist sie aber nicht, noch nicht. „Das Kleine war schon gleich nach der Geburt zu neugierig, hat sich viel bei den anderen Müttern rumgetrieben“, berichtet Karin Storrer, warum das Lämmchen von ihr und nicht von der Schafsmama selbst mit Milch versorgt wird. Ihre Neugierde – eine Eigenschaft, die man Schafen ja nicht unbedingt zuschreibt, die sie aber trotzdem haben – hat das Lämmchen mit falschen Gerüchen überzogen. Das hatte zur Folge, dass seine Mutter es irgendwann nicht mehr akzeptiert hat. Seit sie es verstoßen hat, gibt Karin Storrer Happy alle paar Stunden die Flasche.

Happy ist beileibe nicht ihr erstes Flaschenlamm. „Vielleicht bei 100“, weiß sie gar nicht mehr, wie oft sie schon Ersatzmama spielen musste. Gut nur, dass Happy clever und immer hungrig ist. So hat sie schnell die Milchflasche in der Hand von Karin Storrer zu lieben gelernt. Mehr noch, sie sieht sich selbst wohl als Mensch an oder vielleicht ja auch als Hund, meinen die Storrers. Zumindest spielt Happy gerne mit den Border Collies des Ehepaars oder marschiert vertraut neben Jürgen Storrer durch den Wald.

Doch nicht mehr lange, dann wird Happy in der Herde integriert. Dann schlägt ihre große Stunde. Sie wird sicher auch noch als Herdenmitglied immer eng bei den Menschen sein wollen und ihrem zweibeinigen „Papa“ brav folgen, wenn Jürgen Storrer die Herde ruft. Und wo ein Schaf hingeht, da will die ganze Herde sein. Also heißt es in der Herde wohl bald: „Los geht’s, alle Happy hinterher!“

Wolle als Baumschutz und Dünger

So ein Lamm ist schon arg knuddelig. Allein sein Anblick wärmt Herz und Seele. Und erst gestrickte Socken aus Schafswolle! Doch die Wolle findet auch anderweitig Verwendung: im Schutz von Bäumen. Weil Rehe nicht auf Schafswolle stehen, gehen immer mehr Waldbesitzer dazu über, junge Bäume damit zu behängen. Das verdirbt dem Wild offensichtlich den Appetit auf frisches Baumgrün.

Bodenbakterien und Bodenpilze freuen sich dagegen ausgesprochen, wenn ihnen der Gartenbesitzer eine Portion der nährstoffreichen Schafswolle als Dünger übergibt. „Schafswolle im Boden wirkt den ganzen Sommer über auch als Wasserspeicher“, ist Herbert Ritthaler von der gleichnamigen Baumschule in Hütschenhausen begeistert von dieser Art, den Boden mit allem zu versorgen, was er braucht. Wie gut das funktioniert, wussten die Menschen schon vor Jahrhunderten. Ein Wissen, das ein bisschen verloren ging, aber langsam wieder zurückkehrt, zumal dem Gärtner neben dem frisch geschorenen Wollvlies heutzutage auch ganz praktische Schafwollpellets zur Verfügung stehen. „Wir müssen ganzheitlich denken. Die Schafswolle versorgt die Bodenlebewesen, die wiederum ernähren die Pflanze und wir können prächtiges Obst oder Gemüse ernten“, spricht Ritthaler davon, dass der Gärtner zusammen mit der Natur „über Bande spielen müsse“.

Der Experte hat in seiner Baumschule selbst eine kleine Herde Shropshire Schafe, die auch an anderen Orten als Landschaftspfleger beste Arbeit leisten. Die alte Rasse verträgt sich nach seinen Erfahrungen gut mit Gehölzen, frisst die Rinde nicht an, sondern begnügt sich mit Gras und Blättern. Obendrein liefern ihm die Schafe beim „Ausziehen der Pullover“, also dem jährlichen Scheren, ordentlich Wolle. Und den Dung nicht zu vergessen.

