Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Brandfallen lauern im Haushalt: So schützt man Haus und Familie

Feuer kann sich rasend schnell ausbreiten: Nach einer Feuerwalze brannte dieses Haus in Weilerbach 2022 bis auf die Grundmauern
Feuer kann sich rasend schnell ausbreiten: Nach einer Feuerwalze brannte dieses Haus in Weilerbach 2022 bis auf die Grundmauern nieder. Die Bewohner konnten sich glücklicherweise retten.

Wie kann ich mein Haus vor Feuer schützen und wie verhalte ich mich richtig, wenn es brennt? Thomas Jung, ein erfahrener Wehrleiter, gibt Tipps, die Leben retten können.

Sie sind seit vielen Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Landstuhl und haben schon alles Mögliche gesehen. Was ist nach Ihrer Erfahrung die häufigste Brandursache?
Meist sind es technische Defekte unterschiedlicher Art. Häufig gehen die Brände von Verlängerungskabeln mit Mehrfachsteckdosen aus. Wenn man die Wahl hat, sollte man Geräte immer in einer Wandsteckdose anschließen. Das ist auf jeden Fall die bessere Wahl.

Wenn ich aber ein Verlängerungskabel einsetzen will, auf was sollte ich achten?
Erstens schon mal auf die Qualität. Das GS-Zeichen ist okay, aber erst das VDE- oder TÜV-Siegel macht ein gutes Verlängerungskabel aus. Außerdem sollte die Steckerleiste einen Ausschaltknopf haben, um alle Geräte auf einen Schlag vom Strom nehmen zu können. Ich mache das bei mir daheim immer abends vorm Schlafengehen. Sehr wichtig ist zudem, dass man das Verlängerungskabel nicht überlastet, indem man zu viele Stromverbraucher auf einmal einsteckt.

Wie erkenne ich eine mögliche Überlastung?
Auf der Steckerleiste steht drauf, für wie viel Watt sie maximal ausgelegt ist. Beispielsweise für 3000 Watt. Auf den Geräten ist ebenfalls vermerkt, wie viel Watt sie ziehen. Da muss man dann schauen, dass man nicht zu viel gleichzeitig einsteckt. Manchmal kann schon ein einziges Gerät ausreichen, etwa ein Wasserkocher oder ein anderer Stromfresser. Wir hatten vor Jahren einen Fall, da hat ein Kühlschrank, der an einem Verlängerungskabel hing, einen Vollbrand in einem Betrieb ausgelöst. Dass innen drin etwas schmort, sieht man oft nicht, besonders wenn die Steckerleiste auch noch schwarz ist.

Apropos Schmorbrand: Auch seinen Sicherungskasten sollte man mal prüfen lassen. Wenn Schraubsicherungen nicht festsitzen, kann das auch zu einem Feuer führen.

Prävention ist das A und O, sagt der Landstuhler Wehrleiter Thomas Jung und empfiehlt Privathaushalten einen ABF-Feuerlöscher, d
Prävention ist das A und O, sagt der Landstuhler Wehrleiter Thomas Jung und empfiehlt Privathaushalten einen ABF-Feuerlöscher, der vielfältig einsetzbar ist.

Welche Gefahrenquellen werden Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt?
Der Klassiker ist: das Teelicht. Wir hatten einen Fall, da wurde das Teelicht so heiß, dass der Holztisch, auf dem es stand, anfing zu brennen. Bei dem Brand ist damals sogar ein Mensch ums Leben gekommen. Daher: Teelichter niemals ohne Unterlage anzünden! Gefährlich sind auch Lithium-Ionen-Akkus, die in Smartphones, Laptops oder E-Bikes zum Einsatz kommen. Gerade ältere Geräte nicht unbeaufsichtigt aufladen, also beispielsweise über Nacht. Ein E-Bike würde ich lieber draußen laden. Eine unterschätzte Gefahr sind außerdem Kaminbrände: Zur Prävention ist es wichtig, den Kamin regelmäßig reinigen zu lassen. Außerdem kein feuchtes Holz verbrennen. Und keine größeren Papiermengen. Wir haben erlebt, dass jemand den Inhalt mehrerer Aktenordner verbrannt hat und sich dadurch der Kamin so zusetzte, dass es zum Feuer kam.

