Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem Feuer in der Wäscherei Elis: Hat der Traditionsbetrieb in Landstuhl eine Zukunft?

Beim Großbrand der Industriewäscherei herrschte im Dezember Ausnahmezustand in Landstuhl.
Beim Großbrand der Industriewäscherei herrschte im Dezember Ausnahmezustand in Landstuhl.

Gut vier Monate ist es her, seit die Großwäscherei Elis – einst Haber – in Landstuhl einem verheerenden Feuer zum Opfer fiel. Wie geht es mit dem Traditionsbetrieb weiter?

Vier Drehleitern, 200 Einsatzkräfte und eine Armada von Fahrzeugen: Feuerwehreinheiten aus dem gesamten Landkreis sind in der Nacht zum 5. Dezember im Landstuhler Gewerbegebiet im Einsatz, um die lichterloh brennende Produktionshalle der Großwäscherei Elis zu löschen. Bis zum Morgen herrscht Ausnahmezustand in der Sickingenstadt. Wegen der starken Rauchentwicklung werden Werkswohnungen evakuiert und per Katwarn vor Sichtbeeinträchtigungen auf der nahen Autobahn gewarnt. Trotz des Infernos auf dem Betriebsgelände gibt es keine Verletzten, denn die Nachtschicht von Elis hatte bei Ausbruch des Brandes bereits Feierabend und die Frühschicht war noch nicht angerückt. Mit Unmengen von Wasser gelingt es den Wehrleuten schließlich, den Brand einzudämmen und auf die Produktionshalle zu beschränken. Doch wo zuvor jahrzehntelang täglich über 60 Tonnen Kleidung aus Seniorenheimen, Krankenhäusern und Hotels gewaschen wurde, bleibt kaum etwas heil. Die Haupthalle der Firma Elis GmbH & Co.Kg, die 2020 die alteingesessene Großwäscherei Haber übernommen hat, ist eine ausgebrannte Ruine. Ein Schaden in Millionenhöhe, schätzt die Polizei.

Brandursache unklar

Was das Feuer verursacht hat, ist bis heute unklar. Laut Felix Huth von der Staatsanwaltschaft Zweibrücken sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. „Trotz intensiver Untersuchungen konnte die Brandursache nicht abschließend geklärt werden“, sagt Laura Rodegher, Corporate Communication Managerin am Elis-Firmensitz in Hamburg. Fest steht nach ihrer Aussage aber, dass das Unternehmen trotz der enormen Schäden auf dem Werksgelände am Standort Landstuhl festhält. Das hatte Elis bereits am Tag nach dem Brand den rund 390 Landstuhler Mitarbeitern versichert. Diese wurden nach dem Feuer in benachbarten Elis-Niederlassungen, etwa in Saarbrücken und Simmern im Hunsrück, eingesetzt. Außerdem mietete Elis eine Halle in Kaiserslautern an, die zunächst als Kommissionierlager genutzt wurde, um Waren für die Kunden zusammenzustellen und kleinere Sendungen zu größeren, wirtschaftlicheren Ladungen zusammenzupacken.

Wie die Firmensprecherin mitteilt, wird dort in Kaiserslautern inzwischen auch wieder Wäsche gewaschen. „In Rekordzeit haben wir alle Formalitäten erledigt und eine neue Waschstraße in der angemieteten Halle installiert“, berichtet Laura Rodegher, die sich im Namen des Unternehmens bei den örtlichen Behörden für die Unterstützung bedankt. „Durch die Waschstraße können wir bis zu 40.000 Teile Bewohnerwäsche pro Tag in der Region bearbeiten.“ Auch auf die Belegschaft habe dies positive Auswirkungen: „Wir konnten sie damit nah an ihren ursprünglichen Einsatzort zurückholen. Mit etwa 70 Prozent kann schon ein Großteil der Mitarbeiter in unserer Halle in Kaiserslautern arbeiten. Darauf sind wir stolz.“ Außerdem gebe es mit dem Standort in Saarbrücken einen weiteren Betrieb, an dem die Beschäftigten ohne allzu weite Fahrwege eingesetzt werden könnten. Entlassungen habe es nicht gegeben, im Gegenteil: „Die Anzahl unserer gewerblichen Mitarbeiter ist um acht auf 398 gestiegen“, berichtet Rodegher.

Was Elis vorhat

Und wie geht es mit dem Standort Landstuhl weiter? Dort am Firmensitz in der Bruchwiesenstraße wirkt auch vier Monate nach dem Brand alles weitgehend unverändert. Die komplett zerstörte Produktionshalle, die seit dem Feuer als einsturzgefährdet gilt, ist noch nicht abgerissen. Was hat Elis jetzt vor?

„Wir planen derzeit den Wiederaufbau unserer Niederlassung Landstuhl und prüfen aktuell die genaue Umsetzung“, sagt die Unternehmenssprecherin auf Anfrage. „Innerhalb von 20 Monaten wollen wir den Standort vollständig wiederaufbauen.“ Gerüchte, die Wäscherei wolle sich dabei vergrößern, lässt Laura Rodegher unkommentiert. „Die Planungen zur genauen Umsetzung laufen“, gibt sie keine Details preis, fügt aber an: „Die Rückkehr unserer Mitarbeiter nach Landstuhl hat oberste Priorität.“

Eine gute Nachricht für die Sickingenstadt. Denn Elis – ein börsennotierter französischer Textilservice-Konzern mit mehr als 50.000 Mitarbeitern in 440 Niederlassungen und 28 Ländern, der in Europa als Marktführer bei der Reinigung von Wäsche und Berufskleidung etwa für Krankenhäuser und Pflegeheime gilt – ist einer der größten Arbeitgeber im Westen des Landkreises.

Die völlig zerstörte Produktionshalle steht noch.
Die völlig zerstörte Produktionshalle steht noch.
Neue Waschstraße: Im Übergangsstandort von Elis in Kaiserslautern laufen täglich 40.000 Wäscheteile durch die Maschinen.
Neue Waschstraße: Im Übergangsstandort von Elis in Kaiserslautern laufen täglich 40.000 Wäscheteile durch die Maschinen.
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