Landstuhl
Wäscherei Elis: Standort soll größte Niederlassung in Deutschland werden
Zwischen 30 und 36 Millionen Euro will die Großwäscherei Elis – vormals Haberer – in den Wiederaufbau ihrer Produktionsstätte in Landstuhl investieren. Die Produktionshalle und Firmenfahrzeuge waren bei einem verheerenden Brand in der Nacht komplett ausgebrannt. Verletzt worden war niemand.
Geplant ist, den Standort zu vergrößern und künftig mehr Mitarbeiter einzustellen. Nach Angaben von Christopher Beyer, Operations Director Germany & Austria, Haber Textile Dienste GmbH & Co.KG, bleiben alle rund 400 Arbeitsplätze erhalten, zusätzlich entstehen rund 35 neue Vollzeitstellen. Der Standort Landstuhl werde künftig die größte der insgesamt 46 Niederlassungen des Unternehmens in Deutschland sein. „Wir bauen Landstuhl wieder auf – moderner, größer und leistungsstärker als je zuvor“, kündigte Beyer an.
Dass es am Standort Landstuhl trotz der enormen Schäden weiter gehen soll, hatte der französische, börsennotierte Textilservice-Konzern bereits einen Tag nach dem Brand in der Nacht zum 5. Dezember den Mitarbeitern versichert. Am Dienstag stellte das Unternehmen in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stadt Landstuhl und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kaiserslautern (WFK) die Pläne für den Wiederaufbau und die Zeitschiene dafür vor.
Bisher an die Pfalzwerke verpachtet
Um die geplante Erweiterung zu ermöglichen, hat die Sickingenstadt dem Unternehmen ein angrenzendes Grundstück an der Daimlerstraße verkauft, das bisher an die Pfalzwerke verpachtet war. Diese hatten dort eine Photovoltaikanlage betrieben, erläuterte Mattia De Fazio, Stadtbürgermeister von Landstuhl (CDU). Derzeit würden Möglichkeiten geprüft, wie Photovoltaik auf der neuen Betriebshalle installiert werden könne, betont Beyer, dass das Unternehmen auf Nachhaltigkeit und auf die Einhaltung der in Paris festgesetzten Klimaziele großen Wert lege.
Das Betriebsgelände wird nach Angaben des Konzerns damit von 21.000 Quadratmetern auf 25.700 Quadratmeter erweitert. Die neue Produktionsfläche wächst von den bisherigen 6200 Quadratmetern auf 10.000 Quadratmeter an. Der Neubau werde mit moderner Technik ausgestattet und nach aktuellen energetischen Standards errichtet. Mit ergonomischen Arbeitsplätzen und automatisierten Abläufen soll die Belegschaft künftig spürbar entlastet werden.
Der Zeitplan ist stramm: Mit dem Abriss will Elis bereits im Juni beginnen. Wenn alles glatt geht, wird mit dem Bau der neuen Halle bereits im November gestartet. „Wir wollen im vierten Quartal 2026 wieder in Landstuhl produzieren“, kündigte Joerg J. Scherf, Geschäftsführer, Elis Landstuhl GmbH & Co. KG, an.
Elis lobt Unterstützung
„Ja, wir kommen nach Landstuhl zurück. Wir haben gespürt, dass wir hier sehr willkommen sind“, so Beyer. Er lobte den Zusammenhalt seiner Mitarbeiter, die wie „eine Familie“ zusammenstünden. Die Unterstützung durch die Stadt Landstuhl, die Verbandsgemeinde, den Kreis und die Wirtschaftsgesellschaft sei enorm. Dies sei der ausschlaggebende Grund gewesen, den Wiederaufbau an dieser Stelle anzupacken. Als „sensationell“ bezeichnete auch Elis-Geschäftsführer Scherf die Hilfsbereitschaft von anderen Unternehmen im Kreis. Dadurch sei es gelungen, innerhalb von 48 Stunden nach dem Brand eine neue Waschstraße in einer angemieteten Halle in Kaiserslautern zu errichten. Dieser temporäre Standort werde aber wieder zurückgebaut und die etwa 70 Mitarbeiter wieder nach Landstuhl zurückgeholt, so Beyer.
Gemeinsam mit dem Unternehmen und der Bauverwaltung habe man nach verschiedenen Lösungen gesucht und unterschiedliche Standorte analysiert, bewertet und viele Gespräche mit Grundstücksbesitzern und Firmeninhabern geführt, gab Bürgermeister de Fazio einen Einblick in die Vorarbeit, die geleistet werden musste. „Ein Neuaufbau in einer anderen Kommune war intern durchaus geprüft und als möglich erachtet worden. Ich denke, das kann ich heute an der Stelle sagen.“ Doch durch intensive Gespräche sei es gelungen, das Vertrauen der Unternehmensleitung für einen Wiederaufbau in Landstuhl zu gewinnen.
So ein Großbrand, wie Elis ihn erlebt habe, stelle eine der größten Herausforderungen für ein Unternehmen dar, die man sich vorstellen könne, so Philip Pongratz, Geschäftsführer der WFK. In Rekordzeit sei ein alternativer Standort gefunden worden, alle hätten an einem Strang gezogen. „Es hat sich herausgestellt, dass es in der Stadt Kaiserslautern und im Landkreis ein Netzwerk gibt, in dem pragmatisch und auf kleinem Dienstweg agiert wird.“ Um die Baugenehmigung so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen, soll es jetzt einen runden Tisch mit allen Behörden und Beteiligten geben, kündigte er an.
In der Brandnacht im Dezember waren Feuerwehreinheiten aus dem gesamten Landkreis im Landstuhler Gewerbegebiet im Einsatz gewesen, um die lichterloh brennende Produktionshalle der Großwäscherei Elis zu löschen. Bis zum Morgen herrschte Ausnahmezustand in der Sickingenstadt. Wegen der starken Rauchentwicklung wurden Werkswohnungen evakuiert und per Katwarn vor Sichtbeeinträchtigungen auf der nahen Autobahn gewarnt. Trotz des Infernos auf dem Betriebsgelände gab es keine Verletzten, denn die Nachtschicht von Elis hatte bei Ausbruch des Brandes bereits Feierabend und die Frühschicht war noch nicht angerückt. Wo zuvor jahrzehntelang täglich über 60 Tonnen Kleidung aus Seniorenheimen, Krankenhäusern und Hotels gewaschen wurde, blieb kaum etwas heil. Die Haupthalle der Firma Elis, die 2020 die alteingesessene Großwäscherei Haber übernommen hat, ist eine ausgebrannte Ruine. Ein Schaden in Millionenhöhe, schätzt die Polizei.
Zur Sache
Elis ist ein börsennotierter französischer Textilservice-Konzern mit mehr als 50.000 Mitarbeitern in 440 Niederlassungen und 28 Ländern, der in Europa als Marktführer bei der Reinigung von Wäsche und Berufskleidung etwa für Krankenhäuser und Pflegeheime gilt. Er ist einer der größten Arbeitgeber im Westen des Landkreises.