Und bei Haushaltsgeräten: Auf was sollte man hier achten, um Brände zu vermeiden?
Eins vorweg: Am besten sollte man Haushaltsgeräte nur laufen lassen, wenn jemand zu Hause ist. Wichtig ist zudem auch hier die regelmäßige Reinigung. Zu viele Flusen in einem Trockner können zu einem Brand führen. Ähnlich ist es mit einer Dunstabzugshaube, die voller Fett ist. Wir wurden mal zu einem Küchenbrand gerufen, bei dem eine Stichflamme aus einer Pfanne die Haube in Brand gesetzt hat. Deshalb sollte der Fettfilter öfter gereinigt werden. Im Übrigen erleben wir auch öfter Brände, weil Leute vergessen, dass sie was auf dem Herd haben.

Wenn wir schon bei Bränden in der Küche sind: Wie sollte man da am besten reagieren?
Wenn sich in der Pfanne Fett entzündet, niemals Wasser einsetzen, denn das führt zur Fettexplosion. Richtig ist, Deckel drauf, Feuer ersticken, Pfanne ins Freie bringen und auskühlen lassen. Sinnvoll ist auch ein Fett-Feuerlöscher, den man in der Küche für den Fall der Fälle bereit halten sollte. Das ist dann ein Löscher der Brandklasse F für Fett.

Kaminöfen sind eine oft unterschätzte Gefahr: Bei falschem Brennstoff kann es zum Kaminbrand kommen.
Kaminöfen sind eine oft unterschätzte Gefahr: Bei falschem Brennstoff kann es zum Kaminbrand kommen.

Welche Art Feuerlöscher würden Sie für private Haushalte empfehlen?
Man unterscheidet zwischen Pulver- und Schaumfeuerlöschern. Bei ersterem muss man wissen, dass das Pulver in alle Ritzen geht, die ganze Wohnung verunreinigt und elektronische Geräte schädigen kann. Schaum hinterlässt deutlich weniger Spuren und lässt sich gut entfernen. Ein Schaumlöscher ist für Innenräume ideal und für den Hausbedarf ausreichend. Empfehlen würde ich einen vielseitig einsetzbaren ABF-Kombilöscher: Brandklasse A steht für feste Stoffe wie Holz, Papier oder Textilien, B für flüssige Stoffe oder Stoffe, die flüssig werden können wie Kunststoff, Benzin oder Lack, und Brandklasse F steht für Fett und Speiseöl. Den Löscher kann man dann auch nehmen, wenn die Fritteuse brennt. Wichtig ist, bei Fettbränden niemals normale ABC-Schaumlöscher ohne Brandklasse F einzusetzen!

Was sollte man noch bei einem Feuerlöscher beachten?
Keine Billiglöscher im Internet kaufen. Ein guter Löscher kostet schon so zwischen 80 und 125 Euro. Außerdem müssen Löscher alle zwei Jahre gewartet werden. Dafür gibt es spezielle Firmen. Bei guter Wartung halten sie dann – je nach Modell – 20 bis 25 Jahre. Die Spezialfirmen bieten auch Schulungen an, damit man im Ernstfall einen solchen Löscher auch schon einmal benutzt hat: sehr empfehlenswert!

Die meisten Menschen sterben bei Bränden ja nicht primär durch das Feuer, sondern durch den Rauch, oder?
Auf jeden Fall! Der Rauch ist das Gefährlichste! Da reichen ganz wenige Atemzüge. Wenn das Zimmer bereits verqualmt ist, sollte man es am Boden kriechend verlassen, die Tür schließen und dann nichts wie raus aus dem Haus.