Ritthaler ist froh, dass die „Generation Blaukorn“ nicht mehr ganz so aktiv in den Gärten unterwegs ist wie früher und statt dem Kunstdünger aus anorganischen Salzen immer mehr Naturdünger eingesetzt wird. „Die Natur schenkt es uns, wir müssen es nur nehmen“, unterstreicht Ritthaler, der seine Rohwolle auf die Schwäbische Alb zu einem „Pelletmacher“ fährt und die Schafswolle in Form von Kügelchen wieder mit zurückbringt.

Das Lamm und der Glaube

Das Lamm ist im christlichen Glauben allgegenwärtig. Das „Lamm Gottes“, lateinisch Agnus Dei, steht dabei für Jesus Christus. „Das Lamm hat eine tiefe Bedeutung im christlichen Leben und wird als Quelle der Hoffnung und des Glaubens betrachtet“, bringt Kaplan Ebi Abraham vom katholischen Pfarramt Heiliger Wendelinus Ramstein-Miesenbach zum Ausdruck, was hinter dem Begriff „Agnus Dei“ steht. Das Lamm habe seinen Ursprung in den uralten Schriften des Christen- und des Judentums. Im Alten Testament werde es als Opfer zur Sühne dargebracht, eine Praxis, die im Neuen Testament ihre Erfüllung finde.

„Die Bedeutung des Lammes erstreckt sich jedoch über seine Rolle als Opfer hinaus. Jesus wird oft als das vollkommene und makellose Lamm betrachtet, das ohne Sünde und daher fähig war, das ultimative Opfer zu bringen“, erläutert der Kaplan. Gerade an Ostern werde in der christlichen Tradition das Lamm als Symbol der Auferstehung besonders in Erinnerung gerufen, oft verbunden mit einer Siegesfahne. „Wenn das Osterlamm mit einer Siegesfahne dargestellt wird, unterstreicht es die christliche Botschaft der Hoffnung und des Triumphs über den Tod, die mit Ostern verbunden ist“, sagt Kaplan Ebi Abraham. „Das Lamm ist ein strahlendes Licht des Glaubens und der Hoffnung für alle, die es in einer Welt, die oft von Dunkelheit und Zweifeln geprägt ist, annehmen.“

Das Lamm aus dem Ofen

Ostern, ein Fest mit viel Schokohasen und bunten Eiern, kommt in vielen Familien nicht ohne ein gebackenes Osterlamm aus. Klein, herzig im Anblick, süß auf der Zunge, zeigt sich so ein Lamm mal mit Puderzucker, mal mit dunkler Schokolade überzogen. Häufig handelt es sich um einen Biskuitteig aus Eiern, Zucker, Wasser, Mehl und Backpulver. Ist er locker gebacken, fühlt er sich zart und fluffig an und bleibt ein paar Tage frisch – sofern ihn niemand direkt verputzt.

Alles kein Hexenwerk. Was es braucht, ist, eine typische Lamm-Backform und das Händchen, das gebackene Osterlamm heil wieder heraus und im Ganzen auf den Kaffeetisch zu bekommen.

Solche Gebäcke gibt es natürlich auch beim Bäcker in der Vorosterzeit zu kaufen. Nur leider nicht mehr überall. „Wir backen schon seit Jahren keine Osterlämmer mehr. Die lieben Discounter haben uns diesbezüglich die Butter vom Brot genommen“, bedauert Petra Kunz von der traditionsreichen Bäckerei Kissel in Reichenbach-Steegen. Ihr Familienbetrieb – ihr Bruder, Bäckermeister Paul Carra, steht in der Backstube – könne einfach nicht mit den Preisen der Discounter mithalten.

Wer selbst schon einmal einen Biskuit gebacken und diesen in eine Osterlammform gefüllt habe, der wisse allein um die Zeit, die es dafür brauche. „Vom Besorgen der Zutaten wie frische regionale Eier ganz zu schweigen.“ Gebacken seien die Kuchen dann zwar schnell. „Aber jedes einzelne Lamm am Ende heil aus der Form zu bringen, dafür braucht es viel Fingerspitzengefühl“, weiß Petra Kunz. „Und dann sind die Lämmer noch immer nicht im Laden angekommen, geschweige denn hübsch verpackt und dekoriert fürs Osternest.“ Die Frage aller Fragen sei: Was müsse ein gebackenes Osterlamm kosten? Und eine zweite Frage schließe sich an: Was dürfe es denn kosten, damit der Kunde zugreife? Die Antworten lagen letztlich für die Bäckerei Kissel zu weit auseinander und sie stellte die Lamm-Produktion ein. Nun „hoppelt“ stattdessen vor Ostern nur noch der gebackene Osterhase als Dekoration und Hingucker durch die Bäckerei.

Das Lamm und die Kulinarik

Es soll ja Grillfreunde geben, die gehen ihrer Leidenschaft ganzjährig nach, für andere dagegen ist das Osterfest eine gute Gelegenheit zum „Angrillen“. Lammfleisch zählt hier zu den Klassikern. Das bestätigt auch Uwe Leis aus Kaiserslautern. Er ist Grilldozent an der Volkshochschule für Wildfleisch sowie ein an der Fleischerakademie Augsburg ausgebildeter Asador, also ein Grillmeister, der auch die Zubereitung großer Fleischstücke am offenen Feuer beherrscht. Für Leis kommen an Ostern gleich verschiedene Stücke vom Lamm auf den Grill.

„Lammfleisch an sich hat kurze Fasern und sollte bei nicht zu hoher Hitze angegrillt werden“, gibt der Grillexperte Tipps, wie das edle Gut zu behandeln ist. Er rät – nach einem „schönen, kurzen „Branding“, also dem Aufbringen des Grillmusters –, das Lammfleisch im indirekten Bereich des Grills auf etwa 58 Grad fertig zu garen. „Wichtig ist, das fertig gegrillte Lammfleisch abgedeckt für drei bis fünf Minuten ruhen zu lassen, damit sich gesammelter Fleischsaft in der Mitte wieder in alle Fleischfasern nach außen gleichmäßig verteilen kann“, so sein Rat. „Der Fleischsaft sollte auf dem Gaumen und nicht durch vorherigen Austritt aus dem Fleisch auf dem Teller zur Geltung kommen.“

Für Uwe Leis gehört vor allem der Lammlachs und damit der ausgelöste Kernmuskel des Rückenstücks an Ostern auf den Grill. „Der Muskel wird wenig bewegt und ist daher sehr zart im Biss“, erklärt er den Grund. Aber auch für das am Rücken weiter oben sitzende Lammkarree mit Rippenbogen kann sich der Grillmeister begeistern. „Das ist im Geschmack etwas intensiver!“

Wohl nicht für jedermann geeignet ist die Zubereitung größerer Fleischstücke am offenen Feuer. Für den nach eigenen Angaben ersten „Lautrer Asador“ findet durchaus auch ein ganzes Lamm den Weg ans sogenannte Asadokreuz. „Die lange Zubereitungsdauer über der offenen Feuerstelle hat für mich einen sehr ursprünglichen Charme. “

Im Christentum ist das Lamm – hier in einem Kirchenfenster– Symbol für Jesus, der sich für die Menschen geopfert hat.
Im Christentum ist das Lamm – hier in einem Kirchenfenster– Symbol für Jesus, der sich für die Menschen geopfert hat.
Ein Merinolandschaf mit ordentlich Wolle: Diese findet auch als Schutz von jungen Bäumen Verwendung.
Ein Merinolandschaf mit ordentlich Wolle: Diese findet auch als Schutz von jungen Bäumen Verwendung.
Natürlicher Dünger: Pellets aus Schafwolle sind gut für den Boden und dienen als Wasserspeicher.
Natürlicher Dünger: Pellets aus Schafwolle sind gut für den Boden und dienen als Wasserspeicher.
Osterhase aus dem Ofen als Deko: Die Produktion von gebackenen Osterlämmern rentiert sich für viele Bäcker nicht mehr.
Osterhase aus dem Ofen als Deko: Die Produktion von gebackenen Osterlämmern rentiert sich für viele Bäcker nicht mehr.
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