Rauchmelder sind ja seit 2016 in privatem Wohnraum Pflicht. Was gilt es dabei zu beachten?
Die Rauchmelder müssen alle zehn Jahre ausgetauscht werden. Am besten sind Geräte, die untereinander vernetzt sind. So bekommt man beispielsweise nachts oben im Schlafzimmer mit, wenn es im Keller brennt. Es gibt auch die Möglichkeit, die Meldung aufs Handy laufen zu lassen. Dann kann man auch reagieren, wenn man außer Haus ist. Sinnvoll sind zudem Kohlenmonoxid-Melder (CO-Melder), gerade wenn man einen Kaminofen oder offenen Kamin hat.

Wo ist da der Unterschied?
Während der Rauchmelder nur Rauchpartikel erkennt, schützen CO-Melder vor der unsichtbaren, geruchlosen, aber tödlichen Gefahr des Kohlenmonoxids, das bei unvollständiger Verbrennung entstehen kann. Beide Geräte ergänzen sich in ihrer Funktion und erhöhen die Sicherheit erheblich. Eine Kombination aus beiden Meldern ist daher die beste Vorsorgemaßnahme.

Wenn man ein Feuer im Haus entdeckt: Wie sollte man sich verhalten?
Bei einem kleinen Feuer kann man selbst einen Löschversuch starten, sollte danach aber am besten die Feuerwehr zur Nachschau anfordern. Wir gucken an Stellen, wo der Laie gar nicht drauf kommen würde. Und dieser Service kostet nichts. Generell gilt aber: Eigenschutz ist das Wichtigste. Feuer sollte man niemals unterschätzen, denn es kann sich unter Umständen ganz schnell ausbreiten. Im Zweifel also immer lieber unter 112 die Feuerwehr alarmieren. Und ganz wichtig: beim Anruf die Rückfragen abwarten. Das trainieren wir schon mit den Kindern in der Schule. Denn viele legen in der Aufregung zu früh auf und dann fehlen uns wichtige Informationen. Zum Beispiel, ob noch Menschen im Haus sind. Durch hastige Anrufe gewinnt man keine Zeit, im Gegenteil. Ohnehin hat die Feuerwehr dann die Verpflichtung, innerhalb von zehn Minuten am Brandort zu sein, was uns hier in der VG Landstuhl durch die verschiedenen Einheiten, die je nach Brandstelle alarmiert werden, auch gelingt.

Und was mache ich in der Zwischenzeit?
Wenn möglich, das Haus verlassen und die Türen schließen, um den Rauch einzusperren und Durchzug zu vermeiden. Aber: Auf keinen Fall durchs Feuer laufen, wie das in Filmen oft gezeigt wird, sondern in einem Zimmer bleiben, die Tür abdichten, damit der Rauch draußen bleibt, das Fenster öffnen, den Notruf absetzen und sich bemerkbar machen, wenn die Feuerwehr eintrifft.

Drohen eigentlich Kosten für den Feuerwehreinsatz, wenn ich den Brand fahrlässig verursacht habe?
Nein, der Einsatz kostet nichts, auch nicht bei Fahrlässigkeit oder schlicht Pech. Auch Einsätze zur Tierrettung sind kostenlos. Eine Ausnahme bilden Autounfälle. Doch da bezahlt die Versicherung den Einsatz.

Zur Person

Thomas Jung ist seit 2014 ehrenamtlicher Wehrleiter der Verbandsgemeinde Landstuhl, seit der Fusion hat er dieses Amt auch für den Bereich der früheren VG Kaiserslautern-Süd inne. Hauptberuflich ist der gelernte Kfz-Meister seit 1992 Gerätewart bei der Verbandsgemeinde. Der 60-jährige Landstuhler ist verheiratet und hat vier Kinder.

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